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Berliner Zeitung 26.07.2019

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Grüße aus der Sahara –die Hitze über Deutschland – Tagesthema Seite 2 Heute mit Made in Berlin Seite 6 19°/29° Wolkenloser Himmel Wetter Seite 2 Diebe in Ost und West: Ein dreister Kunstraub Seite 3 www.berliner-zeitung.de Tempo 30 bremst die BVG-Busse aus Berlin Seite 9 Freitag,26. Juli 2019 Nr.171 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € DDR-Flüchtlinge können jetzt auf Hilfe hoffen Berlin Seite 14 Rekordversuch Der fliegende Mann gibt nicht auf VonBirgit Holzer Erwollte seine eigene Sensation vom 14. Juli noch übertreffen. Vorden staunenden Augen von Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel, weiteren internationalen Ehrengästen und Millionen Fernsehzuschauern war Franky Zapata im Rahmen der Militärparade am französischen Nationalfeiertag mit seinem „Flyboard Air“ in die Luft aufgestiegen. Wie ineinem Science-Fiction- Film düste er auf der fliegenden Plattform über die Champs- Élysées und FrankyZapata wurde so zur Attraktion der oh- will bald wieder hoch hinaus. nehin schon spektakulären Zeremonie –und zumindest kurzzeitig eine internationale Berühmtheit als „fliegender Mann“. Die wollte der 40-Jährige aus Marseille nutzen, um am Donnerstag den nächsten Coup zu landen: eine Überquerung des Ärmelkanals vomnordfranzösischen Sangatte bis ins britische Doverauf seinem selbst erfundenen „Flyboard“. Doch der Versuch misslang: Ungefähr auf der Hälfte der 35 Kilometer langen Strecke stürzte Zapata bei einem Tankstopp ins Meer. Rettungskräfte zogen ihn unverletzt aus den Wellen und brachten ihn an Land. Matthias Tesson, Mitglied seines Teams, sprach von einer „riesigen Enttäuschung“: „Wir waren alle verrückt vor Freude über dieses Projekt. Es gab viele Hindernisse, doch er blieb immer auf Kurs und überwand eines nach dem anderen.“ Tatsächlich wollte die französische Seepräfektur das Vorhaben aus Sicherheitsgründen zunächst nicht genehmigen. Zigmal hatte Zapata auch in ungünstigeren Bedingungen geübt, vorallem das Nachfüllen vonKerosin, das er in einem Rucksack trug. Genau diese Aktion wurde ihm zum Verhängnis, weil er das Gleichgewicht verlor,als er das Boot ansteuerte,mit dem er zum Tanken verabredet war. Bis zu140 Kilometer schnell und bis zu 20 Meter über dem Meer soll laut dem Hersteller das „Flyboard“ fliegen, das aussieht wie ein schwebendes Skateboardund vonfünf kleinen Düsentriebwerken angetrieben wird. Mit seinen Aktionen wollte Zapata, gelernter Mechaniker, Unternehmer und Weltmeister im Jetski, das Boardauch bewerben: Demnach könne es nicht nur vom Militär, sondernauch für zivile Rettungseinsätze oder in der Industrie genutzt werden. Zapata selbst sagte nach dem Absturz, er werdeeinen zweitenVersuch starten: „Wann, das weiß ich nicht, aber in den nächsten Tagen. Ichmuss mit allen neu verhandeln.