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Berliner Zeitung 26.08.2019

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Waswird jetzt aus ihr? Franziska Giffey auf Tour im Osten – Seite 3 Sebastian Czaja im Interview Seite 12 20°/31° Heiter bis wolkig Wetter,Seite 2 Verdorbenes Heimdebüt: Hertha verliert 0:3 Sport Seite 20 www.berliner-zeitung.de Irans Außenminister überraschend bei den G7 Tagesthema Seite 2 Montag,26. August 2019 Nr.197 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Klimaschutz? Die Regierung fliegt zu viel Politik Seite 4 Union Berlin Ja, Polter kann Bundesliga! VonMarkus Lotter Hier ist eine der zentralen Erkenntnisse aus dem Auswärtsspieldebüt des 1. FC Union in der höchsten deutschen Spielklasse: Sebastian Polter kann Bundesliga. Das war am Sonnabend in der Augsburger Arena gleich in mehreren Situationen zu beobachten. Beim Ausgleichstreffer in der 80. Minute beispielsweise, als er nach einer Balleroberung von Robert Andrich am Mittelkreis sofort verstand, was zu tun war, lossprintete und im entscheidenden Moment gekonnt auf Sebastian Andersson Sebastian Polter, Publikumsliebling querlegte, der beim 1. FC Union. wiederum nervenstarkzum 1:1 abschließen konnte. Man könnte aber auch eine weniger spektakuläre Aktion aus der 87. Minute heranziehen, um die zu Anfang aufgestellte These weiter zu stützen. Da befreite sich Polter,der erst in der 70. Minute ins Spiel gekommen war, ander Außenlinie mit zwei gekonnten Finten aus einer ballverlustverdächtigen Unterzahlsituation, blieb am Ball, passte diesen schließlich auf Innenverteidiger Neven Subotic. So verschafft man seiner Mannschaft in einer durchaus turbulenten Schlussphase einen Moment der Ruhe. Polter hat aufwühlende Monate hinter sich. Vor dem Amtsgericht Wolfsburg musste er sich im Frühjahr wegen der Unterlassung von Unterhaltungszahlungen an seine beiden Kinder verantworten, seine inzwischen ehemalige Frau Denise hatte den Fall über den Boulevardin die Öffentlichkeit gebracht. Parallel dazu war der gebürtige Wilhelmshavener beim Aufstieg der Eisernen als Einwechselspieler nur eine Randfigur, während sich sein Konkurrent auf der Mittelstürmerposition, der Schwede Sebastian Andersson, zum unverzichtbaren Erfolgsfaktor und zum Musterschüler von Trainer Urs Fischer entwickelte. Und sogab es schließlich nicht wenige, die nach der Verpflichtung von Anthony Ujah und Marcus Ingvartsen darauf wetteten, dass Polter noch in diesem Sommer Abschied nimmt, die Flucht ergreift, um diese erste Bundesligasaison seines Herzensklubs nicht als Dauertribünengast erleben zu müssen. Aber denkste! Polter hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, hat in der Vorbereitung auf diese Spielzeit, das ist offensichtlich, hart ansich gearbeitet. Er wirkt durchtrainierter, drahtiger, leichtfüßiger denn je, verfügt aber natürlich immer noch über diese von Körper und Leidenschaft getragene Wucht, die das Besondere an ihm ist. Ja,der Liebling der Fans,der Profi zum Anfassen, Unions Identifikationsfigur, ist wieder da und mittendrin, und das auf eindrucksvolle Weise. SportSeite 20 Acht Euro Miete –mehr geht nicht Das steht im vertraulichen Papier des Senats für den Mietendeckel –nicht nur die Opposition ist empört VonAnnika Leister Der rot-rot-grüne Senat will ab Anfang 2020 die Mieten in Berlin mit einem Mietendeckel für fünf Jahre einfrieren. Vorbereitungen und rechtliche Gutachten dazu laufen seit Juni. Jetzt nennt ein vertrauliches