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Berliner Zeitung 27.07.2019

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Berliner Zeitung

Trüffel trifft Techno –Tina Hüttls Restaurant-Kolumne – Schönes Wochenende Seite 17 Heute mit Service und Immobilien 17°/27° Sonne und Wolken Wetter Seite 16 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,27./28. Juli 2019 Nr.172 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 2.00 € Berlin/Brandenburg: 1.80 € Im Magazin: Freiheit feiern Zurück auf Null Antonio Banderas erfindet sein Leben neu Seiten 2und 3 Stör-Kraft Eine Fischer-Familie auf der Oder Seite 4 Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh BorisJohnsons wilde Jugend Seite 8 Anzeige www.atala.de Trump und die Todesstrafe Politik Seite 6 Raus auf die Straße: Der Christopher Street Day ist Politik und Party,Kommerz und Demonstration –erist, was Berlin ist. Leitartikel Seite 8, Berlin Seiten 10 und 11 BELYAAA -STOCK.ADOBE.COM Täve Schur: 88 und fest im Sattel SportSeite 22 Für die einen ist es die größte Spielwiese Berlins, ein Schatz, das Berliner Symbol für Freiheit. Für die anderen ist das Tempelhofer Feld kaum mehr als totes Land, eine ungenutzte halbvertrocknete Grasfläche –mit Potenzial für allerlei stadtplanerische Visionen und Investitionen. Das Tempelhofer Feld, über das anlässlich des 70. Jubiläums der Luftbrücke die alten Rosinenbomber hinwegflogen, steht wieder im Zentrum. Nicht geografisch, aber die Debatte über eine Randbebauung ist eröffnet. Erneut. Vor fünf Jahren entschieden die Berliner per Volksentscheid, dass sie das 450 Fußballplätze große Areal nicht bebauen wollen. 64 Prozent, eine klare Mehrheit. Doch die Stimmung in der Stadt kippt. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung sprechen sich inzwischen 65 Prozent der 1001 Befragten aufgrund der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt für eine Randbebauung aus. Interessant dabei auch, dass die Anhänger aller sechs Parteien mit dieser Ansicht eine Mehrheit bilden. Selbst bei den Grünen (60 Prozent) und den Linken (58 Prozent) ist die Mehrheit für eine Randbebauung eindeutig. Bei den Anhängern der CDU sind es sogar 85 Prozent. Vorallem bei den älteren Berlinern ab60 Jahren ist die Zustimmung mit 77 Prozent sehr hoch. Doch welcher Handlungsauftrag für die Politik ergibt sich aus diesen Umfrageergebnissen? Erst einmal: Das Tempelhofer Feld darf momentan nicht bebaut werden. Das vom Abgeordnetenhaus beschlossene und vomVolk initiierte Gesetz ist bindend. So steht es auch im Koalitionsvertrag. Aber natürlich könnte das Parlament das Gesetz jederzeit kippen. Aus allen Parteien aber heißt es,dass der Wille des Volkes respektiertwerde. Undwenn sich der Wille nun aber geänderthat? Dann müsste ein neuer Volksentscheid her, doch für den gibt es zumindest zum jetzigen Zeitpunkt keinen Initiator. Die SPD will deshalb eine Volksbefragung von oben einsetzen, um sich die Bebauung und damit das Aufheben des Gesetzes quasi vom Volk legitimieren zu lassen. Dafür müsste die BerlinerVerfassung geändertwerden, denn so ein Instrument gibt es bisher gar nicht. „Ich halte so eine Volksbefragung von oben in zwei Jahren zur nächsten Wahl für ein geeignetes neues Instrument“, sagt Sven Kohlmeier, stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender in Marzahn-Hellersdorf. Kohlmeier gehört zu einer Reihe von SPD-Politikern, die verstärkt für eine Bebauung des Feldes werben. So hatten sich kürzlich auch der Fraktionsvorsitzende