“ So ideal wie am Donnerstag wird der Zeitpunkt aber kaum sein: AufdenTaggenau 110 Jahre zuvor hatte Louis Blériot als erster Menschen den Ärmelkanal per Flugzeug überquert. Der Kaiser und seine Familie Die Hohenzollern fordern die Bundesrepublik heraus –über den neuen Streit um eine alte Geschichte. Seiten 8und 16 Berliner Schüler kiffen früh und viel Alarmierende Studie des Landes: „Der Cannabiskonsum bei Jugendlichen ist auf einem Rekordhoch“ VonKatrin Bischoff Berlins Schüler greifen immer früher und immer häufiger zu Cannabis.Das ergibt eine Untersuchung der Fachstelle für Suchtprävention des Landes Berlin unter 1725 anonym befragten 12- bis 20-jährigen Schülern, deren Ergebnisse am Donnerstag veröffentlicht wurden. „Der Cannabiskonsum bei Jugendlichen ist auf einem Rekordhoch“, sagt Kerstin Jüngling, die Leiterin der Fachstelle, ineinem Interview mit der Berliner Zeitung. Jeder dritte Schüler in der Hauptstadt kiffe oder habe schon einmal Cannabis geraucht. Damit liege Berlin um mehr als 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Koalition plant kontrollierte Abgabe Aus der Untersuchung geht auch hervor, dass die Jugendlichen beim ersten Konsum der illegalen Droge im Schnitt 14,6 Jahrealt sind und im Durchschnitt zwei Jahre früher mit dem Kiffen beginnen als ihreAltersgenossen im Rest der Bundesrepublik. Kerstin Jüngling sagt, die Ergebnisse hätten die Befürchtungen von Suchtexperten weit übertroffen. Zumal die Hälfte der cannabiserprobten Jugendlichen Suchtmerkmale aufweisen würde.Die Schüler kifften mehrfach in der Woche oder zumindest regelmäßig. Cannabis ist die am meisten konsumierte illegale Droge unter Jugendlichen. Die Betroffenen kommen laut Jüngling aus allen gesellschaftlichen Schichten, allen Bezirken, allen Schulen. „Es gibt in Berlin nach meiner Einschätzung keine Schule, die drogenfrei ist“, sagt die Suchtexpertin. Wenn man so wolle, würden neun bis zehn Schüler einer jeden Klasse in Berlin kiffen. Undder Cannabiskonsum werde inBerlin nicht als besonders besorgniserregend angesehen. „Kiffen scheint in dieser Stadt extrem normal zu sein.“ Sie sagt, je früher junge Leute anfangen, Cannabis zu konsumieren, desto höher sei das Risiko einer Suchterkrankung. Nach Angaben der Suchtexpertin würden sich die Jugendlichen ihr Gras über Freunde besorgen oder bei einem Dealer kaufen. DerTHC- Gehalt, der süchtig macht, sei in den letzten Jahren hochgezüchtet worden. Dasmache die Droge noch gefährlicher. Cannabis sei gerade in der Pubertät für die Entwicklung extrem schädlich. Und der Konsum von Gras sei bei Jugendlichen strafbar. Catherina Pieroth, die Sprecherin für Gesundheits- und Drogenpolitik „Keine Schule in Berlin ist drogenfrei.“ der Berliner Grünen-Fraktion, nennt das Ergebnis der Untersuchung beeindruckend. „Vor allem das Einstiegsalter erfüllt mich mit Sorge“, sagt sie. Die eigentliche Zielgruppe seien Jungs bis 21 Jahre, die man stärker begleiten müsse. Nach ihrer Auffassung arbeite die Fachstelle für Suchtprävention exzellent. Allein in diesem Jahr gaben die dortarbeitenden Suchtexperten bereits über 100 Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention des Landes Berlin, zieht ein ernüchterndes Fazit zum Drogenkonsum in der Hauptstadt. Seminare an Schulen zum Thema Drogenprävention. Pieroth kündigt auch an, dass der rot-rot-grüne Senat erreichen wolle, Cannabis in Berlin an Erwachsene kontrolliert abgeben zu dürfen. Für das im Koalitionsvertrag aufgeführte Modellprojekt werde derzeit voneinem Hamburger Institut ein entsprechender Antrag erarbeitet, der im September beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eingereicht werden soll. „Wir hoffen, dass der Antrag nach sechs bis acht Wochen positiv beschieden wird“, sagt Pieroth. Dann könne schon im kommenden Jahr kontrolliert Cannabis an über 18- Jährige abgegeben