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Berliner Zeitung 28.10.2019

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Wieder Ruhestand perfekt wird. Neue Serie – Berlin Seite 12 Berlin und die koloniale Verantwortung Seite 10 5°/12° Es wird kühler Wetter Seite 28 www.berliner-zeitung.de Montag,28. Oktober 2019 Nr.250 HA -75. Jahrgang Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Debatte: Sind wir ein Land? Meinung Seite 8 Landtagswahl in Thüringen ARD-Hochrechnung 23.02 Uhr 33,5 % 31,0 % 28,2 % 21,8 % 23,4 % 12,4 % 8,2 % 10,6 % 5,2 % 5,7 % 5,0 % 2,5 % 5,4 % 7,3 % 2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014 SPD CDU GRÜNE LINKE FDP AFD SONSTIGE Sigmar Gabriel als Autolobbyist? Politik Seite 4 Bayern München Ein Torgegen Union für die Ewigkeit VonMaik Rosner Nach dem 2:1 gegen Union Berlin hielt Robert Lewandowski eine Trophäe in den Händen. Mit seiner gerade aufgestellten und gefühlt 82. Bestmarke hatte diese aber nichts zu tun. Erhalten hatte Lewandowski die Auszeichnung ja nicht für seine Rekordserie, inallen ersten neun Ligaspielen dieser Saison getroffen zu haben. Wofür er die Ehrung bekommen hatte,wusste er aber auch nicht so genau. Als „bester Spieler“ sei er gewürdigt worden, erklärte der Pole. Nachfrage: Des Spiels? „Nee“, RobertLewandowski, Bayernseinziger dowski, „für die sagte Lewan- Stürmer ganze Saison.“ Dabei lächelte er schelmisch und räumte ein: „Ich muss nachfragen.“ Fest steht jedenfalls, dass Lewandowski durch sein 2:0 gegen Union auf 13 Ligatore nach neun Spielen kommt und auf insgesamt 19 in den 14 Pflichtspielen dieser Spielzeit, nur im Supercup ging er leer aus. Auch deshalb darf sich Lewandowski bisher guten Gewissens als Spieler der Saison betrachten. Fast die Hälfte aller 40 Bayern-Tore inallen Wettbewerben gehen auf sein Konto, und wie stark das fragile Gebilde des Meisters gerade von ihm abhängt, erzählt auch der Blick auf den anderen Torschützen gegen Berlin. Abwehrmann Benjamin Pavard hatte die Führung erzielt, es war sein zweites Ligator in dieser Saison, womit der Franzose in der internen Torschützenliste auf Rang zwei steht. Woraus sich auch ableiten lässt: Ohne Lewandowskis Tore stünde die Mannschaft von Trainer Niko Kovac in der unteren Tabellenhälfte der Bundesliga. Es ist nicht neu, dass Lewandowski zu den besten Stürmern der Welt zählt. Neuaber ist, dass er die Bayern derzeit so sehr trägt wie nie zuvor, seitdem er 2014 ablösefrei aus Dortmund nach München übergelaufen war. Immer wieder hatte er seither mit einem Wechsel zum spanischen Rekordmeister Real Madrid geliebäugelt, zustande kam dieser aber nie. Und nachdem der 31 Jahre alte Angreifer zuletzt seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2023 ausgedehnt hat, scheint er sich erstmals uneingeschränkt mit seinem Arbeitgeber zu identifizieren. Vermutlich trägt das dazu bei, dass er trifft und trifft und trifft. Ungefähr aus jener Zeit, als VW den Käfer damit bewarb, dass dieser „läuft und läuft und läuft“, stammt auch ein Fabelrekord der Bundesliga, der nun in Gefahr geraten könnte. In der Saison 1971/72 brachte es der damalige Bayern- Stürmer Gerd Müller auf 40 Ligatore. Hält Lewandowskis Lauf an, käme er hochgerechnet auf 49. Dann wäreer wirklich zweifelsfrei der Spieler der Saison. Mindestens. SportSeite 20 Sieger ohne Mehrheit Ministerpräsident Bodo Ramelow hat die Landtagswahl in Thüringen gewonnen, aber Rot-Rot-Grün hat die Mehrheit verloren. AfD verdoppelt ihren Stimmenanteil Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) muss sich eine neue Regierungsmehrheit suchen. VonSteven Geyer Bei der Landtagswahl in Thüringen hat es die Linkspartei unter dem bisherigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow geschafft, erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland zu werden. Allerdings fehlt dem Parteichef im neuen Landtag die Mehrheit, um sein rot-rot-grünes Regierungsbündnis fortzusetzen. Als zweite Kraft überholte die AfD knapp die CDU. Ramelow sprach trotz des Mehrheitsverlustes von einem klaren Auftrag zur Regierungsbildung: „Ich sehe mich ganz klar bestätigt. Bei dem Zustimmungswert, den meine Partei bekommen hat, ist der Regierungsauftrag klar bei meiner Partei. Undich werdediesen Auftrag auch annehmen“, sagte er am Sonntagabend in Erfurt. Während die Linke ihr Ergebnis von der Landtagswahl vor fünf Jahren leicht verbesserte, verlor die CDU