Aufrufe
vor 3 Wochen

Berliner Zeitung 27.12.2019

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Januar
  • Oper
  • Dezember
  • Grips
  • Menschen
  • Zeitung
  • Zeit
  • Aufstieg
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Sechzig Jahre Ehe: Ein Berliner Paar verrät, wie es klappen kann – Seiten 2und 3 Luxus made in Berlin Seite 6 0°/4° Viele Wolken Wetter Seite 2 Tempolimit: Der Streit in der Koalition wird rauer Politik Seite 4, Kommentar Seite 12 www.berliner-zeitung.de Allein in Griechenland: Die verlorenen Kinder Politik Seite 4 Freitag,27. Dezember 2019 Nr.300 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Abschied von einem großen Tenor: Peter Schreier ist tot Feuilleton Seite 25 Bayern München Titan rostet nicht VonChristian Schwager Oliver Kahn wird Mitglied des Vorstands bei Bayern München. Jetzt muss man sich wohl wieder ein neues Bild von Oliver Kahn machen. Im Moment lässt der Name ja einen 50 Jahrealten Co-Moderator vor dem geistigen Auge erscheinen, der im ZDF seine Expertise zu Fußballspielen abgibt, blonde Kurzhaarfrisur, Anzug, smart. Der Anzug dürfte bleiben, wenn Kahn nun seinen Vorstandsposten beim FC Bayern München antritt. In dessen Diensten setzte er als Torwart 14 Jahre lang, bis 2008, noch ganz andere Assoziationen frei. Da gibt es dieses Bild vom April 1999, als Kahn mit gestrecktem Bein den Dortmunder Stéphane Chapuisat attackiert. Oder der Biss in die Wange von Heiko Herrlich, und damit es hier nicht nur Dortmunder trifft: der Zangengriff im Nacken des Hamburgers Sergej Barbarez. Wenn der FC Bayern im Spiel ist, versteht der gebürtige Karlsruher Kahn keinen Spaß. Allerdings behauptet ja auch niemand, dass ein leitender Mitarbeiter des Münchner Meisterund-Moneten-Klubs die Kunst der Diplomatie beherrschen muss. Kahns Chef Karl-Heinz Rummenigge ist dafür der lebende Beweis. Tür an Tür mit dem 64 Jahre alten Vorstandboss soll sich Kahn nun darauf vorbereiten, 2021 dessen Job zu übernehmen. DieBranche schaut gespannt zu, wie diese schleichende Machtübernahme verläuft. Die Fans sind schon jetzt begeistert. Auf der Jahreshauptversammlung im November feierten sie Kahn lautstark. Eben wie einen Titan, als den sie ihn per Kampfname bis heute verehren. Kampfname im Wortsinn, doch im Tritt, Biss,Klammergriff zeigt sich mehr als blinde Raserei. Eine Eigenschaft tritt zutage,die der Topmanager eines Unternehmens mit mehr als 1000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 750 Millionen Euro braucht: Ehrgeiz. Kahn, der Titan, hat sich intensiv in sein neues Tätigkeitsfeld eingearbeitet, „mit Leidenschaft und Enthusiasmus“, wie er es selbst formuliert. Das wird Uli Honeß gewusst haben, als er den Generationswechsel an der Klubspitze einfädelte: „Oliver kennt den Fußball, er kennt dieWirtschaft und er trägt die DNA des FC Bayern in sich.“ Außerdem, auch das hat der ehemalige Präsident gesagt: „Titan rostet nicht.“ Also „können wir uns auf einiges gefasst machen“. Zu diesem Satz gibt es ebenfalls eine bezeichnende Szene. Mai 2001: Der FCBayern spielt beim Hamburger SV. Esbeginnt die Nachspielzeit, die Gastgeber führen 1:0, nur ein Remis bringt München die Meisterschaft. Kahn rennt zu den Kollegen, die mutlos auf dem Platz stehen. Er schreit: „Drei Minuten, los, drei Minuten!