Aufrufe
vor 3 Monaten

Berliner Zeitung 26.11.2019

  • Text
  • Berliner
  • Berlin
  • Zeitung
  • Perfekte
  • Geheimnis
  • November
  • Joker
  • Deutschen
  • Vonder
  • Frauen
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Simply the Best: Tina Turner wird 80 – Feuilleton Seite 19 GötzAly: Lehren aus der Geschichte Seite 8 3°/8° Dichte Wolken Wetter Seite 2 Neukölln: Rechtsextreme spähen Opfer aus Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Immer mehr Frauen erleiden Gewalt in der Beziehung Politik Seite 4 Dienstag,26. November 2019 Nr.275 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Hertha: Preetz darf keine Fehler mehr machen Sport Seite 18 USA Reich, alt und sehr spät dran VonKarlDoemens Ein freundlicher Empfang sieht anders aus.„Er soll ruhig kommen“, sagte Vizepräsident Joe Biden und winkte mit beiden Händen, als freue er sich auf den ersten heftigen Konter. Senator Bernie Sanders kommentierte schroff: „Wir glauben nicht, dass Milliardäre das Recht haben, sich eineWahl zu kaufen.“ In dem mit 18 Kandidaten ohnehin schon überfüllten Bewerberfeld für die demokratische US- Präsidentschaftskandidatur ist man wenig erfreut über den jüngsten Zuwachs. Michael Etwas anderes Bloomberg will dürfte Michael DonaldTrump schlagen. Bloombergkaum erwartet haben. Schließlich ist der extrem späte Einstieg des 77-jährigen Finanz- und Medienmoguls in das Rennen ums Präsidentenamt ein offenes Misstrauensvotum gegen die Wettbewerber.„Ichbewerbe mich als Präsident, um Donald Trump zu besiegen und Amerika wiederaufzubauen“, erklärte er.Trump stelle eine„existenzielle Bedrohung für unser Land“ dar. Dass der Auftritt des selbstbewussten Nachzüglers mediale Wellen schlägt, hängt vor allem mit dessen Reichtum zusammen. MiteinemVermögen vonetwa 54 Milliarden Dollar gehört der ehemalige Bürgermeister von New York zu den reichsten Menschen der Welt. In seinem Bewerbungsvideo präsentiert er sich als „Arbeitsplatzschaffer“, „Anführer“ und „Problemlöser“. Kurz nach den Terroranschlägen vom11. September 2001 war Bloomberg als Nachfolger von Rudy Giuliani zum Bürgermeister vonNewYork gewählt worden, damals noch als Republikaner. Ideologisch ist die Kandidatur von Bloomberg, der 2016 für Hillary Clinton warb und 2018 zu den Demokraten wechselte, eine Kampfansage an den linken Kurs von Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Nach dem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt hat Bloomberg für strengereWaffengesetzeund den Kampf gegen den Klimawandel geworben. Er befürwortet eine Ausweitung von Obamacare und hat jüngst vage Sympathien für eine Anhebung der Steuernfür Reiche geäußert. Seine Unterstützer führen ins Feld, dass er überparteilich angesehen sei und ins Lager der enttäuschten Trump-Wähler strahlen könne. Bei Umfragen unter Demokraten kam der Milliardär zuletzt aber nur auf zwei Prozent der Stimmen. Nicht nur sein Reichtum stößt an der Basis übel auf, sondernauch früheresexistische Kommentare und seine Unterstützung für die „Stop-and-frisk“-Polizeitaktik, die willkürliche Kontrollen erlaubte und vor allem Latinos und Schwarze traf. Erst vor einer Woche hat Bloomberg sich in einer schwarzenKirche in Brooklyn für diese Politik entschuldigt. Kommentar Seite 8 Der große Raub von Dresden Brillanten und Diamanten von unschätzbarem Wert wurden aus dem Grünen Gewölbe gestohlen. Gibt es Parallelen zum Goldmünzendiebstahl aus dem Berliner Bodemuseum? Spurensuche vor dem Grünen Gewölbe am Montag in Dresden VonNikolaus Bernau Noch ist nicht klar,wie genau die Diebe ins Dresdner Schloss eingedrungen sind, um dort erlesene Juwelen zu stehlen. Sicher ist