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Berliner Zeitung 28.06.2019

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Lügde: Angeklagte gestehen massenhaften Kindesmissbrauch – Panorama Seite 28 Fußball: U21 im EM-Finale Seite 19 16°/26° Sonne und Wolken Wetter Seite 28 Bauer Riedel: Wald oder nicht Wald,das ist die Frage Berlin Seite 14 www.berliner-zeitung.de Juni 1969: Der Aufstand in der Christopher Street Seite 3 Freitag,28. Juni 2019 Nr.147 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Abstellplatz: Wieteuer Parken in Berlin wird Made in Berlin Seite 6 Anzeige Anzeige #berlinfashionweek www.fashion-week-berlin.com 1.–6. JULI 2019 #berlinfashionweek www.fashion-week-berlin.com 1.–6. JULI 2019 Bergmannstraßenfest Musik statt Mathe VonStefan Strauß Manfred Pokrandt, den alle nur Manne nennen, hat das traditionelle Bergmannstraßenfest in Berlin-Kreuzberg Ende der 90er- Jahrekennengelernt. Da war der Ost- Berliner Tontechniker und Musiker, der seit nunmehr über 30 Jahren in der Berliner Bluesrockband Engerling den Bass spielt, zum ersten Mal in die Bergmannstraße gefahren. Er hatte sich ein Bier gekauft und an die Bühnen gestellt. Überall spielten Bands, meistens Jazz, aber auch Blues, Reggae und Rock. Pokrandt Manfred Pokrandt organisiertdas Fest in der Bergmannstraße. gefiel diese musikalische Mischung sehr gut. Das war kein schnödes Straßenfest mit Vollplayback und Coverbands, inder Bergmannstraße spielten internationale Profimusiker,das hörte Pokrandt sofort. Kreuzberg jazzt, lautete das Motto. Manne Pokrandt blieb dem Straßenfest seit dem ersten Besuch verbunden. Er kümmerte sich um die Bühnentechnik und den Sound. Seit ein paar Monaten ist Manne Pokrandt der Künstlerische Leiter des Bergmannstraßenfestes, das an diesem Wochenende zum 25. Mal stattfindet. 50 Bands spielen an den kommenden drei Tagen, allerdings nicht mehr in der Bergmannstraße, sondern gleich nebenan in der Kreuzbergstraße. Denn wegen der umstrittenen Parklets in der Begegnungszone fehlt in der Bergmannstraße der Platz für die vielen Stände, aus deren Vermietung die Organisatoren das Straßenfest größtenteils finanzierthatten. Manne Pokrandt, 63, erzählt begeistertvon den Musikern, die an diesem Wochenende in der Kreuzbergstraße spielen. Musik beschäftigt ihn seit seiner Jugend, sie ist sein Leben, meint er.Dabei hatte er einst Mathematik an der Humboldt-Uni studiert. Doch Musik war wichtiger. Erlernte Schlagzeug und Bass, trat mit Bands auf wie Scirocco und dem Gaukler- Rock-Theater, gründete sein privates Aufnahmestudio und produziert bis heute in seinem PankowerTonstudio 1058. Das ist die alte Postleitzahl von Prenzlauer Berg. Dort lebt Pokrandt heute noch. Und der Langhaarige hörtlängst nicht nur Blues und Rock. Sein Geschmack reiche vonMetall bis Klassik, sagt er. Von Motörhead bis Rachmaninow. Berlin Seite 15 Windhorst steigt bei Hertha ein Der Berliner Unternehmer Lars Windhorst erwirbt für 125 Millionen Euro Anteile am Bundesligisten. Mit 18 Jahren war er einst Helmut Kohls „Wunderkind“, dann Pleitier.Jetzt will er wieder oben mitspielen. Sport Seite 20 Johanna Hahn –eswar Mord Berliner Gericht verurteilt Raser zu lebenslanger Haft. Ein Erfolg für Gregor Gysi, den Anwalt der Familie VonKatrin Bischoff Als das Urteil an diesem Donnerstag fällt, herrscht im Schwurgerichtssaal 500 des Berliner Landgerichts eine unglaubliche Stille. Wohl niemand rechnete im Prozess um den Todder Studentin Johanna Hahn mit dieser Entscheidung der 40. Großen Strafkammer. Nicht die Verwandten des Angeklagten, nicht die Familie der 22-jährigen Johanna. Die junge Frau wurde von einem Auto erfasst und getötet, in dem drei Diebe auf der Flucht vor der Polizei saßen. Es war Mord, urteilt Peter Schuster, der Vorsitzende Richter. Milinko P.,der Angeklagte, muss dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen. Die Entscheidung ist deswegen so überraschend, weil selbst der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vom Mordvorwurfabgerückt war und eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung verlangt hatte. Milinko P. muss sogar wegen zweifachen Mordes hinter Gitter, denn bei der Verfolgungsjagd starb auch sein Beifahrer Danijel I. Außerdem hat sich der Angeklagte nach Ansicht des Gerichts des dreifachen versuchten Mordes und der Teilnahme an einem verbotenen Autorennen schuldig gemacht. Der 28-Jährige gehörte zu einem Diebestrio, das am Abend des 6. Juni 2018 einenTransporter aufgebrochen und hochwertiges Werkzeug gestohlen hatte. Die Männer waren dabei von Zivilpolizisten beobachtet worden, die den Audi A6 der Diebe verfolgten. Ein Zugriff am Stuttgarter Platz misslang, Milinko P.,der den mit Diebesgut voll beladenen Audi