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Berliner Zeitung 27.09.2019

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Hitzige Zeiten: Sachsens Winzer und der Klimawandel – Seite 3 Wasist Heimat? Die Debatte Seite 8 13°/16° Schauer und Sonne Wetter Seite 2 Neue Chance für Karstadt am Hermannplatz Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Zalando setzt auf kleine Läden Made in Berlin Seite 6 Freitag,27. September 2019 Nr.225 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Eintracht Frankfurt kommt in die Alte Försterei SportSeite 20 Leichtathletik-WM VonMarzahn in die heiße Nacht von Doha VonKarin Bühler Die Berliner Marathonläuferin Mayada Al-Sayad vom VfL Fortuna Marzahn ist ein bisschen verunsichert, weil sie keine Ahnung hat, ob sie eine Nachtläuferin ist. Sieweiß dagegen, dass der Marathon zum Auftakt der Leichtathletik-Weltmeisterschaft an diesem Freitag in Doha eine Herausforderung wird –wenn er stattfindet. Start ist um 23.59 Uhr Ortszeit, eine Minute vor Mitternacht. Selbst zu dieser Zeit wird es unverschämt heiß sein, die Luftfeuchtigkeit hoch. „Es ist Mayada Al-Sayad, dunkel. Wahrscheinlich denkt Marathonläuferin aus Berlin, fährtzur WM. mein Körper, dass ich schlafen sollte“, vermutet die 26-Jährige, die für Palästina startet, da ihr Vater Mauwiyah, Zahntechniker in Köpenick, aus Palästina stammt. Ihre Bestzeit über die 42 Kilometer lautet: 2:39:25 Stunden. Bei der WM in Peking wurde sie 50. BeiOlympia in Rio trug sie die palästinensische Fahne und kam im Marathon auf Rang 67. Es gehört zuden Ungeheuerlichkeiten der WM-Vergabe an den Wüstenstaat Katar, dass sich Marathonläufer und Geher bei ihren Nacht- Rennen auf den Anstieg der Körperkerntemperatur einstellen müssen, wenn es am Rundkurs der Strandpromenade um die 30 Grad warmist. Dasbedeutet: Hitzekollaps-Gefahr. Weil das Klima bei Olympia 2020 in Tokio ähnlich sein wird, will der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) an die Ausdauerathleten zu Testzwecken eine Artelektronische Hitze-Pille verteilen. Einen Chip, der geschluckt wirdund ihreKörperkerntemperatur misst. Al-Sayad hat keinen solchen Chip bekommen. Ihr Ziel ist, einfach anzukommen. In der Hitze, hofft sie, „hilft mir mein palästinensisches Blut“. Doha am Mittwoch um Mitternacht: 32 Grad, Luftfeuchtigkeit 70 Prozent. DieIAAFbehält sich vor, den Marathon der Frauen noch kurzfristig abzusagen. SportSeite 19 VonMarkus Decker Am Donnerstag ist es passiert: Der Bundestag hat knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall zwar nicht die Abwicklung, aber doch das Ende der Stasi-Unterlagen-Behörde in ihrer bisherigen Form beschlossen. Das Votum ist historisch – und mit den Vokabeln richtig oder falsch kaum zu fassen. Richtig ist, dass vielen das Thema Staatssicherheit wie eine ferne Geschichte erscheint. Der letzte Fall, der bekannt wurde und Aufsehen erregte, war jener des Berliner Baustaatssekretärs Andrej Holm. Sogar der Stasi-Unterlagen-Beauftragte Roland Jahn ist müde geworden. Aus den Debatten darüber, was heute in Ostdeutschland los ist, hält sich der 66-Jährige weitgehend raus. Stattdessen dominieren Historiker wie Ilko-Sascha Kowalczuk aus der Forschungsabteilung des Hauses die Szene und die Diskussionen. Falsch ist, dass die Geschichte nicht mehr interessiert: Jährlich stellen immer noch Zehntausende Anträge auf Akten-Einsicht. Da geht es Das Ende der Geschichte? Die Stasi-Unterlagen-Behörde wird geschlossen. Doch der Umgang mit der Vergangenheit bleibt eine Aufgabe für die Deutschen –inOst und West Ulrich Mühe als Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler im Film „Das Leben der Anderen“ um Entschädigungen, die Neugier Spätgeborener oder den Mut zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben, den manche erst mit einem größeren zeitlichen Abstand finden. Mark Twain wird jader Satz zugeschrieben: „Vergangenheit ist, was nicht mehr wehtut.