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Berliner Zeitung 27.11.2018

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Babylon Berlin: Die Stars der dritten Staffel – Berlin Seite 9 Ein Einbruch unter Polizeischutz Seite 15 -2°/3° Wechselnd bewölkt Wetter Seite 2 Der letzte Kaiser: Bernardo Bertolucci ist tot Feuilleton Seite 19 www.berliner-zeitung.de Später Ausgleich: Union erreicht ein 2:2 beim HSV Sport Seite 18 Dienstag,27. November 2018 Nr.277 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Sensation oder Sündenfall? Gentech-Babys in China Wissenschaft Seite 16 Der alte Mann und die Alternativen VonMelanie Reinsch Medienscheu, mächtig und milliardenschwer –Attribute, die im Wesentlichen den Mann kennzeichnen, der der AfD mit Spenden zum Aufstieg verholfen haben soll. August vonFinck junior,88Jahrealt, verheiratet, vier Kinder,ist einer von vier Söhnen des Bankiers, Patriarchen, Hitler-Bewunderers und Financiers der Nazi-Partei NSDAP August von Finck senior und laut Forbes Liste einer der reichsten Männer derWelt. Mit einem ge- August von Finck junior,Milliardär mit Hang nach rechts AfD schätzten Vermögen von rund 8,6 Milliarden Dollar steht der Münchner Milliardär mit Wohnsitz in der Schweiz damit auf Platz 167 der Liste. Der vererbte Reichtum führte nach dem Toddes Vaters zwischen den Söhnen zu einer Schlammschlacht aus Neid und Missgunst. Nun zeigen gemeinsame Recherchen der Schweizer Wochenzeitung WOZ und des Spiegels, dass die AfD schon während ihrer Entstehungsphase –damals noch als monothematische Anti-Euro-Partei – gute Kontakte zum Umfeld von August Finck gehabt haben soll. Seit den 90er-Jahren unterstützt Finck junior, der unter Freunden „Gustl“ genannt wird, Parteien und Vereine im konservativen Milieu. Die Recherchen präsentieren Indizien für eine Verbindung zwischen Fink und dem AfD-nahen„Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten“, der bis vor kurzem den Deutschlandkurier herausgegeben hat. Dortschreiben regelmäßig auch AfD-Politiker.Zudem soll FincksVertrauter und Vermögensverwalter Ernst Knut Stahl in der Gründungszeit der Partei indirekt finanzielle Unterstützung im Kampf gegen den Euro angeboten haben. Mit diesem Geld sollen offenbar auch mehrere Partei-Events finanziert worden sein. Stahl soll außerdem auch aktiv die Suche nach einem Chefredakteur für das rechte Zeitungsprojekt betrieben haben, aus dem dann der Deutschlandkurier entstand. Auch wenn sich der erzkonservativeFinck im Sinne des verschwiegenen Familienclans nicht äußert, ist seine Haltung klar. Bankier Ferdinand Graf von Galen beschrieb den Baron so: „Rechts vom Gustl steht bloß noch Dschingis Khan.“ Knabes kurzer Triumph Der geschasste Chef der Stasi-Gedenkstätte legt einen bizarren Auftritt an seinem alten Arbeitsplatz hin VonGerhard Lehrke und Elmar Schütze Eswar ein kurzerTriumph für Hubertus Knabe.Kurznach 9Uhr saß der geschasste Direktor und Stiftungsvorstand der Stasi-GedenkstätteHohenschönhausen am Montagmorgen wieder in seinem Büro. Fünf Stunden später musste er gehen. Schon wieder. Knabe hatte seine Rückkehr an seinen Schreibtisch mit einem Gerichtsbeschluss erzwungen. Er hat die Kraftprobe mit Stiftungsratschef Klaus Lederer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters gesucht –und verloren. Knabe war vorgeworfen worden, nicht energisch genug gegen wiederholte sexistische Verhaltensweisen von Mitarbeitern der Gedenkstätte vorgegangen zu sein. Gegen seine Kündigung und sofortige Freistellung hat er jedoch geklagt. Am Donnerstag hatte das Landgericht die Freistellung Knabes aufgehoben –das bedeutete zu dem Zeitpunkt, dass er wieder zum Dienst erscheinen darf. Am Sonntag beschloss der Stiftungsrat, Knabe sofort abzuberufen –und der bizarreStreit ging in eine neue Runde. Die Begründung des Gerichts zur Abberufung Knabes wirft ein Schlaglicht auf das Arbeitsklima in der Gedenkstätte. Das Gericht verweist auf einen Bericht von Marianne Birthler. Die frühere Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde, die den Übergang in Hohenschönhausen moderieren soll, hatte mehr als 40 Gespräche geführt und erklärt, dabei habe niemand die Vorwürfe der Frauen angezweifelt. „Die