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Berliner Zeitung 27.04.2018

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Freud und Leid des Radfahrens in Berlin – Berlin Seite 12 Buntes Blühen in Werder Seite 16 7°/18° Überwiegend bewölkt Wetter Seite 2 Unbeeindruckt: Facebook mit Gewinnplus Wirtschaft Seite 6 www.berliner-zeitung.de Unbewohnt: Notunterkunft in Not Seite 3 Freitag,27. April 2018 Nr.98HA-74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Unglücklich: Eisbären verlieren im Finale Sport Seite 20 Deutscher Filmpreis Richtig für diesen Job VonFrank Junghänel Sherry Hormann inszeniertzum ersten Mal die Lola-Gala. Das ist eine aufregendeWoche für Sherry Hormann: Erst hatte sie Geburtstag, dann lief ihr neuer Film „Wir leben das Leben“ im ZDF, und schließlich waren da auch noch die Proben für die Lola-Gala im Palais am Funkturm. Zum 68. Mal geht an diesem Freitag in Berlin die Verleihung des Deutschen Filmpreises über die Bühne, zum ersten Mal – man möchte es kaum glauben – liegt die künstlerische Leitung der Zeremonie in den Händen einer Frau. Sherry Hormann hat ausdrücklich darauf hingewiesen, als sie vor ein paar Wochen in ihrer Funktion vorgestellt wurde,und sich damit in gewisser Weise ein bisschen selbst widersprochen. Denn aus der InitiativeProQuote Regie war sie vor einiger Zeit wieder ausgetreten, weil sie, wie sie einem Interview erklärte, nicht wegen ihres Geschlechts wahrgenommen werden wolle, sondern als Kreativmensch. „Ich möchte, dass lediglich darüber gesprochen und entschieden wird, ob der oder die richtig für den Jobist.“ Richtig für den Job beim Filmpreis ist die Regisseurin auf jeden Fall. Sie kann nämlich einfach alles: Leichte Komödien („Irren ist männlich“), Dramen („Leise Schatten“), Internationale Großproduktionen („Die Wüstenblume“) und Fernsehserien („Der Kriminalist“). Ihr bislang letzter Film fürs Kino war 2013 das beklemmende Kammerspiel „3 096 Tage“, das auf den Erinnerungen der Österreicherin Natascha Kampusch basiert, die von ihrem Peiniger acht Jahre lang gefangen gehalten wurde. Es war auch die letzte Arbeit des voreinem Jahr verstorbenen Kameramanns Michael Ballhaus, mit dem Sherry Hormann seit 2011 verheiratet war. Nun also wird die 1960 in den USA geborene Filmemacherin, die seit ihrer Kindheit in Deutschland lebt, beweisen können, dass sie auch die große Show beherrscht. Neben der Präsentation der Nominierten liegt ein Hauptaugenmerk bei der Veranstaltung immer wieder auf den Gesangs- und Tanzeinlagen. Aber auch darin hat sie ja schon Übung. Ihr neuer Fernsehfilm endet mit der schwungvollen Schulaufführung des Songs „Ich liebe das Leben“. So arbeitet Berlin Tischfußball und Einzeldenkzone: Ein Blick in die modernsten Büros der Hauptstadt. Made in Berlin Seite 7 Deutsche Verantwortung für Israel Der Bundestag zeigt sich in einer Debatte zum 70. Geburtstag des Staates überraschend einmütig VonMarkus Decker Der Bundestag hat sich am Donnerstag anlässlich des 70. Geburtstages des Staates Israel einhellig zu dessen Existenzrecht bekannt. In einem mit großer Mehrheit verabschiedeten Antrag von Union und SPD steht: „Israels Existenzrecht und Sicherheit sind für uns nicht verhandelbar.“ Darin kommt auch die Zunahme antisemitischer Straftaten zur Sprache.„Es darfnicht sein, dass die Zahl der Übergriffe weiter steigt und sich Juden in Deutschland bedroht fühlen“, heißt es.Neben CDU, CSU und SPD stimmten AfD, FDP und Grüne dem Antrag zu. DasSchicksal der Palästinenser Ergänzend gab es einen zweiten Antrag der Grünen, der von der Linken unterstützt wurde. Darin wird die Bewerbung Israels um eine nichtständige Mitgliedschaft im Weltsicherheitsrat unterstützt. Auch soll Israelis die Möglichkeit zum Erwerb einer deutsch-israelischen Doppelstaatsbürgerschaft gegeben werden. Der Israel-Boykott-Bewegung BDS wird eine Absage erteilt. Zugleich wirddarauf verwiesen, dass die Gründung Israels für Hunderttausende Palästinenser Flucht und Vertreibung bedeutet habe und deren Menschenrechte eingeschränkt seien. Ungeachtet der beiden Anträge verlief die Debatte weithin einmütig. So bekam der einstige SPD-Vorsitzende Martin Schulz viel Beifall für den Satz:„Indem wir Israel schützen, schützen wir uns selbst vor den Dämonen derVergangenheit.“ Gemeint war die von Deutschen betriebene systematische Vernichtung von sechs Millionen Juden, die Shoah. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles erklärte überdies, Israel sei die einzige Demokratie im Nahen Osten. Ihre zentrale Aussage lautete: „Wir haben keine Schuld, aber Verantwortung; und diese Verantwortung kennt keinen Schlussstrich.“ Ihr Unionskollege Volker Kauder kam auf die Kippa-Demonstration vor dem Jüdischen Gemeindehaus am Mittwochabend in der Fasanenstraße als Reaktion auf antisemitische Vorfälle zu sprechen. Er betonte mit Blick auf die Teilnehmerzahl von 2500: „Wir hätten uns gewünscht, dass es noch mehr gewesen wären.“ Weiter räumte der CDU-Politiker ein, dass es Antisemitismus in Deutschland bereits gegeben habe, bevor so viele Flüchtlinge kamen. So oder so dürfe „Jude kein Schimpfwort auf dem Schulhof sein“. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt schloss sich dem an mit den Worten: „Das Existenzrecht Israelsmussjeder, der indiesem Land lebt, selbstverständlich anerkennen.“ Antisemitische Ausfälle in Berlin Der linke Fraktionsvorsitzende DietmarBartsch sieht bei den Deutschen eine „moralische Pflicht, dass sich Auschwitz nicht wiederholt“. Die Juden hätten sich als Reaktion auf jahrhundertelange Verfolgung mit Recht eine eigene Heimstatt errichtet. Alexander Gauland von der AfD wollte dem ebenfalls nicht nachstehen. „Es war und ist richtig, die Existenz Israels zu einem Teil unserer Staatsräson zu erklären“, tat er kund.„Es ist ein Land, in dem die Menschen Zuflucht gefunden haben, die in Deutschland kein Lebensrecht hatten.“ Allein die AfD- Abgeordnete Beatrix von Storch beschuldigte die Bundesregierung, BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER [M] durch ihre Finanzierung des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge „Judenhass und Israelfeindschaft“ zu fördern. Der Konsens war nicht selbstverständlich. Bekanntlich hat die AfD Rechtsextremisten in ihren Reihen, für die Hass auf Juden fester Bestandteil des Weltbildes ist. Thüringens vonGauland unterstützter AfD- Chef Björn Höcke nannte das Holocaust-Mahnmal in Berlin, das an die Opfer der Shoah erinnert, 2017 ein „Denkmal der Schande“. Göring- Eckardt bezichtigte Gaulanddeshalb im Bundestag, „Wolf im Schafspelz“ zu sein. Auch dem linken Flügel der Linkspartei ist an Antisemitismus grenzende Israelfeindlichkeit nicht fremd. DieCDU-Bundestagsfraktion schließlich schloss 2003 den Abgeordneten Martin Hohmann wegen des Vorwurfes des Antisemitismus aus.Ersitzt jetzt in der AfD-Fraktion. Dass die Debatte notwendig war, zeigten die vergangenen 48 Stunden. Bei und nach den Kippa-Demonstrationen vom Mittwoch in Charlottenburgund Neukölln kam es in Berlin erneut zu antisemitischen Ausfällen. Berlin Seite11 Dramatischer Mangel an Staatsanwälten Ankläger kritisieren Personalnot in Berlin InBerlin fehlen etwa 50 Staatsanwälte, und das schlägt sich auf die Qualität der Arbeit der Behörde nieder. Das sagt Oberstaatsanwalt Ralph Knispel im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „Es gibt unzählige Verfahren, die nicht so bearbeitet werden können, wie sie betrieben werden müssten. Insbesondere im Wirtschaftsbereich oder auch bei Verfahren, die Alltagsgeschehen betreffen“, sagte Knispel, der zugleich Vorsitzender der Vereinigung Berliner Staatsanwälte ist. Nach seinen Angaben werden derzeit etwa 70 Prozent aller Ermittlungsverfahren in der Hauptstadt eingestellt. Es gebe eine hohe Anzahl sogenannter Opportunitätsentscheidungen –Verfahren, die wegen tatsächlich oder vermeintlich geringer Schuld mit oder ohne Auflagen eingestellt würden. Jedem Kollegen sei es freigestellt, nach eigenem Ermessen zu entscheiden. „Die hohe Zahl der Einstellungen spricht dafür, dass sich die Kollegen nicht mehr anders zu retten wissen, als die Verfahren einzustellen, ohne dabei Rechtzubeugen.“ DerOberstaatsanwalt bezeichnet diese Situation nicht als Freibrief für Kriminelle. Es gebe jedoch viele Leute aus dem kriminellen Milieu, die sich recht ungeniert inder Öffentlichkeit bewegten. „Vielfach müssen wir uns der Kritik stellen, dass wir in vielen Verfahren der Kriminalität nicht mehr Herr werden. Dasist eine Tatsache.“ Laut Knispel wurde in den vergangenen Jahren gespart, bis es quietscht. Das müsse sich ändern. Auch, weil die Bevölkerung einen verfassungsrechtlich verbürgten Anspruch auf eine wirksame Strafverfolgung habe. (kbi.) Berlin Seite10 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 51017 dtgv.de TESTSIEGER Goldankauf- Filialisten Test 02/2016 6Anbieter

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