“ Er trifft auf die DDR-Vergangenheit nicht zu. Ohnehin wird die Stasi-Unterlagen-Behörde nicht im eigentlichen Sinne geschlossen. Die Akten gehen vielmehr ins Bundesarchiv über, wo sie auch nach 2021 zugänglich sein werden und Bürger weiterhin Anträge auf Akteneinsicht stellen können. Was bleibt, ist ein verständlicher Phantomschmerz bei all jenen, die einst die Stasi-Zentrale stürmten und dafür sorgten, dass die weltweit einmalige Stasi-Unterlagen-Behörde überhaupt existiert. Sie ist ein Beleg für die Richtigkeit des Bonmots von Timothy Garton Ash, wonach die Deutschen „Weltmeister der Aufarbeitung“ seien. Mit anderen Worten: Über die Richtigkeit der Bundestags-Entscheidung kann man mit Fug und Recht streiten. Das wiederum lässt sich über die Notwendigkeit der Aufarbeitung nicht sagen –zumal es 30 Jahre nach dem Mauerfall zwei Besorgnis erregende Tendenzen gibt. Da ist zunächst der Umstand, dass sich die AfD der Geschichte zu bemächtigen sucht. Das war bei Parolen im brandenburgischen Landtagswahlkampf wie „Vollende die Wende“ ebenso zu beobachten wie jetzt im Bundestag, wo die Partei für den Erhalt der Stasi-Unterlagen-Behörde plädierte. Der 2018 wegen rechtslastiger Äußerungen in der Gedenkstätte Hohenschönhausen ins Gerede gekommene Ex-Dissident Siegmar Faust war erst in dieser Woche Gast bei einem AfD-Forum. Hinzu kommt eine weit in die intellektuelle Mitte hineinreichende These, der zufolge man die Misere Ostdeutschlands nicht mehr mit der DDR erklären könne, sondern der Transformation zuschreiben müsse –also: dem Westen. Zuweilen werden mit Blick auf die Meinungsfreiheit sogar Parallelen zwischen der DDR und dem Deutschland von heute gezogen. Das ist kontraproduktiv –genau wie die These aus den 90er-Jahren, wonach man mit der DDR-Geschichte IMAGO IMAGES quasi alles erklären könne: Eine gewisse Fremdenfeindlichkeit, eine eigentümliche Staatsfixierung, die nun in Hass umschlägt, und eine Neigung, sich stets als Objekt der Geschichte, sprich Opfer, zubegreifen und nie als Subjekt, sprich Handelnder.Sowurde ja lange argumentiert. Tatsächlich wird gerade in dieser Zeit, in der die Entscheidung über die Stasi-Unterlagen-Behörde fällt, so intensiv wie lange nicht über den Osten debattiert. Dabei steht nicht mehr die Riege der Bürgerrechtler im Zentrum, sondern eine Riege junger ostdeutscher Journalisten und Publizisten, die 1989 zuweilen noch Kinder oder Jugendliche waren: Sabine Rennefanz vonder Berliner Zeitung, Christian Bangel, Jana Hensel, Martin Machowecz, Anja Maier,Cornelius Pollmer, Daniel Schulz –und andere. Ja, die Zeit, in der die Deutungshoheit über den Osten im Westen lag, sie ist vorüber. Und die Geschichte und die Auseinandersetzung darüber, was aus ihr zu lernen wäre, sie gehen weiter –obmit oder ohne Stasi-Unterlagenbehörde. Kritik an Tariferhöhung für Nahverkehr Entscheidung macht Verzicht auf Auto nicht attraktiver Die angekündigten Tariferhöhungen für bestimmte Fahrkarten im öffentlichen Personennahverkehr in Berlin und Brandenburg haben grundsätzliche Fragen zur Konsistenz der Berliner Politik aufgeworfen. Wie berichtet, wird die überwiegende Anzahl vonAbonnenten verschont –auch Kinder,Jugendliche und Auszubildende bleiben Profiteure des Tarifsystems. Die Preiserhöhungen treffen dagegen vor allem diejenigen, die Busse und Bahnen in Berlin und Brandenburg spontan nutzen. Aber auch Pendler, die jeden Tagvon Brandenburgnach Berlin zum Arbeiten fahren, müssen mehr bezahlen. Wie damit ein Verzicht auf das Auto attraktiver werden soll, bleibt zumindest fragwürdig. Werden die Tariferhöhungen vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg wie üblich mit Preissteigerungen etwa für Personal begründet, werfen Äußerungen von Verkehrsund Umweltsenatorin Regine Günther grundsätzliche Fragen auf. Einen Tag nach Bekanntwerden der neuen Tarife sagte die Grünen-Politikerin im Abgeordnetenhaus, sie wolle für Berlin einen Klimanotstand ausrufen. In dem Zusammenhang kritisierte sie das neue Klimapaket der schwarz-roten Bundesregierung. „Wir machen im Grunde weiter wie bisher.Und das ist das Unakzeptable an dem Plan“, sagte Günther. (elm.) Berlin Seiten 11 und14 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt PolitikSeite 4 4 194050 501603 51039 Heute +Morgen www.fotomeyer.de

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