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Berliner Zeitung 27.02.2019

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Aufschwung Ost: WieMarzahn die Berliner Wirtschaft anzieht – Seite 3 Richtig essen: Bas Kast gibt Tipps Seite17 4°/14° Nur wenige Wolken Wetter,Seite 2 Waskostet es, die Deutsche Wohnen zu entschädigen? Tagesthema Seite 2 www.berliner-zeitung.de Abgefahren: Berlins neuer Nahverkehrsplan Berlin Seite 9 Mittwoch, 27. Februar 2019 Nr.49HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Ohne heiße Spur: Die Suche nach Rebecca Berlin Seite 9 Kindesmissbrauch Auf der Seite des Teufels VonArnoWidmann Seit dem 13. März 2013 ist der argentinische Jesuit JorgeBergoglio Papst Franziskus.Zueiner seiner ersten Amtshandlungen zur Reformierung der katholischen Kurie gehörte die Einrichtung des Wirtschaftssekretariats.Das sollte dieVatikanische Vermögensverwaltung den alten Machthabern entreißen, die über Jahrzehnte mit dem organisierten Verbrechen zusammengearbeitet hatten. ZumChef der neuen Behörde ernannte der Papst den 1941 Kardinal George Pell, bisher Finanzchef des Vatikans geborenen Erzbischof von Sydney George Pell. 1996 hatte der, damals noch Erzbischof von Melbourne, eine Kommission zur Aufklärung von Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche eingesetzt. Seit 2008 wurde ihm vorgeworfen, er kläre nicht auf, sondernvertusche.Schon 2015 erklärte Pater Saunders, ein Mitglied der 2014 gegründeten päpstlichen Kinderschutzkommission, Pell für „soziopathisch“ und forderte den Papst auf, Pell in die Wüste zu schicken. 2017 begannen polizeiliche Ermittlungen gegen den Kardinal. Im Dezember 2018 hatte ihn eine Jury wegen des sexuellen Missbrauchs zweier minderjähriger Messdiener schuldig gesprochen. Aufgrund einer Nachrichtensperre wurde das erst am 26. Februar bekannt. Das Strafmaß soll im März festgelegt werden. Der Vatikan erklärte, Pell und zwei weitere Kardinäle seien bereits im Oktober 2018, aus Altersgründen, von ihrer Tätigkeit im Kardinalsrat entbunden worden. Zu dem Prozess wolle der Papst sich in nächster Zeit nicht äußern, erklärt derzeit der Vatikan. Vorein paar Tagen erklärte Papst Franziskus,Priester,die Kinder missbrauchten, stellten sich auf die Seite des Teufels. Niemals würde die Kirche deren Untaten vertuschen. Wer genauer hinhörte –das waren nahezu alle Kommentatoren – dem entging nicht, dass der Papst nicht eine konkrete Maßnahme nannte, die in Zukunft ergriffen werde. Mark Coleridge, Erzbischof von Brisbane, erklärte vergangenen Sonntag –da kannte er bereits das Urteil gegen Prell –, es sei eine „kopernikanische Wende“ nötig. Es dürfe nicht mehr die Kirche im Zentrum stehen. Dieser Platz gebühreden Opfern. Dieselben Priester, die seit Jahrzehnten etwa Empfängnisverhütung zu einem Verbrechen erklären, haben sich nicht gescheut, über Jugendliche herzufallen. Aller Voraussicht nach wird George Pell seine kuriose Weltsicht in Bälde in einem australischen Gefängnis verbreiten können. Das wäreendlich der richtige Ortfür ihn und seine Botschaft. Mehr Schutz für den Reichstag Der Sitz des Deutschen Bundestags ist nicht gut genug gegen Terrorangriffe abgesichert. Das soll sich ändern, sagt Parlamentsvizepräsident Wolfgang Kubicki. An vielen Orten in Berlin spielen wachsende Sicherheitsbedenken eine Rolle Das Reichstagsgebäude mit der Kuppel VonUlrich Paul Der Reichstag soll besser vor möglichen Terrorangriffen geschützt werden, denn die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Parlamentsgebäude sind nicht ausreichend. Das geht aus Äußerungen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) in einem Interview mit der Berliner Zeitung hervor. „Wenn Sie unsere Sicherheitsleute fragen, sind die schon ganz