“ Kurz darauf fällt das 1:1. Die Deutschen sind böllermüde Ein Verbot von Feuerwerk in der Silvesternacht findet immer mehr Anhänger Der –bislang übliche –Himmel über Berlin in der Silvesternacht. VonChristian Burmeister Vollgemüllte Straßen, eine hohe Feinstaubbelastung, verängstigte Menschen und Tiere, und immer wieder Schwerverletzte: Es gäbe gute Gründe,auf das Abschießen vonRaketen und das Werfen von Böllern zum Jahreswechsel zu verzichten. Aber viele Deutsche lieben diese Tradition. Sie feuern Jahr für Jahr zu Silvester etwa 130 Millionen Euro in die Luft. Mehrere Städte verbieten für bestimmte Gebiete in diesem Jahr allerdings das Böllern. Wieeine Umfrage für die Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland) zeigt, fände ein generelles Verbot inzwischen auch eine Mehrheit. Mindestens 30 Städte und Gemeinden in Deutschland haben für das kommende Silvester ein teilweises oder sogar völliges Böller-Verbot erlassen. Dazu zählen Berlin, Hamburg, München und Köln. Dort geht es vor allem darum, größere Menschenansammlungen vor „Beschuss“ zu schützen. An Nord- und Ostsee gilt größtenteils ein komplettes Verbot. Grund: erhebliche Brandgefahr für reetgedeckte Häuser. Berliner Verbotszonen In Berlin sind in der Silvesternacht Feuerwerk und Böller außer auf der Partymeile am Brandenburger Tor auch in zwei weiteren Gebieten verboten. Dasbetrifft in Mitte den nördlichen Alexanderplatz und in Schöneberg die Gegend zwischen Steinmetz- und Pallasstraße nebst Umgebung, erinnerte die Polizei. Das Verbot gilt vonSilvester 18.00 Uhrbis zum Neujahrstag um 6.00 Uhr. Erlaubt sind lediglich Wunderkerzen, Tischfeuerwerke und Knallerbsen, die ohnehin das ganze Jahr verwendet werden dürfen. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Canan Bayram aus Berlin sagte: „Ein Böllerverbot in Städten halte ich für unausweichlich. Ich unterstütze die Bundesländer in ihrem Wunsch, rechtssichere Verbote für Feuerwerkskörper einzuführen. Klar ist, dass es unter Umwelt- und Gesundheitschutzaspekten möglich und geboten sein sollte. Die öffentlichen Debatten zeigen, dass es das Bewusstsein über den Nutzen und den Wunsch in der Bevölkerung für ein Verbot gibt.“ Tatsächlich kann eine Mehrheit der Bundesbürger einem Böller-Verbot zu Silvester aus Umwelt- und Sicherheitsgründen Positives abgewinnen. Aus dem neuen Wahlbarometer des Redaktionsnetzwerks Deutschland geht hervor, dass 57 Prozent der Befragten ein Verbot eher befürworten. 36 Prozent der Befragten sprechen sich eher gegen solche Maßnahmen aus, sieben Prozent sind unschlüssig und antworten mit „Weiß nicht“. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hat für das RND-Wahlbarometer zwischen dem 13. und dem 17. Dezember 2000 Teilnehmer befragt. EinVerbot findet bei den Anhängern aller Parteien eine deutliche Mehrheit. Lediglich die Wähler der AfD sprechen sich nur zu 40 Prozent dafür aus. Die Zustimmung liegt bei über 55-Jährigen mit 63 Prozent besonders hoch, am geringsten fällt sie bei den 35- bis 54-Jährigen mit 51 Prozent aus.Auffällig: 63 Prozent der Frauen lehnen das private Böllern ab,aber nur die Hälfte der Männer. Ein entschiedener Befürworter eines Böller-Verbots ist Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Er begründete seine Haltung kürzlich im Deutschlandfunk zur Silvester-Böllerei so: „Wir haben die höchsten Feinstaubwerte des Jahres in den „Jeder kann zu Silvester auf Feuerwerk verzichten, aber er braucht dafür doch nicht den Staat, um ihm das zu verbieten.“ Philipp Amthor, CDU-Innenpolitiker, hält Verbote für nicht verhältnismäßig. Stunden, manchmal Tagen danach. Wir haben aber auch das Problem mit Tausenden von Verletzungen, mit Hausbränden, Wohnungsbränden. Das ist gerade die Zeit, wo man sich eigentlich freuen soll auf das nächste Jahr, und Rettungssanitäter, Notärzte,Feuerwehrleute,die haben einen Krisenmodus und können quasi nie mit ihren Liebsten in Ruhe feiern. Wir möchten Silvester 2.0 ohne diese schwarzpulvergetriebenen Knaller und Raketen.