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Berliner Zeitung 27.09.2018

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Lizenz zum Üben: Den Berliner Fußballern fehlen die Trainer – Sport Seite 20 Heute mit Kulturkalender 10°/22° Sonne und Wolken Wetter,Seite 28 Einheit: Beauftragter warnt vor Ost-Bashing Politik Seite 4 www.berliner-zeitung.de Umbau: Maaßenstraße soll schöner werden Berlin Seite 10 Donnerstag,27. September 2018 Nr.226 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Staatsbesuch: Erdogan und die Berliner Türken Berlin Seite 12 Ein Franzose in Barcelona VonMartin Dahms Während seiner Pressekonferenz am Mittwoch in Barcelona zieht Manuel Valls plötzlich einen Wohnungsschlüssel hervor. „Ich werde inParis leben“, sagt er mit einem Lächeln, „in der Straße von Paris.“ Inder Carrer de Paris ineinem vornehmen Bezirk von Barcelona will Valls heimisch werden. Er hat sich ein hohes Ziel gesteckt: das Bürgermeisteramt Barcelonas, sei- Manuel Valls versucht jetzt in Spanien sein Glück. Bürgermeister ner Geburtsstadt. Im Mai kommenden Jahres wird gewählt. Valls, 56Jahre alt, ist französischer Staatsbürger. Er war erst Innenminister und dann Regierungschef unter Präsident François Hollande, erhat immer noch einen Sitz in der französischen Nationalversammlung. Seine neuen Ambitionen bringen ihm Spott und Bewunderung ein. Doch über die Motive für den biografischen Schwenk redet er nicht. „Ein Politiker, der keine Ambitionen hat, ist entweder kein Politiker, oder er sagt nicht die Wahrheit“, erklärte er lediglich vor einigen Monaten in einem Zeitungsinterview. Valls kam im Sommer 1962 in Barcelona zur Welt, der Heimatstadt seines Vaters. Der war gemeinsam mit seiner aus dem Tessin stammenden Frau 1949 nach Paris emigriert, um der brutalen Franco-Diktatur in Spanien den Rücken zu kehren. Aber der erste Sohn sollte das Licht der Welt während eines Urlaubs in Barcelona erblicken. Der kleine Manuel und seine jüngere Schwester wuchsen in Parisauf, zu Hause sprach man Katalanisch. Valls beherrscht es perfekt, ebenso wie Spanisch. Mit 16Jahren entdeckte er zu seinem Erstaunen, dass er nicht die französische Staatsbürgerschaft besaß. Als er sie annahm, musste er die spanische aufgeben. Was ihn heute, als europäischer Bürger,nicht daran hindert, in die spanische Politik einzusteigen. Für seine Gegner ist Valls ein Verlierer, der im Ausland verzweifelt einen Neuanfang versucht. 2016 hatte er sich erfolglos um die Kandidatur für das französische Präsidentenamt beworben. Seine politische Karriere in Frankreich war an ihr Ende gekommen. Nun versucht er als unabhängiger Bewerber um das Bürgermeisteramt in Barcelona sein Glück. Wastun, Kanzlerin? Angela Merkel kann sich bei der wichtigsten Personalentscheidung in der Unionsfraktion nicht durchsetzen. Was bedeutet das? Wiegroß ist der Unmut in der Partei über ihre Politik und ihren Führungsstil? Welche Rolle spielen die wichtigen Landtagswahlen in Bayern und Hessen? Drei Szenarien VonSteven Geyer VonStevenGe SZENARIO 1: MERKEL HÄLT DURCH Es wäre nicht das erste Mal, dass Merkel einen Angriff auf ihre inhaltlichen Vorgaben oder Autorität mit den Schultern wegzuckt –erst jüngst zerbrach im Asylstreit mit CSU-Chef Horst Seehofer fast die Fraktion,dann die Koalition, aber nicht MerkelsGeduld. Nach derzweiten Einigungimrufschädigenden Ringen um Verfassungsschutzchef Maaßen wagteesCDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sogar, Merkels „Führungsstärke“ zu loben. Nach seinemWahlsieg erklärte auch Brinkhaus:„Ich habedenWillen,sie zu unterstützen“. Die Fraktion stehe„ganz fest hinter Angela Merkel“. Forderungen der FDP, sie müsse per Vertrauensfrage ihreAutorität beweisen, wies Merkel schon zurück:Dazugebeesein „ganz klaresNein“, sagteihr Sprecher am Mittwoch. Auch etliche Unions-Promis ergriffen sofort für siePartei:NRW-Regierungs- und CDU-Chef Armin Laschet betonte, Merkel habe das Vertrauen derFraktion,die nur Veränderunganihrer Spitzegewünscht habe; CSU-Minister Andreas Scheuer sah „kein Erdbeben“, nur eine faire und demokratische Abstimmung. Viele folgten, darunter Hessens Ministerpräsident Bouffier, die Frauenunion und der Koalitionspartner: Für die SPD sei ein stabiler Partner wichtig, sagteParteivizeManuela Schwesig. SZENARIO 2: MERKEL ÜBERGIBT DIE MACHT Doch soeinfach ist es nicht. Renommierte Politologen wie Jürgen Falter und Oskar Niedermayer erklärten denVorgang zumAusdruck tief sitzender Unzufriedenheit inder Union, sprachen von Misstrauensvotum, Kanzlerdämmerung, „Erosion ihrer Machtbasis“. Die eingesetzte Dynamik könnte sich bald verstärken: Wenn im Oktober inBayern und Hessen gewählt wird und die Union soeinbricht, wie Umfragen es andeuten, wird