Mitarbeiterinnen hätten nach wie vor große Angst vor dem Antragsteller“, also Knabe. Ungeachtet des Arbeitsklimas dürfte der arbeitsrechtliche Streit mit Der Nervenkrieg Demonstranten vor dem Parlament in Kiewbefürworten den Vorschlag von Präsident Poroschenko, das Kriegsrecht einzuführen. dem Affront vom Montag kaum beendet sein, schließlich sieht sich Knabe als schuldloses Opfer einer Intrige. Und auch der politische Streit schaukelt sich hoch. Im Zentrum stehen zwei führende Politiker im Stiftungsrat der Gedenkstätte: dessen Mit Blumen von den Fans: Hubertus Knabe am Montagmorgen vor der Gedenkstätte. OTTO Die Ukraine hat das Kriegsrecht verhängt –der Konflikt mit Russland im Asowschen Meer spitzt sich zu Vorsitzender, der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke), sowie die Kulturstaatsministerin und Berliner CDU-Chefin Monika Grütters. Der Stiftungsrat rund um Klaus Lederer hatte Knabe freigestellt und gekündigt, eine Vertreterin von Grütters hatte dem zugestimmt. Vorallem die CDU läuft Sturmgegen den Rauswurf Seiten 2und 3, Leitartikel Seite 8 AFP/SERGEI SUPINSKY Knabes, eines streitbaren Antikommunisten, der wegen seiner Unerbittlichkeit oft aneckt. Die Union nimmt vorallem Linken-Politiker Lederer ins Visier, dem sie eine ideologische Kampagne vorwirft. Der Spandauer Bundestagsabgeordnete Kai Wegner erklärte zum Beispiel, Lederer ziele nur darauf ab, „Knabes Lebenswerk und persönliche Integrität zu zerstören“. Doch tatsächlich steckt die Union in einem Dilemma. Denn internmehrensich die Stimmen gegen Landeschefin Monika Grütters. Bereits im Oktober hatten mehr als ein Dutzend Abgeordnete ihren Unmut über Grütters’ Vorgehen bekundet. Man sehe, „dass das Thema auch und gerade die Mitglieder der Berliner CDU stark umtreibt“, sagt Wegner.Doch dieses Unbehagen soll nicht nach außen dringen, findet offenbar der Berliner Fraktionschef Burkard Dregger. AmMontag lud er die Kollegen zur Telefonkonferenz für Dienstagabend ein. „Die Kommunikation nach außen sollte im Interesse eines geschlossenen Auftretens bis auf weiteres über mich laufen“, schreibt Dregger.Kritiker nennen das einen Maulkorberlass. Kommentar Seite8,Berlin Seite10 Senat lässt Clans enteignen Fünf-Punkte-Plan gegen organisierte Kriminalität Mit rigorosen Maßnahmen und allen rechtlich zulässigen Mitteln wollen der Berliner Senat und die Sicherheitsbehörden stärker gegen kriminelle Clans und die Strukturen der organisierten Kriminalität vorgehen. So soll eine neu gegründete Spezialabteilung bei der Generalstaatsanwaltschaft kriminelles Vermögen dieser Clans einziehen. Es wird zudem verstärkte Kontrollen durch Gewerbe- und Finanzämter geben, um Geldwäsche aufzudecken. Auf diese und weitere Maßnahmen eines Fünf-Punkte-Plans haben sich Innensenator Andreas Geisel (SPD), Senatoren sowie leitende Behördenchefs am Montagabend geeinigt. Geisel sagte der Berliner Zeitung anschließend: „Das Treffen war der erste wichtige Schritt zur Bekämpfung organisierter krimineller Strukturen. Es wirdein langerWeg, aber wir sind fest entschlossen, ihn konsequent undgemeinsam zu gehen.“ Strenger als bisher sollen Regelund Rechtsverstöße verfolgt und geahndet werden. Die Behörden wollen zudem ressortübergreifend zusammenarbeiten. Dafür soll zum 1. Dezember eine neue Koordinierungsstelle beim Landeskriminalamteingerichtet werden. An dem Spitzentreffen nahmen neben dem Innensenator auch Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne), Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) sowie diePolizeipräsidentin Barbara Slowik und Generalstaatsanwältin MargareteKoppers teil, ebenso Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) und Ermittler des LKA. Ihr gemeinsames Ziel: Die Zusammenarbeit zwischen Justiz, Polizei, Steuerfahndung, Ausländerbehörde und Ordnungsämtern zu verbessern. (str.) Kommentar Seite 8, Berlin Seite 11 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 21048 Cafe Moskau Karl-Marx-Allee 34 10178 Berlin 15. &16. Februar2019 9–16 Uhr Dein Marktfür: Ausbildung &Karriere Weiterbildung &Qualifizierung Jetzt Aussteller werden berlin.messen@dumont.de 030-2327-50

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