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Berliner Zeitung 27.06.2018

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Antisemitismus-Vorfall an der Kennedy-Schule in Berlin – Berlin Seite 15 Berliner in Bewegung Seite 16 14°/25° Es wird sonniger Wetter,Seite 2 www.berliner-zeitung.de Mittwoch, 27. Juni 2018 Nr.147 HA -74. Jahrgang Auswärts/D**: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € VonGruppensieg bis Heimflug –alles ist möglich: Heute stellt sich der DFB-Elf die Weltmeisterfrage Seite 9 DIE WM-KOLUMNE Leiden erlaubt kein schlechtes Benehmen VonJan Scheper Früher,also 1954 oder 1974, gab es noch „Wasserträger“. Der Begriff galt als Ehrentitel –Berufsethos inklusive. Im Fußball ist er nicht mehr geläufig. Er wurde durch den „Betreuer“ ersetzt, der seit dem Schweden-Spiel wieder in aller Munde ist. Hatte der Wasserträger noch ein klar umrissenes Aufgabenfeld, nämlich überwiegend Wasser zu tragen und zu verteilen, so ist ein Betreuer etwas Schwammiges. Einen „Berufsbetreuer“ gibt es auch. Dies ist aber eine rechtlich klar definierte, sehr ernstzunehmende Aufgabe. Bei der Nationalmannschaft jedenfalls gibt es ein„Team hinter dem Team“. Betreuer mag man nicht sagen. Zu schwammig. Insgesamt 60 Personen umfasst der Stab. Esgibt dort die aufregenden Bereiche „Organisation“ und „Medien/TV“. Zwei leitende Vertreter dieser Gattungen – Hans Ulrich Voigt und GeorgBehlau, studierte Geisteswissenschaftler, nahmen ihren Status ernst. Denn: Gemäß DFB kann ein Betreuer weitere Aufgaben übernehmen – „je nach Bereitschaft der handelnden Person“. So provozierten die beiden bekanntermaßen beim Schweden- Spiel so sehr die gelb-blaue Bank, dass die Fifa nun ermittelt. Behlau gilt als „guter Mittelstreckler“. Für Voigt ist es „das Schönste“, dass er „in die Spielerkabine darf“. Es gibt ein eindeutiges Video von dem Vorfall. Die beiden Herren jubeln beschämend unverschämt. Dann schalten die Wikinger auf Angriff. Kurz darauf übernimmt Bierhoff. Auch verbal. Tagelang. Der Ex-Stürmer wurde nicht müde, das Ganze zukommentieren. Ja,ja, man habe sich entschuldigt. In der Stellungnahme an die Fifa hieß es, man bedauere das Ganze „ausdrücklich“. Bierhoff sagte zwar:„Das darf nicht passieren“, warb aber auch ein wenig um Verständnis. Das Team hinter dem Team sitze auf der Tribüne und leide. Das galt zwar an dem Abend nicht für die beiden, gelitten haben sie aber auch. Und wer leidet, darfsich danebenbenehmen? DerDFB hat den Büroleiter und den TV-Medienchef jetzt vorsichtshalber aus dem Innenraum verbannt –fürs nächste Spiel. DieFifa rügte die Herrenund verhängte Geldstrafen. JanScheper hat vonehrbaren Wasserträgernviel gelernt. Mehrere Stunden waren die Mitarbeiter der BSR damit beschäftigt, die Farbe wieder zu entfernen. Eine Spezialfirma wird sie entsorgen. VonElmar Schütze Sauerei oder politisches Statement? Vermutlich beides.Pünktlich zur ersten Sitzung der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission hat Greenpeace Dienstagmorgen den Großen Stern inBerlin in eine gelbe Sonne verwandelt. Zumindest will die Umweltorganisation die Aktion so interpretiert wissen. IhrMotto: „Sonne statt Kohle.“ 3500 Liter gelbe Farbe –nach Angaben von Greenpeace umweltfreundlich und abwaschbar –wurden morgens um 7.30 Uhr auf den Kreisverkehr mit der Siegessäule in der Mitte aufgebracht. Dazu ließ ein Lkw Farbe auf die Fahrbahn laufen. Den Rest besorgten die folgenden Autos, die das Gelb verteilten. Auf den Verkehrsinseln an den Zufahrtsstraßen waren Fahrräder mit Anhängernsamt Farbrollen unterwegs. Unter dem Eindruck des starken politischen Bildes ist die Kommission zum Kohleausstieg am Vormittag erstmals zusammengekommen. Das Gremium, in dem 31 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und auch Umweltverbänden wie Greenpeace selbst sitzen, soll bis Ende des Jahres ein Datum für den Ausstieg aus der Gelbe Gefahr? Greenpeace kippt Tausende Liter Farbe auf die Straßen am Großen Stern im Tiergarten. Legitime Demonstration für den Kohleausstieg –oder gefährlicher Eingriff ins Stadtleben? Stromgewinnung aus Kohle sowie Perspektiven für neue Jobs in den Kohleregionen vorschlagen. Außerdem geht es um Maßnahmen, wie die Lücke zu Schutzzielen minimiert werden kann, die im Pariser Klimavertrag für das Jahr 2020 festgeschrieben wurden. Während die Fachleute unterVorsitz vonMatthias Platzeck (SPD), Ex- Ministerpräsident des Kohlelandes Brandenburg, tagten, war die Berliner Stadtreinigung (BSR) bis nachmittags damit beschäftigt, die Fahrbahn wieder asphaltgrau hinzubekommen. Drei Spülwagen und fünf Kehrmaschinen beseitigten das Gelb nach und nach. DasGemisch wirdin einem Entwässerungscontainer gesammelt, wo es von einer Spezialfirma entsorgt werden soll. „Wir sehen keine großen Risiken für uns oder jemand anders. Wir haben keinen Schaden angerichtet.