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Berliner Zeitung 27.03.2019

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Beschlossen: Europaparlament stimmt für die Reform des Urheberrechts – Seiten 8und 26 Heute mit großer Stil-Beilage 4°/8° Wolken bringen Regen Wetter Seite 2 Deutsche Wohnen: Gewinn mit höheren Mieten Berlin Seite11 www.berliner-zeitung.de Welten-Wanderer: Die wichtigste Fontane-Biografie Feuilleton Seite 21 Mittwoch, 27. März 2019 Nr.72HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Wahlkampf: SPD-Politiker belügt seine eigene Partei BrandenburgSeite 16 Robert Redford Sundance Kid mag nicht mehr spielen VonHarry Nutt Wenn es da nicht diese Ankündigung gegeben hätte, würde man es wohl als gelassene Altersgeste genießen, die Robert Redford uns da aus dem an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos anlaufenden Film „Ein Gauner &Gentleman“ heraus zuwirft. DerKratzstimmensänger TomWaits spielt ebenfalls mit, und am Ende sitzen da ein paar ältere Herren zusammen und erzählen sich Geschichten, so als hätte das alles gar nichts mit Kino zu tun. Im Sommer RobertRedford, gealtertinWürde und Eleganz wirdRobertRedford, dessen blaue Augen immer noch leuchten wie die eines jugendlichen Draufgängers, 83Jahre alt, und die vorauseilende Botschaft war, dass dies sein letzter Film vorder Kamera sein werde. Sundance Kidmag nicht mehr spielen. Dabei ist RobertRedforddas umwerfende Beispiel für einen Schauspieler, der in seinen frühen Jahren der Inbegriff männlicher Attraktivität war und es später geradezu mühelos verstand, in Eleganz und Würde zu altern. Das lag natürlich auch an dieser gaunerhaften Schlitzohrigkeit, die er in vielen seiner Rollen verkörperte.Auch wenn er,wie in „Schussfahrt“ (1969), schon einmal einen geschwindigkeitsversessenen Sportler spielte, waren seine Rollen doch immer auch auf Hintersinn und Intellekt angelegt. Die Raffinesse des Films „Der Clou“ (1973) war letztlich nur zu verstehen, wenn man den Unterschied von einer Sieg- und einer Platzwette auf der Pferderennbahn kennt. Und wer in das Milieu eintritt, in dem man wettet, kommt mit bloßer Jugendlichkeit irgendwann nicht mehr weiter. Robert Redfords Filmografie liest sich wie eine exemplarische Zusammenfassung der großen Hollywoodjahre, denen er später noch ein umfangreiches Kapitel als Autorenfilmer und Regisseur hinzufügte.„Der Pferdeflüsterer“ (1998) mit der noch sehr jungen Scarlett Johansson ist insbesondere auch ein überwältigendes Epos über das Zusammenspiel von Wissen und menschlicher Intuition. RobertRedfordwar natürlich immer auch ein einsatzfreudiger Arbeiter in eigener Sache. Inder Berliner Zeitung erzählt man sich die Geschichte, dass er während der Berlinale den zuständigen Filmredakteur im Spätdienst am Telefon erwischte, um Werbung für den gerade aktuellen Film zu machen. Das Vorhaben gelang, ein Interview wurde verabredet und am darauffolgenden Taggeführt. Falls Robert Redford seine Meinung über das Ende seiner großen Darstellungskunst noch einmal ändern mag: Wir würden den Hörer abnehmen. Schlechtes Klima in Deutschland Streit zwischen Autoindustrie und Öko-Verbänden: Bundesregierung wird ihre Umweltziele wohl verfehlen VonFrank-Thomas Wenzel Esgibt keinen Konsens.Eine von der Regierung eingesetzte Kommission sollte Vorschläge machen, wie im Verkehr massenhaft Kohlendioxid eingespart werden kann. Doch die Einigung scheitert amEnde an den Differenzen zwischen Autobauern und Umweltschützern –ungeachtet der von einer breiten Öffentlichkeit unterstützten freitäglichen Massenproteste der Schüler für mehr Klimaschutz. Immerhin gibt es nach 17 Stunden Verhandlung wenigstens einVotum für eine CO 2 -Steuer.Trotzdem wird Deutschland so seine selbstgesteckten Klimaziele bis 2030 voraussichtlich nicht erreichen. DieMobilitäts-Kommission hatte von der Bundesregierung den Auftrag, Vorschläge zu machen, wie in elf Jahren die Kohlendioxidemissionen desVerkehrssektors um 40 bis 42 Prozent gesenkt werden können. Daswäreeine Reduzierung vonderzeit knapp 170 Millionen Tonnen Kohlendioxid auf unter 100 Millionen Tonnen im Jahr 2030. Allerdings hat sich seit 2010 der CO 2 -Ausstoß kontinuierlich erhöht. Dem Gremium gehören Umwelt- und Verbraucherschützer sowieVertreter der Industrie an. Am Freitag soll der Zwischenbericht endgültig beschlossen und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorgelegt werden. Zwischen den Umweltschützern und den Vertreternder Auto- und Industrielobby gab es zwar einige Gemeinsamkeiten, aber die reichen nicht. Am Ende bleibt eine signifikante Lücke von 16bis 26 Millionen Tonnen CO 2 ,heißt es im Entwurfdes Zwischenberichts, der der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland) in Auszügen vorliegt. Über die Konzepte zum Schließen der Lücke gibt es einen Dissens, etwa bei der Quote für Elektrofahrzeuge. Dabei würde ein bestimmter Anteil an reinen E-Autos und Plugin-Hybriden (Elektro- und Verbrennungsmotor) an allen ausgelieferten Fahrzeugen eines Herstellers vorgeschrieben. Wird der Wert unterschritten, fallen Strafzahlungen an. Da wollten die Autobauer nicht mitspielen. Umweltschützer haben auch ein sogenanntes Bonus-Malus- System vorgeschlagen: Der Staat kassiertbeim Kauf eines jeden Autos eine Steuer, die mit dem CO 2 -Ausstoß des Fahrzeuges steigt. Damit würden sich vorallem PS-starke Pkw verteuern, die mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Kein Wunder, dass die Hersteller blockten, denn die leistungsstarken Modelle bringen ihnen hohe Gewinne ein. „Alternative Kraftstoffe“ sind ein weiterer Streitpunkt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wirbt massiv für Sprit, der aus Biomasse oder mittels Elektrizität synthetisch erzeugt wird. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnt vor „Agrorohstoffen“, da dies den Wettbewerb um Anbauflächen anheizen würde.Esdrohten „desaströse Waldrodungen“. Beisogenannten E-Fuels soll erneuerbarer Strom eingesetzt werden, um Wasserstoff zu erzeugen, der dann zu künstlichem Sprit verarbeitet wird. Das Problem dabei ist, dass enorme Mengen elektrische Energie benötigt werden, was den „Politisches und individuelles Handeln ist erforderlich, nicht Resignation.“ Klaus Töpfer, Ex-Umweltminister und ehemals Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, zum Nichtergebnis der Verkehrs-Kommission Zeit, sich umzustellen Das EU-Parlament schafft den Wechsel zwischen Sommer-und Winterzeit ab. Die Länder sollen sich ab 2021 für eine Variante entscheiden. Tagesthema Seite 2 Preis auf mindestens 4,50 Euro pro Liter steigen ließe. DerVDA geht derweil generell davon aus, dass die Klimaziele ohne Verbote und Beschränkungen erreicht werden können. Neben den erneuerbaren Kraftstoffen werde es weitere Effizienzsteigerungen beim Verbrennungsmotor geben, so die Behauptung. Zudem werde die Elektromobilität in den nächsten drei Jahren massiv Fahrtaufnehmen. Möglich sei, dass 2030 bis zu 10,5 Millionen E-Autos auf