verzweifelt, allein schon was den Ebertplatz angeht“, sagte Kubicki, der zugleich Chef der Bundestags-Baukommission ist, in dem Gespräch. „Ein mit Sprengstoff beladener Lkw könnte dort nahezu unbehelligt in den Reichstag fahren“, so Kubicki. „Die kleinen Hamburger Gitter am Ebertplatz halten nichts und niemanden ab“, warnt der Politiker. Dieses Problem solle aber gelöst werden. „Wir sind mit dem Bezirk Mitte in sehr intensivem Kontakt, um die Frage einer vernünftigen Öffnung und Sicherung des Ebertplatzeszuerörtern“, sagte Kubicki. Fachleute können sich vorstellen, den Ebertplatz während der Sitzungen des Bundestags durch eine ausfahrbareZaunanlage abzuschirmen, die sich später wieder im Boden versenken lässt. So könnte der Ebertplatz geschützt werden, wenn es nötig ist, zugleich aber wieder für das breite Publikum geöffnet werden, wenn das Parlament nicht tagt. Zum Platz des Republik soll das Reichstagsgebäude ebenfalls weiter abgesichert werden. Dort soll nach Kubickis Angaben „aus Sicherheitsgründen ein kaum sichtbarer Graben angelegt“ werden, „indem das Gelände etwas abgesenkt wird“. Ein solcher Graben wirdals Aha bezeichnet –„am Schloss Bellevue gibt es das ebenfalls“, sagte der Politiker. Das Aha soll Teil der neuen Sicherheitsvorkehrungen am Reichstagsgebäude werden, zu denen außerdem das geplante neue Besucher-und Informationszentrum (BIZ) gehört. Das BIZ soll auf einer Fläche an der Scheidemannstraße am Rand des Tiergartens entstehen. DieBesucher des Reichstags und der Kuppel sollen dort künftig sicherheitsüberprüft werden, bevor sie anschließend durch einen Tunnel bis vordas Parlamentsgebäude gelangen und das Haus betreten. DieÜberprüfung der Besucher in provisorisch aufgestellten Containern, die seit Jahren geübte Praxis ist, soll dann beendet werden. Der Bereich vor dem Reichstag, an dem die Besucher aus dem Tunnel kommen, muss laut Kubicki aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Links und rechts von der Rampe am Westportal entstehe deswegen „eine oberirdische Begrenzung“ –zusätzlich zum Aha. Beim Bau des Besucher- und Informationszentrums hat es laut Kubicki Verzögerungen gegeben. Die Frage, obsich die im Jahr 2014 auf 150 Millionen Euro gedeckelten Kosten für Tunnel und BIZ halten lassen, könne er zwar nicht beantworten, weil erst im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens die Haushaltsunterlage für den Bau erarbeitet werde. Aber als der Beschluss zur Deckelung der Kosten gefasst worden sei, habe keiner damit gerechnet, dass es so lange dauert. „Ich vermute, dass wir eher bei 200 Millionen landen als bei 150 Millionen“, sagte Kubicki. „Klar ist aber: Je schneller wir bauen können, umso besser ist es.Denn jedes weitereJahr verursacht durch steigende Baukosten zusätzliche Ausgaben von etwa „Die kleinen Gitter am Ebertplatz halten nichts und niemanden ab. Auch dieses Problem werden wir lösen –und zwar ansehnlich.“ Wolfgang Kubicki (FDP), Bundestagsvizepräsident und Chef der Baukommission des Parlaments 12 bis 15 Millionen Euro.“ Der Tunnel zum Reichstag ist laut Kubicki die einzige Möglichkeit, um die Besucher vom BIZ, wo die Sicherheitskontrollen stattfinden, zum Reichstag zu führen, ohne dass die Besucher den gesicherten Bereich noch mal verlassen müssen. Das Problem sei in Berlin aber immer der Untergrund. Die Bahn habe an dieser Stelle die Vorstellung, unterirdisch mit der neuen S-Bahn-Strecke vom Hauptbahnhof Richtung Potsdamer Platz den Besuchertunnel und den Reichstag zu kreuzen. „Da sage ich, wir schauen uns das an, wenn es soweit ist“, so Kubicki. „Aber es macht Sinn, dass der Bundestag schneller baut als die Bahn. Derjenige, der später kommt, muss sich auf den an- IMAGO May will Brexit verschieben Premierministerin fürchtet Revolte