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Berliner Zeitung 26.09.2018

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Oktoberfestattentat:Wie dicht war ein V-Mann am Täter? – Seite 3 „Kruso“ als Kinofilm Seite 23 6°/18° Mehr Wolken Wetter Seite 2 Dau-Kunstprojekt: Kommt die Mauer doch? Berlin Seite 10 www.berliner-zeitung.de Unter Druck: Kirche legt Missbrauchsstudie vor Politik Seite 4 Mittwoch, 26. September 2018 Nr.225 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Bittere Hertha-Pleite, Union siegt glücklich Sport Seiten 19 und 20 Mit dem Schnuller zur UN VonKirsten Herrmann Sie ist erst drei Monate alt und trotzdem schon Star der UN-Vollversammlung in New York. Neve Te ArohaArdernist mit ihren Elternangereist. Während ihre Mutter, Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern, bei einem Friedensgipfel am Tagvor der UN-Generaldebatte eine Rede hält, sitzt Neve mit Vater Clarke Gayford, einem neuseeländischen Jacinda Ardern, Premier vonNeuseeland, mit Tochter Neve New York Fernseh- und Radiomoderator,still im Publikum. Es ist Neves erster Auftritt bei der UN, doch das „First Baby“ sorgt damit nicht zum ersten Mal für internationales Aufsehen. Bereits vor seiner Geburt versetzte das Mädchen ein ganzes Land in Aufruhr. Jacinda Ardern war gerade drei Monate im Amt als Premierministerin, als sie ihre Schwangerschaft bekannt gab.Sechs Monate später war sie die erst zweite Regierungschefin überhaupt, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekam.Vorihr schaffte das nur die Pakistanerin Benazir Bhutto im Jahr 1990. „Ich bin nicht die erste Frau, die arbeitet und ein Baby bekommt. Ich weiß, dass die Umstände etwas speziell sind, aber das haben schon viele Frauen vor mir geschafft“, sagte Ardern imJanuar den Skeptikern, deren zum Teil sexistischer Kritik sich die Premierministerin immer wieder gegenüber sieht. Im Juni 2018 kam Tochter Neve zur Welt und sechs Wochen später nahm die 38-jährige Ardern die Regierungsgeschäfte wieder auf. Elternpflichten übernimmt seit diesem Zeitpunkt hauptsächlich Partner Clarke Gayford. Ardernselbst betont immer wieder, dass sie froh sei, so viel Unterstützung zu genießen und beispielsweise die Möglichkeit zu haben, ihr Kind mit zur Arbeit zu bringen. Auch wenn es für eine funktionierende Regierung bedeutet, einen Flug extra auf Kosten der neuseeländischen Steuerzahler zu organisieren, um trotz der Regierungsaufgaben zum Stillen wieder zu Hause zu sein oder Baby Neve eben mit zur UN-Vollversammlung zu bringen, wird eben eine Ausnahme gemacht. Neve bekam für die UN sogar einen eigenen Zugangsausweis. IhrJob wirddarauf als „New Zealand First Baby“beschrieben. Politik Seite 5 Großes Problem für Merkel Der Vertraute der Kanzlerin, Volker Kauder,verliert seinen Posten als Fraktionschef. Das ist auch eine Attacke auf die CDU-Chefin. Seiten 2und 8 Knabe muss gehen Chef der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen wird in der Affäre um Sexismus-Vorwürfe entlassen VonMarkus Decker Inder Affäreumsexuelle Belästigungen von Frauen in der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen verliert Direktor Hubertus Knabe seinen Posten. Knabe werdeordentlich gekündigt, zugleich werdeervorläufig von der Arbeit freigestellt, teilte die Berliner Senatskulturverwaltung am Dienstag mit. „Der Stiftungsrat hat kein Vertrauen, dass Herr Dr. Knabe den dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung einleiten wird, geschweige denn einen solchen glaubhaft vertreten kann“, hieß es nach einer Sitzung des Gremiums zur Begründung. Der Rat hatte den Beschluss einstimmig gefasst. Noch am Montag hatte Knabe mitgeteilt: „Wenn es Kritik gibt, dann gehört diese auf den Tisch.“ Er ist seit 2001 Direktor. Knabes Stellvertreter soll ebenfalls gehen. Dem Vize-Direktor Helmuth Frauendorfer werde „schnellstmöglich und zum nächstzulässigen Termin ordentlich gekündigt“, teilte der Stiftungsrat mit. Er war bereits am Montag von Knabe wegen der Vorwürfe mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. In einem kürzlich publik gewordenen Brief an KulturstaatsministerinMonika Grütters (CDU) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatten mehrere frühere Mitarbeiterinnen, Volontärinnen und Praktikantinnen „der Führungsetage“ sexistisches Verhalten vorgeworfen. Sie formulierten Anschuldigungen über eine „erschreckende Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster“. Nächtliche SMS und Mobbing In dem Brief