der Straße unterwegs seien. Für Grünen-Chefin Annalena Baerbock steht fest, dass Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Verantwortung für den Dissens trägt: „Erhat einer Kommission, die seinen Karren aus dem Dreck ziehen sollte, Denkverbote erteilt und sich konkreten Lösungen immer wieder in den Weg gestellt“, sagte Baerbock der Berliner Zeitung (RND). Trotz aller Differenzen konnte sich die Arbeitsgruppe immerhin beim Thema CO 2 -Bepreisung einigen. Diesoll allerdings sozialverträglich sein und den Wettbewerb nicht verzerren. Abgaben auf Emissionen müssten Teil einer „umfassenden Reform der Steuern und Abgaben auf Energie und Energieträger (…) sowie auf Fahrzeuge“ sein. Auch Kompensationen für besonders Betroffene müssten geprüft werden. Das könnte unter anderem darauf hinauslaufen, die Energiesteuer (früher:Mineralölsteuer) und Kfz-Steuer durch eine CO 2 -Abgabe zu ersetzen. Steuerliche Ermäßigungen wie die Pendlerpauschale könnten modifiziert werden –etwa indem Beschäftigte mit geringem Einkommen besonders starkprofitieren. Bei den kleineren Projekten konnte man sich einigen. Einvernehmlich wird empfohlen, mehr Projekte für den Rad- und Fußverkehr sowie attraktivereAngebote bei Bussen undBahnen anzugehen. Die Schiene müsse eine größere Rolle beim Transport von Gütern einnehmen. PolitikSeite 4, Leitartikel Seite8 IMAGO Kudamm-Raser wegen Mordes verurteilt Landgerichtverhängt lebenslange Haftstrafen Imneu aufgelegten Prozess um ein tödliches Autorennen auf dem Berliner Kurfürstendamm sind die beiden Angeklagten erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht folgte damit am Dienstag dem Antrag der Staatsanwaltschaft. DieVerteidigung hatte im Prozess den Mordvorwurf hingegen zurückgewiesen. Die Verteidiger haben Revision eingelegt. Die inzwischen 27 und 30 Jahre alten Männer sollen Anfang 2016 bei einem illegalen Rennen über mehrere rote Ampeln gerast sein. Dabei erfasste einer der beiden den Wagen eines 69-Jährigen, der noch am Unfallort starb. AmDienstag ging der bereits dritte Prozess gegen die beiden zu Ende. Bereits im Februar 2017 wurden sie wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt – das bundesweit erste Mordurteil in einem derartigen Fall. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil allerdings im Frühjahr 2018 wieder auf. Der BGH betrachtete den bedingten Tötungsvorsatz, der Grundlage des Mordurteils war, als nicht ausreichend belegt. Als die Männer in die Unfallkreuzung hineinfuhren, hatten sie nach Feststellung des Landgerichts keine Möglichkeit mehr, den Unfall zu verhindern. Dieser sei unumkehrbar in Gang gesetzt worden, noch bevor sie einen Tötungsvorsatz hätten fassen können. Das Verfahren wurde nach Berlin an eine andere Kammer zurückgegeben. Eine erste Neuauflage wurde im vergangenen August nach einem erfolgreichen Befangenheitsantrag gegen die Richter ausgesetzt. Hamburger Entscheidung Seit November wurde der Fall neu verhandelt. Inzwischen handelt es sich aber nicht mehr um das erste Mordurteil in einem Raserprozess. Seit Anfang Märzist die Verurteilung eines Hamburger Rasers wegen Mordes zu lebenslanger Haft rechtskräftig, der mit einem gestohlenen Taxi einen tödlichen Unfall verursachte. Im Urteil wurde von einem bedingten Tötungsvorsatz ausgegangen, weil ihm das Leben anderer und auch das eigene Leben gleichgültig gewesen seien. (AFP) Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31013

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