“ Verbote sind allerdings gar nicht so leicht durchzusetzen. Dies geht BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK bisher nur für bestimmte Gebiete, wenn es dort stark gefährdete Gebäude, Krankenhäuser oder Tankstellen gibt oder wenn Menschen schon einmal durch Feuerwerk gefährdet wurden. Das geschah zum Beispiel 2015 auf der Kölner Domplatte oder voriges Silvester in der Münchner Innenstadt, als Raketen waagerecht in die Menge geschossen wurden. Waskönnen die Kommunen tun? Die Deutsche Umwelthilfe hat inzwischen in 98 Städten Verbotsanträge gestellt. Außerdem hat die Umwelthilfe die Bundesregierung aufgefordert, die Sprengstoff-Verordnung so zu ändern, dass die Kommunen in die Lage versetzt werden, vereinfacht und großflächig Verbote auszusprechen. Das Land Berlin hat inzwischen einen entsprechenden Antrag über den Bundesrat eingebracht. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat bereits Zustimmung signalisiert, will eine Änderung aber erst in zwei Jahren umsetzen. Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor hält ein Verbot aber nicht für verhältnismäßig. Er sagte der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland): „Wer aus Gründen der Feinstaubbelastung jetzt auch noch das Silvesterfeuerwerk verbieten will, hat jedes Gefühl für eine sinnvolle Schwerpunktsetzung verloren. Manmuss kein großer Fan von Böllern und Raketen sein und ich habe auch persönlich jedes Verständnis für eine skeptische Haltung, aber diese leidigen Verbotsdiskussionen gehen mir einfach zu weit. Jeder kann zu Silvester auf Feuerwerk verzichten, aber er braucht dafür doch nicht den Staat, Klare Mehrheit unzufrieden mit dem Senat Forsa-Umfrage: Regierung bringt Berlin nicht voran VonMaritta Tkalec AmJahresende fällt der Blick der Berliner auf ihreregierende Koalition aus SPD, Grünen und Linkspartei sehr ungnädig aus.Eine Mehrheit von 59Prozent der Berlinerinnen und Berliner urteilt, dass die rotrot-grüne Koalition die Stadt nicht vorangebracht hat. Nur jeder vierte, genauer: 26 Prozent, kann Fortschritte erkennen –ein Ergebnis,das so ähnlich schon einmal Ende 2017 ermittelt worden war. Mit anderen Worten: DieKoalition liegt nach über drei Amtsjahren weit hinter den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger zurück. Was den Parteien besonders zu denken geben muss: Auch unterden Anhängern der an dem Regierungsbündnis beteiligten Parteien Linkspartei und Grünen meint jeweils nur eine Minderheit, dass die Koalition die Stadt vorangebracht hat –bei den Linken sind es 48 Prozent, bei den Grünen nur 41 Prozent. Lediglich unter den Anhängernder SPD ist mit 55 Prozent eine (knappe) Mehrheit dieser Ansicht. Am deutlichsten fällt die Kritik in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen aus: 63 Prozent der jungen Leute meinen, die Stadt sei unter dieser Regierung nicht vorangekommen. Ost und West äußerten sich mit 58 beziehungsweise 59 gleichermaßen unzufrieden. Wenig überraschend fällt das Urteil über den rot-rot-grünen Senat bei den Anhängernder Oppositionsparteien besonders negativ aus. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Dezember-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Trotzder vorherrschenden Unzufriedenheit bedenken die Befragten eine der Regierungsparteien mit einer auffällig hohen Punktzugabe: Die Linke könnte im Vergleich zum Vormonat mit zwei Prozentpunkten mehr rechnen, wenn am Sonntag das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt würde. Schon im November hatte sie zulegen können und steht nun bei beachtlichen 19 Prozent. Der Grund für die positive Stimmung liegt möglicherweise in der konsequenten Befürwortung des Mietendeckels durch die Linke. Kommentar Seite12, Berlin Seite14 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@berlinerverlag.com Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@berlinerverlag.com Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt um ihm das zu verbieten.“ 4 194050 501603 51052

2019

2018