nur, dass wahrscheinlich zwei Täter –sie sind auf einem Überwachungsvideo zu sehen –durch ein Fenster in das sogenannte Juwelenzimmer eindrangen, nachdem das Gitter durchtrennt und die Scheiben eingeschlagen worden seien. DasJuwelenzimmer liegt hin zum Innenhof des Dresdner Schlosses,der am frühen Morgen noch geschlossen war – deshalb kann nicht ausgeschlossen werden, dass es Komplizen gab.Die Täter,sodie Dresdner Polizei nach Ansicht des Videos weiter,seien „zielsicher“ auf die Wandvitrinen zugegangen, hätten die Glastüren zerschlagen und die dahinter präsentierten Juwelengarnituren herausgenommen. Zwei Wachleute, die in der Zentrale Dienst haben, beobachten die Täter während der Tatüber Monitore. Nach den Vorgaben dürfen sie nicht selbst eingreifen, sondernmüssen die Polizei informieren. Die nimmt eine Minute vor 5Uhr amMorgen den Notruf entgegen. Fünf Minuten später ist der erste Funkstreifenwagen vorOrt,die Täter aber sind schon auf und davon – offenkundig wieder durch das Fenster. Die Polizei geht davon aus, dass ein Fluchtfahrzeug bereitstand. Fest steht, dass es zu diesem Zeitpunkt stockdunkel am Dresdner Schloss war. Geprüft wird ein möglicher Zusammenhang mit dem Brand eines Stromverteilers nahe der Augustusbrücke am frühen Montagmorgen. Dieser hatte für einen Stromausfall gesorgt. Dadurch fielen die Straßenlampen am Residenzschloss aus. Das Juwelenzimmer ist einer der am reichsten ausgestatteten Räume des Grünen Gewölbes und reserviert für den mit vielen Edelsteinen besetzten Schmuck fürstlicher Hofkleidungen, für erlesene Degen sowie einige Einzelpreziosen wie den weltweit größten blauen Diamanten. Unter den gestohlenen Stücken sind nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) einige der kostbarsten Stücke der Juwelensammlung aus dem 18. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um prominente Kunstwerke der Diamantrosen- und Brillantgarnitur sowie des Brillantschmucks der Königinnen wie Kleinod und Bruststern des polnischen Weißen Adler- Ordens, die Große Brustschleife, eine Kette aus sächsischen Perlen, eine Epaulette (Schulterstück) und ein mit über 770 Diamanten besetzter Degen. SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann sprach von einem „Staatsschatz“. Die Schadenshöhe blieb zunächst unklar. Für die Schäden haftet der Freistaat, eine eigene Versicherung gibt es nicht. Am Abend wurde bekannt, dass nicht alle Teile der betroffenen Garnituren entwendet wurden. Nachdem der Tatort noch mal untersucht worden sei, sei klar, „dass zum Glück doch eine ganze Menge Objekte noch da sind“, sagte Ackermann im RBB-Interview vonRadioEins. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) konstatierte: „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!“. Er betonte,die „Werte,die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind vonden Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden“. Blick auf drei der gestohlenen Schmuckstücke. STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN/JÜRGEN KARPINSKI Ohne diese Schätze sei die Geschichte des Freistaats nicht zu verstehen. Sachsen wurde bereits im Mittelalter und dann besonders seit der Renaissance wohlhabend vorallem durch den Bergbau im Erzgebirge und dieWeiterverarbeitung der dort gewonnenen Schätze, die Grundlage für ein blühendes Handwerk und die frühe Industriealisierung waren. Marion Ackermann betonte, dass die gestohlenen Schmuckstücke eigentlich gar keinenWert hätten. Siesind weltweit al- GETTY IMAGES/JENS SCHLUETER len Fachleuten für Preziosen bekannt und damit nur auf dem Schwarzmarkt verkäuflich. Auch Sammler,die sich mit ihnen brüsten wollen, lebten immer