Papier der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, das der Berliner Zeitung vorliegt, erstmals die Mietobergrenzen, die dann gelten sollen: Demnach sollen Mieter,die in einem vor 2014 bezugsfertig gewordenen Haus leben, berlinweit nicht mehr als 7,97 Euro proQuadratmeter und Monat für die Netto-Kaltmiete zahlen. Je nachdem, wie alt das Gebäude ist, in dem Mieter wohnen, kann es sogar noch wesentlich günstiger für sie werden. Für Wohnungen, die vor 1949 bezugsfertig wurden, sieht das Papier zum Beispiel nur eine Mietobergrenze von 6,03 Euro vor. Zuerst hatten Berliner Morgenpost und Tagesspiegel über den Entwurf berichtet. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wollte sich am Sonntag zu dem Papier nicht äußern. Von Linken und Grünen hieß es, die im Papier genannten Mietobergrenzen bildeten nicht den aktuellen Stand der Diskussionen ab. Man befände sich noch mitten in Gesprächen. Richtungsweisend ist das Papier dennoch. Die Senatsverwaltung bezieht dabei die Lage der Wohnung nicht mit in die Berechnungen ein. Stattdessen ist das Alter der Immobilien der ausschlaggebende Faktor. Am niedrigsten soll demnach die Reden Sie mit! Zehn Debatten in zehn Wochen: Berliner Zeitung, Tagesspiegel und die Bundeszentrale für politische Bildung feiern 30 Jahre Meinungsfreiheit. Seite 8 Miete in Häusernaus der Nachkriegszeit sein. Für von 1950 bis 1955 bezugsfertig gewordene Wohnungen soll ein Höchstpreis von 5,88 Euro gelten. Mit 5,85 Euro und 5,74 Euro liegen die angepeilten Mietobergrenzenfür Wohnungen, die von1956 bis 1964 und von 1965 bis 1972 bezugsfertig wurden, in ähnlicher Höhe.Bei jüngeren Bauten ab 1973 will die Senatsverwaltung zwischen Ost- und West-Berlin unterscheiden: In West- Berlin soll die Mietobergrenze maximal 7,51 Euro betragen, im Ostender Stadt 5,64 Euro.Amhöchsten fällt der Wert für Häuser aus,die von1991 bis 2013 bezugsfertig wurden: Hier wird die Obergrenze von 7,97 Euro genannt. Modernisierungszuschläge sollen nur für Wohnungen möglich sein, die in den letzten acht Jahren vorInkrafttreten des Mietendeckelsoder während dessen Geltung modernisiert werden. Überschreitet die nach Modernisierung erhöhte Miete die Obergrenze, muss das Bezirksamt sie genehmigen. Die Obergrenze darf trotz Modernisierungszuschlägen nicht um mehr als 20 Prozent überschritten werden. Ausgenommen werden vomMietendeckel sollen der öffentlich geförderte Wohnungsbau, Studenten- oder Jugendwohnheime und Neubauten, die ab dem 1. Januar 2014 bezugsfertig wurden. Beider Opposition weckt der Entwurf heftigen Protest: DerFDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja „Höchst bedenklich, völlig unverhältnismäßig und wirtschaftlich eine Katastrophe für Berlin.“ Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin sprach am Sonntag von „Sozialismusfantasien des Senats“, die sofort zu beenden seien, und kündigte bereits eine Normenkontrollklage vor dem Verfassungsgericht an. Als „unsozial und unseriös“ bewertete auch die CDU den Entwurf. Er beziehe die Lage nicht mit ein und hätte zur Folge, dass Mieter einer sanierten Altbauwohnung am Kurfürstendamm weniger Miete zahlen müssten als Mieter eines fünf Jahre alten Hauses am Stadtrand, sagte Christian Gräff, baupolitischer Sprecher der Christdemokraten im Abgeordnetenhaus.Diese Zahlen seien nicht nachvollziehbar und „lächerlich“. Auch Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin, sagte,sie halte dasVorgehen für „höchst bedenklich, völlig