vom Juni beschrieben die Frauen verbale Belästigungen mit sexuellem Charakter, „Berichte über private Aktivitäten wie Puff und Swinger-Club“, „enge, fast intime körperliche Nähe und Berührung wie Streichen über die Arme, enge Umarmungen“, aufdringliche Einladungen, nächtliche SMS sowie Mobbing. Vorallem Frauendorfer stand dabei im Fokus. Sein Anwalt räumte Fehlverhalten ein. Gegen Knabe gebe es keine haltbaren Belästigungsvorwürfe, aber zumindest Indizien, heißt es. Lederer, der Vorsitzender des Stiftungsrates ist, sagte der Berliner Zeitung:„Es stand die Frage im Raum, ob wir Herrn Knabe zutrauen, den auf das Arbeitsklima bezogenen Kulturwandel in der Gedenkstätte, der offensichtlich nötig war, voranzubringen.“ Diese Frage sei einstimmig mit Nein beantwortet worden. Dem Gremium sei es überdies „wichtig, möglichst schnell Verhältnisse zu schaffen, in denen die Mitarbeiter wieder ihrer Arbeit machen können“. Aus dem Umfeld des Stiftungsrates verlautet, die kurzfristige Beurlaubung Frauendorfersdurch Knabe und die ebenso kurzfristige Benennung einer Anti-Diskriminierungsbeauftragten habe zum Schluss nicht mehr überzeugt. Schließlich galten die Belästigungen durch Frauendorfer seit Jahren auch Knabe als bekannt. Zudem seien die Vorwürfe nach Eintreffen des Briefes der Frauen intensiv geprüft worden. Dabei habe sich der Verdacht, inHohenschönhausen habe „ein Klima der Angst“ geherrscht, bestätigt. Knabe wirdebenfalls zur Last gelegt, in der vorigen Woche die Sondersitzung des Stiftungsrates bekannt gegeben zu haben –als wäre dies sein Verdienst gewesen. Im Stiftungsrat sitzen neben Lederer je eineVertreterinvon Grütters, der Senatsjustizverwaltung, dem Land Sachsen-Anhalt sowie der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Dieter Dombrowski. Drei derfünf Mitglieder sind Frauen. Knabe schon häufig in der Kritik Knabe selbst soll von der Entscheidung, sich vonihm zu trennen, trotz allem überrascht gewesen sein. Der 59-Jährige hatte sich trotz vielerlei Kritik an ihm und seiner Arbeit in den vergangenen Jahren immer wieder halten können. Erst kürzlich hatten mehrere Fachleute rechtspopulistische Tendenzen in der Gedenkstätte beklagt. Knabe trennte sich daraufhin vomGedenkstättenführer Siegmar Faust und setzte die Zusammenarbeit mit dem Förderverein und dessen mit der AfD sympathisierenden Vorsitzenden JörgKürschner vorläufig aus. Kürschner ist wie Frauendorfer ein langjähriger Weggefährte des Direktors. Kommentar Seite 8 DAVIDS/SVEN DARMER 15-Jähriger soll aus Mordlust getötet haben Prozessauftakt im Fall der Berliner Schülerin Keira G. Rund ein halbes Jahr nach der tödlichen Messerattacke gegen die Berliner Schülerin KeiraG.muss sich seit Dienstag ein 15-Jähriger vordem Berliner Landgericht verantworten. Dem Jugendlichen wird Mord aus Heimtücke, niederen Beweggründen und Mordlust vorgeworfen, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani.„Das ist ein außergewöhnlicher Fall“, betonte Anwalt Roland Weber,der dieMutter der erstochenen 14-Jährigen als Nebenklägerin begleitete. KarinG.saß mitschwarzemPullover undweißem Schal im Saal B218 dem mutmaßlichen Mörder erstmals persönlich gegenüber. Sie fixierte den Mitschüler von Keira mit hochkonzentriertem Blick. Die 41- Jährige kannte ihn nur aus Erzählungen ihrer Tochter. Zum Prozessauftakt schwieg der deutsche Angeklagte nach Angaben von Weber. „Wir haben vom Angeklagten nichts gehört.“ Es könne aber sein, dass er sich später äußere. Dass Mordlust bei einem Jugendlichen angeklagt wird, sei sehr selten. Das bedeute, aus Freude darüber zu töten, ein anderes Leben zu vernichten, so Weber in einer Prozesspause. Die Verhandlung werde zeigen, ob sich der Vorwurf bestätige und ob der Angeklagte überhaupt schuldfähig sei. Und: „Derzeit kann man zum Motiv gar nichts sagen“, meinte Weber, der auch Opferbeauftragter des Landes Berlins ist. Eine Jugendstrafkammer des Gerichts verhandelt hinter verschlossenen Türen, da der in U-Haft sitzende Angeklagte erst 15 ist. DieÖffentlichkeit war nur für etwa zwei Minuten zugelassen, als eine Schöffin vereidigt wurde. Der Angeklagte im grauen Kapuzenshirt verbarg sein Gesicht hinter einem Stück Papier. (dpa) Berlin Seite 12 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 31039 JETZT endlich auch in BERLIN! DieInfomesse fürdie Zeit nach demAbitur! ABI-ZUKUNFT .de BERLIN 29.September 2018 10 - 16 Uhr PalaisamFunkturm Rund 70 Aussteller

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