man Merkel die Schuld geben. Der Druck wird wachsen. Immerhin wird imMai das Europaparlament und im Herbst in drei Ost- Bundesländern gewählt, wo die AfD stärkste Kraft werden könnte. Das könntePanikinder Unionauslösen –und Merkel sich dem Druck entziehen, indem sie die wohl für einen späteren Zeitpunkt geplante Machtübergabe an einen NachfolgerihrerWahl vorzieht:Bereits auf dem CDU-Parteitag im Dezember in Hamburg wird die neue Führung gewählt. Schon nach Kauders Niederlage winkte CDU-Innenexperte Armin Schuster mit dem Zaunpfahl: Merkel habe jetzt die Chance,„diese Zeit derWachablösung, desÜbergangs in die Zukunft“ aktivzumoderieren. Will sieihrer Abwahl zuvorkommen, könnte sie ihre Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer schon jetzt ins Rennen schicken,deren Berufung zurGeneralsekretärin bereits als Weichenstellung dafürgalt. Plausibel ist, dass dann auchein konservativer Gegenkandidat und Merkel-Kritikerwie Gesundheitsminister Jens Spahn antritt. Spahn kommentierte die Brinkhaus-Wahl vielsagend mit einem Kanzlerinnen-Zitat: Merkel habe selbst gesagt, dassdies für sie eine Niederlage gewesen sei. Er selbst fände es besser, die Regierung kümmere sich mehr umSachthemen –und zählte seine eigenen auf. Spätestens wegen des Brinkhaus-Effektes muss manmit Spahnrechnen.Jenachdem,wie gutder neueCDU-Chef auchCSU und SPD vermittelbarist, kann er sich dannimBundestag zumKanzler wählenlassen –oder es gibtNeuwahlen. SZENARIO 3: MERKEL WIRD GESTÜRZT Falls Merkel die Nerven hat, im Dezember auf dem Parteitagnocheinmal anzutreten, würden das ihreKritiker als Aufschub desWechsels um zwei Jahreverstehen –und müssten handeln. Spahn könnte Merkel herausfordern. Oder jemand, mit dem noch keiner rechnet, so wie es bei Brinkhauswar.Auch Merkel wurdeeinst nur als Übergangskandidatin gewählt, das könnte der CDU im Dezember wieder einfallen. Auch dann wäreoffen, ob sich ein Nachfolger im Bundestag durchsetzt –oder eine Neuwahl folgt.„Die Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft ohne ihr altes Schlachtross den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen.“ Daswaren 1999 dieWortevon Angela Merkel,die sie schrieb,bevor sie selbst Parteichefin wurde –damals völlig überraschend. Seiten 2, 3und 8 Scheeres war Opfer sexuellen Übergriffs Berliner Bildungssenatorin berichtet aus ihrer Schulzeit VonJulia Haak Esist überraschend, wenn Senatoren von Erlebnissen aus ihrer Kindheit und Jugend erzählen. Zumal, wenn es sich um Vorfälle handelt, die mit Scham besetzt sind. Am Mittwoch berichtete Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auf einer Pressekonferenz, dass sie sexuelle Gewalt erlebt hat, als sie Schülerin einer achten Klasse an einer Düsseldorfer Schule war. „Man schämt sich dermaßen“, sagte Sandra Scheeres. Das hindere einen aber daran, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen, sagt sie. Es geht der Senatorin darum, das Schweigen zu brechen. Nur deshalb erzählte sie öffentlich, dass vier gleichaltrige Jungen, denen sie vorher deutlich gemacht hatte, dass sie mit ihnen nichts zu tun haben wollte, sie eines Tages geschnappt und in den Schulkeller verschleppt hatten. Dort hielten sie sie fest und fassten sie an, bis sie sich losreißen konnte. Sie habe, soerzählt sie, damals niemandem davon erzählen wollen. Aber ein Lehrer fragte solange nach, bis sie sich offenbarte und helfen ließ. Die Bildungssenatorin sprach vonihrem Erlebnis am Mittwoch auf einer Pressekonferenz zum Thema sexuelle Gewalt an der Schule.Dabei handelt es sich um eine Initiative, die Schulleitungen und Lehrer dabei unterstützen soll, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und einzugreifen, um sexuelle Übergriffe zu verhindern. An 900 Berliner Schulen wurden Informationsmappen für bessere Schutzkonzepte verteilt. Sie sind Teil einer bundesweiten Schulkampagne gegen sexuelle Gewalt, an der 30 000 Schulen in Deutschland teilnehmen. Berlin Seite9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 41039 Oktober2018 DaskompletteProgramm unter urania.de Urania Berlin e.V., An der Urania 17, 10787 Berlin Tel. 030 2189091 kontakt@urania-berlin.de GameOver? Deutschland,Europa und die Welt inmitten grundlegender Veränderungen DO, 4.10. 2018, 19:30 Uhr Dr. Hans-Peter Martin DasZauberflötchen Ein Urania-Familienkonzert SO, 14. 10.2018, 15:00 Uhr Andreas Peer Kähler, Ensemble Papamino CyberWar Die Gefahr aus dem Netz Wer uns bedroht und wie wir uns wehren können DO, 18.10.2018, 19:30 Uhr Dr. Constanze Kurz, Frank Rieger Crash: Ein Erlebnisparcours Performance- und Installationskunstvon Lee Bul im Gropius Bau MO, 29. 10.2018, 17:30 Uhr Dr. Stephanie Rosenthal

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