unverhältnismäßig und wirtschaftlich eine Katastrophe für Berlin“. Vonbegeistertbis vorsichtig-skeptisch hingegen reicht das Meinungsspektrum aufseiten der rot-rot-grünen Koalition. „Hoch zufrieden“ mit der grundlegenden Ausrichtung des Papiers zeigte sich Gaby Gottwald (Linke), Mitglied des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wohnen. Die Lage der Immobilien bleibe bei der Berechnung der Mietobergrenzen aus gutem Grund außen vor, sagte sie mit Blick auf die Kritik der CDU. Denn gerade die extrem hohen Mieten inPremiumlagen führten zur Segregation in der Stadt. Katrin Schmidberger, wohnungspolitische Sprecherin der Grünen- Fraktion, wies darauf hin, dass man auf weitere Gutachten und eine Folgeeinschätzung des Senats warte,die zentral seien. Siekönne sich aber vorstellen, weitereDifferenzierungen bei den Mietobergrenzen, zum Beispiel nach der Größe der Wohnungen, zu diskutieren. Größte Herausforderung beim Mietendeckel sei, dass man einerseits den Gegebenheiten der Häuser gerecht werden müsste, andererseits aber ein Gesetz bräuchte, dass nicht zu kompliziert ausfalle. Iris Spranger, wohnungspolitische Sprecherin der SPD, will den finalen Entwurf zumMietendeckel auch vonder Justizverwaltungabsegnen lassen. Es seiklar, dassman damit vordem Bundesverfassungsgericht lande. (mit gl.) Kommentar Seite 8, Berlin Seite13 DPA Mord in Moabit: Russe sitzt in Haft Politisches Motiv für die Tat immer wahrscheinlicher VonAndreas Kopietz Nach dem Mord an einem 40-jährigen Georgier am Freitag in Moabit halten Ermittler ein politisches Motiv für immer wahrscheinlicher.Die Polizei geht inzwischen von einem Auftragsmord aus. AmFreitagmittag war der Georgier im Kleinen Tiergarten aus nächster Nähe mit Schüssen getötet worden. Stunden später nahmen Polizisten einen 49-jährigen russischen Staatsbürger fest. Es soll sich angeblich um einen Mann aus der autonomen Republik Tschetschenien handeln, was die Staatsanwaltschaft derzeit nicht bestätigt. In der Wohnung des Verdächtigen in Moabit fand die Polizei eine große Menge Bargeld. EinRichter erließ am Sonnabend gegen den 49-Jährigen Haftbefehl wegen heimtückischen Mordes. „Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe“, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. „Er macht von seinem Schweigerecht Gebrauch.“ Weitere Angaben machte der Sprecher nicht. Nach Informationen der Berliner Zeitung schließen die Mordermittler inzwischen persönliche Motiveoder Drogengeschäfte als Hintergrund der Tataus. Der Ermordete war vor vier Jahrenmit seiner Familie nach Deutschland geflohen. Damals hatten Unbekannte bereits mehrere Mordanschläge auf ihn verübt, die aber scheiterten. Im Jahr 2012 hatte der heute 40- Jährige in einem bewaffneten Konflikt zwischen dem georgischen Innenministerium und islamistischen Rebellen vermittelt. Im August jenes Jahres hatten sich islamistische Aufständische in einem Dorf imNordosten Georgiens unweit der Grenze zur russischen Kaukasusrepublik Dagestan verschanzt und sich tagelang blutige Gefechte mit georgischen Spezialeinheiten geliefert. Mit den Islamisten war der Georgier offenbar gut vernetzt. Georgischen Medienberichten zufolge hatte er im Tschetschenien-Krieg gegen russische Einheiten gekämpft. Nach Angaben einer georgischen Menschenrechtsorganisation betrachtete Russland den 40-Jährigen als Terroristen. Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11035

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