der SPD, Raed Saleh, und der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel, im Interview der Berli- Tempelhofer Feld: DerWinddreht sich Exklusive Forsa-Umfrage: 65 Prozent der Berliner befürworten jetzt die Randbebauung des alten Flughafenareals. Vorfünf Jahren war die Mehrheit dagegen Anhänger SPD Linke Grüne CDU FDP AfD VonMelanie Reinsch Meinungen zur Bebauung des Tempelhofer Feldes Angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt sollten auch Teile des Tempelhofer Feldes für den Bau neuer Wohnungen genutzt werden ja Berlin insgesamt zu 100 %fehlend: „weiß nicht“ nein, das gesamte Gelände sollte weiterhin unbebaut bleiben 16 % 21 % 19 % 33 % 38 % 34 % 40 % 58 % 60 % 65 % 65 % 73 % 79 % 84 % BLZ/TIEDGE; QUELLE: FORSA ner Zeitung für eine moderate Bebauung ausgesprochen. Kohlmeier findet, dass die Debatte zu wichtig sei, um sie nicht führen zu dürfen. „Es muss zulässig sein, in einer Koalition seine Meinung zu sagen, die den anderen Parteien nicht gefällt“, betonte er. Schon auf ihrem Parteitag im November 2018 hatte sich die SPD zu einer sozialverträglichen Randbebauung bekannt. Die Grünen und Linken empfinden das Beharren der SPD auf einer Bebauung des Feldes als Affront – und sogar als eine „bodenlose Unverschämtheit“, wie es der klimaund umweltpolitische Sprecher der Grünen, Georg Kössler, ausdrückt. Obwohl sich auch eine Mehrheit der Grünen-Anhänger für eine Bebauung ausspricht. Ähnlich scharf formuliert esParteikollegin Susanna Kahlefeld: Hier gehe es um Politik und nicht um das Tempelhofer Feld, glaubt Kahlefeld und fragt: „Was ist das für ein Verhalten der Bevölkerung gegenüber?“ DieSPD sei unehrlich. „Nur weil das Feld frei ist, kann man da noch lange nicht einfach bauen.“ Es sei nicht erschlossen, und ungeklärt sei auch, wo und wie viel Munition noch im Boden läge. „Saleh und Kohlmeier wollen sich nur wichtigmachen“, sagt die Grünen-Politikerin. Carola Bluhm, Fraktionsvorsitzende der Linken, sagt, dass eine Randbebauung „real keine Probleme“ löse. Eine erneute Befragung, so Bluhm, erwecke den Anschein, dass man die vorige Abstimmung nicht ernst nehme. Auch bei den Linken ist allerdings eine Mehrheit derAnhänger für die Bebauung. Unterstützung für die SPD kommt von der CDU. „Ich bin für eine Randbebauung“, sagte Christian Gräff, baupolitischer Sprecher. Daherwolle man nach dem Sommer einen Gesetzesentwurf einbringen, der zum Ziel habe, dass fünf Jahre nach einem Volksentscheid die Bürger erneut befragt werden müssen. Auch Sebastian Czaja, Fraktionsvorsitzender der FDP, hält eine Bebauung „für unverzichtbar“. Aber: DasGelände sei durch den Volksentscheid gesperrt und könne daher auch nur durch einen solchen wieder freigegeben werden. Die Initialzündung müsse aus der Stadtgesellschaft selbst kommen, so Czaja. Harald Laatsch, Sprecher für Wohnungsbau bei der AfD, sagte, dass das Volk entschieden habe.„Die Wohnungsbauziele werden wir wedermit dem Feld noch ohne das Feld erreichen“, glaubt Laatsch. Mareike Witt von der Initiative 100 % Tempelhofer Feld, die den Volksentscheid damals ins Leben rief, sagte: „Ich bin erschüttert, mit welcher Vehemenz die SPD seit Jahren die Bebauung des Feldes fokussiert. Wenn man anfängt das Feld zu bebauen, geht es Schritt für Schritt so weiter.“ Vielmehr sollte man darüber diskutieren, wie man das Areal unter klima- und umweltpolitischen Aspekten weiterentwickeln könne. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61030

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