werden: In der Fachstelle für Suchtprävention, einem anderen Träger oder aber in Apotheken. Damit würde Berlin eine ebensolche Liberalisierung des Cannabis-Marktes erreichen wie die Niederlande, Portugal, Luxemburg, die USA oder Kanada. „Die Zahlen zeigen, dass die Verbotspolitik der vergangenen Jahrein keinster Weise genutzt hat“, sagt Pieroth. Im Gegenteil: Im Görlitzer Park etwa floriere das illegale Geschäft mit Drogen. Eine kontrollierte Abgabe vonCannabis würde den kriminellen Schwarzmarkt eindämmen. Kreuzberger Antrag scheiterte „Mir ist es lieber,wenn mein 20-jähriger Sohn Cannabis in einer Abgabestelle oder Apotheke erwirbt, als beim Dealer,woernicht weiß, was in der Mogelpackung drinsteckt“, sagt die drogenpolitische Sprecherin der Grünen. Dann wisse er wenigstens durch einen Beipackzettel, was er gekauft habe. Das Geld für das Modellprojekt sei bereits in den Haushalt eingestellt. Auch die Kosten, um die kontrollierte Abgabe von Cannabis gerichtlich durchzusetzen. Im vergangenen Jahr hatte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einen ähnlichen Antrag gestellt. Das Institut hatte das Vorhaben jedoch mit der Begründung abgelehnt, es sei mit dem Betäubungsmittelgesetz unvereinbar. Berlin Seite 15 IMAGO IMAGES Entscheidende Technikprüfung am BER startet Airportchef Lütke Daldrup: „Wir haben das im Griff“ VonPeter Neumann Bislang war er vor allem für negative Schlagzeilen gut. Doch nun gibt es zur Abwechslung auch einmal gute Nachrichten vom Flughafen BER in Schönefeld. Die letzten beiden Anlagen, an denen noch gebaut wurde, sind fertig, sagte Flughafenchef EngelbertLütke Daldrup im Interview mit der Berliner Zeitung. Damit ist dieVoraussetzung erfüllt, dass die umfassende Prüfung der Technik im Fluggastterminal T1 nun tatsächlich anlaufen kann. Die Wirk-Prinzip-Prüfung, bei der die Anlagen zwei Monate lang im Zusammenspiel getestet werden, soll am Montag beginnen, so Lütke Daldrup. Als letzter Bestandteil der Technik war am Dienstag die Anlagengruppe 05 final geprüft worden. Sie umfasst die Brandmelde- und Alarmierungsanlagen im zentralen Gebäude. Zuvor waren die Sicherheitsstromversorgung und die Sicherheitsbeleuchtung fertig geworden. Dort ging es vor allem um die Kabeltrassen, die mit den falschen oder zu viel Leitungen belegt worden waren. Aufden letzten Drücker Mitweiteren Technikthemen sei nun nicht mehr zu rechnen, sagte der Flughafenchef im Interview.„Wirhaben das Fluggastterminal im Griff.“ Das TÜV-Konzept der Wirk-Prinzip-Prüfung sieht vor, dass alle nötigen Brandschutz-Szenarien durchgetestet werden. Mit dem Erreichen dieser Etappe gewinnen die Planer Sicherheit, dass der BER wie angekündigt im Oktober 2020 in Betrieb gehen kann. Der CDU-Politiker Christian Gräff begrüßte es,dass die entscheidenden Prüfungen endlich beginnen. Dies sei wiederholt angekündigt, aber mehrmals verschoben worden. „Nun geschieht es buchstäblich auf den letzten Drücker“, so Gräff. Weiterhin unklar bleibe aber, obsich der Eröffnungstermin 2020 einhalten lässt. „Bisher wurden weder Deutsche Flugsicherung noch die Airlines informiert“, sagte der Abgeordnete.Sie benötigten zur Vorbereitung eines Umzugs ein gutes Jahr. „Skepsis in Sachen BER- Start ist damit weiterhin angebracht.“ Berlin Seite 10 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51030

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