in der Gefahr, dass gerade die Menschen, die ihre Erwerbungen besonders zu schätzen wissen, also Fachleute,umgehend zur Polizei gehen. Allenfalls könnten die winzigen Mengen Gold und Silber der Fassungen eingeschmolzen und die aus den Fassungen herausgebrochenen Juwelen einiges Geld erbringen. Aber auch diese sind durch die historischen Schliffe von Diamanten, Rubinen, Smaragden oder Opalen schnell als Besonderheiten zu erkennen –was den Verkaufswert weiter mindert. Kurz: Der Diebstahl ist ökonomisch etwa so sinnvoll wie der Raub der Mona Lisa aus dem Louvre oder der berühmter Van-Gogh-Gemälde. Doch zeigt die Geschichte: Auch diese Diebstähle haben stattgefunden. Derletzte spektakuläreFall war der Diebstahl einer riesigen Goldmünze aus dem Berliner Bodemuseum. EinWerk, das im Unterschied zu den Dresdner Juwelen mit großer Sicherheit eingeschmolzen und damit zerstörtwurde.Die Dresdner Polizei, die eine 20-köpfige Sonderkommission unter dem Titel „Epaulette“ einsetzte, hat Kontakt zu den Ermittlern inBerlin aufgenommen. Sie wollen anhand der Tatmuster herausfinden, ob es Zusammenhänge gibt, sagte der Kripo-Leiter. Eines der berühmtesten Objekte des Grünen Gewölbes war übrigens auch am Montag in Sicherheit: Der Grüne Diamant, den August der Starke 1742 für die atemberaubende Summe von 400 000 Talern erwarb. Der auffällig reine und sehr große Stein wird zurzeit in New York als „funkelnder Botschafter Dresdens und Sachsens“ gezeigt. (mit dpa) USA werfen Deutschland Beleidigung vor Botschafter Grenell empört über die Bundesregierung ImStreit über eine mögliche chinesische Beteiligung am Ausbau des schnellen 5G-Mobilfunks in Deutschland hat US-Botschafter Richard Grenell der Bundesregierung Beleidigung der USA vorgeworfen. „Die jüngsten Äußerungen hochrangiger Vertreter der deutschen Regierung, die Vereinigten Staaten seien vergleichbar mit der Kommunistischen Partei Chinas,sind eine Beleidigung für die Tausenden amerikanischen Soldatinnen und Soldaten, die dazu beitragen, die Sicherheit Deutschlands zu gewährleisten“, hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung Grenells. Zudem sei es eine Beleidigung für Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner, die sich für ein starkes westliches Bündnis einsetzten. Altmaiers Vergleich mit China ZuvorhatteWirtschaftsminister Peter Altmaier in der ARD-Sendung „Anne Will“ einen Vergleich zwischen den USA und China gezogen. In der NSA- Affäre um Telefonüberwachung durch den US-Geheimdienst habe Deutschland „auch keinen Boykott verhängt“, sagte er und fügte hinzu: „Auch die USA verlangen von ihren Firmen,dass sie bestimmte Informationen, die zur Terrorismusbekämpfung nötig sind, dann mitteilen.“ Eine solche Weitergabe von Informationen an die chinesische Regierung wirdvon den USA bei einer Einbeziehung von Huawei in das 5G-Projekt befürchtet. Die größte deutsche Regierungspartei CDU hatte am Wochenende beschlossen, Huawei nicht generell vom Ausbau des schnellen 5G-Mobilfunks in Deutschland auszuschließen. In einem amSonnabend vom CDU-Parteitag in Leipzig mit großer Mehrheit verabschiedeten Beschluss heißt es, vertrauenswürdig könnten beim Ausbau „nur solche Ausrüster sein, die einen klar definierten Sicherheitskatalog nachprüfbar erfüllen“. Dies müsse beinhalten, „dass eine Einflussnahme durch einen fremden Staat auf unsere 5G-Infrastruktur ausgeschlossen ist“. Die USA warnen Deutschland dagegen seit langem eindringlich vor einer Beteiligung von Huawei an dem Mobilfunknetz. (dpa) Politik Seite 6 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Tagesthema Seite2,Leitartikel Seite8 4 194050 501603 21048

2019

2018