fuhr, gab Gas. Sechs Zivilfahrzeuge der Polizei verfolgten den Audi. Ohne Blaulicht und Martinshorn. Milinko P. raste mit dem Wagen bei roter Ampel und mindestens 80 Mutter Susanne Hahn und ihr Anwalt Gregor Gysi Kilometern pro Stunde über die Kantstraße,knallte dortinzweiFahrzeuge und schleuderte mit seinem Fahrzeug gegen Johanna Hahn, die gerade die Windscheidstraße überqueren wollte. So schildert es der Richter. Die junge Frau war sofort tot. Auch der Beifahrer des Fluchtwagens konnte nicht mehr gerettet werden, obwohl die Ärzte im Krankenhaus alles dafür taten. „Auch mit 88 Blutkonservenwar das Leben des Mannes nicht mehr zu retten“, sagt Schuster. Milinko P.,der zurVolksgruppe der Roma gehörtund in Serbien in ärmlichen Bedingungen aufwuchs, fällt das Atmen nach diesem Schuldspruch sichtlich schwer. Erhält den Kopf gesenkt, den Blick auf den Tisch vor sich gerichtet. Auch als der Richter die Mordmerkmale aufzählt: Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte habe in Verdeckungsabsicht gehan- VOLKMAR OTTO delt, er habe nach dem Diebstahl nicht festgenommen werden wollen. Die Tötung der Studentin sei zudem heimtückisch gewesen, Johanna Hahn sei völlig arglos auf die Straße der Tempo-30-Zone getreten. Zudem habe der Angeklagte bei der Tatmit dem Audi ein gemeingefährliches Mittel benutzt. Milinko P. habe mit Tötungsvorsatz gehandelt. Er habe nicht ernsthaft darauf vertrauen können, dass bei der rasanten Flucht in der belebten Innenstadt an einem lauen Sommerabend nichts passiere. Schuster nennt die Erklärung des Angeklagten, er habe nicht erkannt, dass er von Polizisten angehalten werden sollte, „in weiten Teilen eine unwahre Schutzbehauptung“. Der Angeklagte muss den Eltern von Johanna Hahn zudem Schmerzensgeld zahlen. Peter Schuster erwähnt bei seinem Urteil aber auch das Verhalten der Polizei. DerEinsatz sei Anlass für die Beamten zu schauen, was bei der nächsten Verfolgung von Straftätern besser gemacht werden könne. „Es sollte eine Festnahme werden, dann waren zwei Menschen tot. Da sieht jeder, dass das nicht optimal gelaufen ist“, sagt er. Zudem sei der Einsatz von Blaulicht und Martinshorn geboten gewesen. Möglich, dass Johanna Hahn durch die Signale innegehalten hätte und nicht auf die Straße gelaufen wäre. Susanne Hahn, die Mutter der getöteten Studentin, die im Prozess Nebenklägerin war, ist nach dem Schuldspruch sichtlich erleichtert. Ein Urteil wegen Mordes sei gerade nach dem Plädoyer des Staatsanwalts sehr überraschend gekommen. „Aber es ist das,was wir erhofft und erwartet haben“, sagt sie. Ihr Anwalt Gregor Gysi, der auf Mord plädiert hatte, spricht von einem richtigen und wichtigen Urteil. Der Verteidiger kündigt an, in Revision zu gehen. DieGewerkschaftder Polizei(GdP) begrüßt den Schuldspruch als „deutliches und richtiges Urteil“, sagt Landeschef NorbertCioma. WIRTSCHAFTSWOCHE/MAX THRELFALL Fall Lübcke: Tatwaffe gefunden Weitere Haftbefehle und eine Spur zum NSU Im Mordfall Lübcke wurden zwei weitere Haftbefehle erlassen. Die Polizei war den beiden Männer durch das Geständnis von Stephan E. auf die Spur gekommen. Der Rechtsextremist hatte gestanden, am 2. Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) erschossen zu haben. Die zwei anderen Rechtsextremisten sollen ihm Waffen besorgt oder vermittelt haben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geht nicht davon aus, dass die drei eine rechtsterroristische Vereinigung gebildet haben. Dafür gebe es bislang keine Anhaltspunkte,sagte ein Sprecher. Am Mittwochnachmittag wurde zuerst der 64-jährige ElmarJ.aus dem Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Er soll 2016 die spätere Tatwaffe an Stephan E.verkauft haben. Der 43-jährige Markus H. aus dem Raum Kassel soll den Kontakt der beiden vermittelt haben. Es gebe keine Hinweise dafür,dassdie beiden in den späteren Mord eingebunden gewesen seien oder von den Plänen gewusst hätten, sagte der Sprecher. Mit Markus H.gibt esnun möglicherweiseeine Verbindung zum Terrordes NSU. Der43-jährige Neonazi war 2006 im Zusammenhang mit dem Mord an Halit Yozgat in Kassel als Zeuge vernommen worden. Wie sich herausstellte,warYozgat ein Opfer der Terrorgruppe NSU. H. soll das Mordopfer Yozgat gekannt haben. Bei seinen Vernehmungen räumten Stephan E.ein, dass er weitere Waffen besitze. Ermittler fanden einige in einem Erddepot auf dem Gelände seines Arbeitgebers, darunter die mutmaßliche Tatwaffe. Der Verdächtige verrietauch, an zwei weitere Männer Waffen verkauft zu haben. Gegen diese ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel. (dpa, AFP) Tagesthema Seite2,Leitartikel Seite8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 51026

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