unter Konservativen Die britische Premierministerin Theresa Maywill das Parlament über eine Brexit-Verschiebung abstimmen lassen. Das sagte May am Dienstag bei einer Erklärung im Unterhaus. May will den Abgeordneten die Wahl zwischen einem ungeregelten Brexit oder einer „kurzen Verlängerung“ der Austrittsfrist anbieten, sollte sie bis zum 12. Märzmit ihrem Brexit-Abkommen erneut scheitern. Noch am Montag hatte die Premierministerin erklärt, sie halte am Austrittsdatum 29. Märzfest. Die Abstimmungen über einen No-Deal-Brexit und eine Verschiebung des EU-Austritts sollen spätestens am 13. und 14. Märzstattfinden, kündigte May an. „Das Vereinigte Königreich wirdam29. Märznur mit ausdrücklicher Zustimmung des Unterhauses ohne Deal austreten“, sagte die Regierungschefin. Ein späterer Austritt ohne Abkommen sei aber weiterhin möglich. MitdemVorstoß will Mayeine Rebellion in ihrer Fraktion abwenden. DieRegierungschefin muss bei einer Abstimmung am Mittwoch über die weiteren Brexit-Schritte damit rechnen, die Kontrolle über das Verfahren zu verlieren. Mehrere Regierungsmitglieder drohen offen damit, für einen Antrag zu stimmen, der May zum Verschieben des Austritts zwingen könnte. Auch in Deutschland werden bei einem ungeordneten Brexit Milliardenbelastungen erwartet: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet in diesem Fall mit einem Rückschlag für die deutsche Wirtschaft in der Größenordnung von mindestens einem halben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Das wären rund 17 Milliarden Euro weniger Wirtschaftskraft allein in diesem Jahr“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang in Berlin. Großbritannien werde dann in eine Rezession stürzen. Der BDI hat seit längerem eine „Task Force“ gebildet, um Unternehmen auf einen No Deal vorzubereiten. Der Chef der oppositionellen Labour-Partei Jeremy Corbyn hatte am Montagabend angekündigt, seine Partei stelle sich hinter die Forderung nach einem zweiten Brexit-Referendum. (dpa) PolitikSeite 5 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt deren einstellen.“ Sicherheitsbedenken hat der Bundestag auch in Bezug auf Wünsche des Landes Berlin nach lebendigen Erdgeschosszonen im geplanten Luisenblock Ost, einem Areal zwischen Luisenstraße, Schiffbauerdamm und S-Bahntrasse. Der Bundestag will dort das sogenannte Band des Bundes in Richtung Bahnhof Friedrichstraße verlängern und Büros errichten. Geschäfte und Restaurants seienzwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sagte Kubicki, „allerdings müssen die Sicherheitskriterien vollständig erfüllt werden“. Das wachsende Sicherheitsbedürfnis wichtiger Einrichtungen des Bundes spielt in der Stadtplanung eine immer größereRolle.Schon vor Jahren hatte das Bundesinnenministerium nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA seinen Dienstsitz aus einem angemieteten Bürogebäude in einen bundeseigenen Neubau verlegt. Die Kontrollen der Reichstagsbesucher in den Baracken auf dem Platz der Republik waren nach Terrorwarnungen aus dem Jahr 2010 nötig geworden. Vor der Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen waren die Besucher erst beim Betreten des Reichstagsgebäudes im Westportal überprüft worden. Nach dem Attentat vonAnis Amri mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz im Dezember 2016 spielen in den Überlegungen der Sicherheitsbehörden verstärkt Angriffsszenarien mit Fahrzeugen eine Rolle. Daraus resultieren beispielsweise Pläne, den Schlossplatz in Mitte mit Pollernvor Attacken mit Lastwagen zu schützen. Wie berichtet, ist vorgesehen, die Portale des neuen Schlosses mit herausfahrbaren Pollern zu schützen. InterviewHauptstadtseite 4 4 194050 501603 31009

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