“ Christoph von Lieven, Pressesprecher von Greenpeace Für eine fachgerechte Entsorgung muss die Zusammensetzung der Farbe bekannt sein. Möglicherweise hilft dabei ein hydrologisches Gutachten, das sich Greenpeace zuvor eingeholt hat und das die Farbe als unbedenklich einstuft. Auch mit einem Rechtsanwalt hatte sich Greenpeace über zivilrechtliche Konsequenzen beraten. Fazit, so Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven:„Wir sehen keine großen Risiken für uns oder jemand anders.Wir haben keinen Schaden angerichtet.“ Die Umweltschützer hatten Radfahrer und Fußgänger mit Schildern davor gewarnt, dass der Straßenbelag rund um den Großen Stern an diesem Morgen rutschig sein könnte. Vereinzelt kam es offenbar dennoch zu Stürzen. Wie Polizei- DPA sprecher Carsten Müller sagte, hatte die Polizei zur Mittagszeit noch keinen Überblick. „Sollte es aber Stürze gegeben haben, können die Betroffenen auch später bei jeder Polizeidienststelle Anzeige erstatten.“ Immerhin löste sich die Farbe zumindest von Fahrradreifen schon nach kurzer Fahrt wieder, bei Autos soll es ähnlich gewesen sein. Dennoch könnten sich Autobesitzer genötigt und deshalb bemüßigt fühlen, den Verursachern die Rechnung für eine Wäsche zukommen zu lassen. Erste Konsequenzen gibt es bereits. Wie die Polizei mitteilt, hat sie Strafermittlungsverfahren eingeleitet –zum einen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr,zum anderen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Insgesamt habe man 15 Personen mit Plakaten und Transparenten festgestellt. Kritik empfängt Greenpeace unter anderem von der hauptstädtischen CDU. So nannte der verkehrspolitischer Sprecher im Abgeordnetenhaus,Oliver Friederici, die Aktion eine „irreFarbschmiererei“ und „unglaubliche Schweinerei“. „Greenpeace muss für die Reinigung sowie für alle weiteren Konsequenzen aufkommen und sich bei den Berlinern entschuldigen“, sagte er. Kommentar Seite 8 Steinmeier kritisiert Unionsstreit Bundespräsident spricht von „maßloser Härte“ Der Konflikt in der Asylpolitik zwischen CDU und CSU hat solche Ausmaße angenommen, dass sich nun sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besorgt zu Wort meldete. Beieiner Rede zum Thema „Stimmen der Demokratie“ sagte er am Dienstag im Schloss Bellevue abweichend von seinem Manuskript: „Ich habe mich dieser Tage häufiger gefragt, wie sollen wir eigentlich erfolgreich für Vernunft und Augenmaß in der politischen Debatte werben, wenn auf höchster Ebene und selbst im Regierungslager mit Unnachsichtigkeit und maßloser Härte über eigentlich doch lösbare Probleme gestritten wird.“ Eine solche Wortmeldung des Bundespräsidenten ist ungewöhnlich, denn eigentlich äußert er sich nicht zu aktuellen politischen Auseinandersetzungen. An diesem Abendkamen die Spitzen der großen Koalition aus CDU, CSU und SPD zusammen, um einen Versuch zu unternehmen, den Konflikt zwischen den Unionsparteien zumindest ein wenig zu entschärfen. DieSPD erwartet vonden beiden anderen eine klareAussage,obsie weiterhin zur Koalition stehen. Ob es nach der Sitzung, die bis in den späten Abend dauerte, eine Erklärung geben wird, blieb zunächst unklar. Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte im Streit mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, er werde notfalls vom 1. Juli an Flüchtlinge an der Grenze abweisen lassen, die bereits in einem anderen EU-Staat registriert sind. Das widerspräche der Kanzlerlinie. Merkel setztwauf eine europäische Lösung, die auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel vorangebracht werden soll. Tagesthema Seite 2 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 31026 Trekking··· mit Zufriedenheits-Garantie! Vergiss nicht, rechtzeitig Wanderschuhe zukaufen. Plane für eine Wanderschuhberatung bei uns bis zu 30 Minuten ein. Und wähle dazu die perfekte Leichtausrüstung für deine individuellen Ansprüche. Dannwirdesder perfekte Urlaub. Die OutDOOr-insiDer Karl-Marx-Allee 32 Berlin-Mitte www.camp4.de

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