mehr als zehn Prozentpunkte und landete hinter der AfD auf Platz drei. Im Jahr 2014 war die CDU noch klar stärkste Kraft vor der Linken, hatte aber nicht ausreichend Koalitionspartner gefunden, sodass es für eine rot-rot-grüne Landesregierung unter Ramelowgereicht hatte. Das sieht nach diesem Sonntag anders aus. Nun liegt zwar der Auftrag zur Regierungsbildung zuerst bei Ramelow, dafür scheitert Rot- Rot-Grün an den schwachen Ergebnissen der Koalitionspartner SPD und Grüne: Die SPD verlor gegenüber 2014 erneut, erreichte in Thüringen nur noch ein einstelliges Ergebnis und schnitt damit noch schwächer ab als in den Umfragen auf Bundesebene. Die kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer erklärte das mit der „starken Polarisierung zwischen Ministerpräsident und AfD“:VieleWähler hätten Ramelow gewählt, um die AfD als stärkste Kraft zu verhindern, so Dreyer. Die Grünen mussten sogar bangen, ob sie den Sprung in den Landtag schaffen. Unter ihrer Spitzenkandidatin, der bisherigen Umweltministerin Anja Siegesmund, sind die Grünen in Thüringen weit von ihren Sitzverteilung 2019 in Klammern 2014 Grüne 5 (6) SPD 8 (12) Linke 29 (28) bundesweiten Wahl- und Umfrage- Ergebnissen entfernt und konnten sich gegenüber der Landtagswahl von2014 de facto nicht verbessern– trotz der großen Aufmerksamkeit, die sie im Bund für sich und ihre Themen genießen. Auch der Co- Bundesvorsitzende Robert Habeck schrieb das am Sonntag dem polarisierten,„geradezu unversöhnlichen“ Wahlkampf zu. Allerdings ist auch ein Kenia- Bündnis aus CDU, SPD und Grünen – wie es in Sachsen künftig regieren soll –weit von einer Regierungsmehrheit entfernt. Selbst mit der FDP würde es dann nicht reichen. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatte sie den Einzug knapp geschafft. Die CDU hatte sich unter ihrem Landeschef 90 (91) Sitze CDU 21 (34) AfD 22 (7) FDP 5 (–) BLZ/HECHER; QUELLE: INFRATEST DIMAP Mike Mohring ein Kopf-an-Kopf- Rennen um den zweiten Platz mit der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland geliefert –und unterlag ihr knapp. Die AfD, die in Thüringen vom Kopf ihres rechtsnationalen Flügels, BjörnHöcke,geführt wird, konnte ihren Stimmenanteil im Vergleich zu den Wahlen von 2014 mehr als verdoppeln. 2014 hatte sie aus dem Stand10,6 Prozentgeholt. Höcke bezeichnete das gute AfD-Ergebnis als ein „Nein der Wähler zu einer erstarrten Parteiendemokratie“: „Die Thüringer haben heute die Wende 2.0 gewählt“, sagte er vorAnhängerninErfurt. Allerdings verfehlte die AfD wie zuvor in Sachsen und Brandenburg ihr Wahlziel, zur stärksten Kraft auf Landesebene zu werden. Die größten Stimmengewinne verbuchte die AfD von bisherigen Nicht-Wählern, mit einigem Abstand gefolgt vonbisherigen CDU-Wählern. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 65 Prozentund hat sich damit deutlich erhöht – gegenüber der Wahl vor fünf Jahren, aber auch im Vergleich zur Europawahl in diesem Mai. Insgesamt waren in diesem Jahr rund 1,7 Millionen zur Wahl zum DPA/MARTIN SCHUTT Landesparlament aufgerufen. Schon bei den Wahlen in Sachsen und Brandenburg hatte es mehr Menschen in die Wahlkabinen gezogen, wobei jeweils die Amtsinhaber davonprofitierthatten. Für Ramelowstehen nun schwierige Sondierungen an. CDU und FDP bestätigten am Abend, dass sie nicht zu einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei bereit seien. „Man kann nicht seine Grundsätze über Bord werfen, nur um an einer Regierung beteiligt zu sein“, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. Eine Kooperation mit der AfD schlossen CDU und FDP ebenfalls aus. CDU- Landeschef und Spitzenkandidat Mike Mohring sprach am Abend von einem „bitteren Abend für die demokratische Mitte“. Erlobte zugleich, dass Rot-Rot-Grün ihr Bündnis nicht fortsetzen können. Nach Einschätzung des Leipziger Politologen Hendrik Träger muss die CDU nun aber ihr Verhältnis zur Linken überdenken. „Die CDU muss sich nach der Wahl darüber klar werden: Grenzt sie sich weiterhin so starkvon den Linken ab oder nicht“, sagte Träger.„Wenn die Parteien der Mitte von CDU, SPD, Grünen und FDP bei unter 50 Prozent der Stimmen sind und keine Regierung bilden können, ist das ein Signal, das über das Land hinaus geht.“ Für die CDU ist der Fall auf den dritten Platz auf Landesebene besonders schmerzlich. Bevor es 2014 zur rot-rot-grünen Koalition kam, hatte die Partei 24 Jahre lang das Land regiertund stellte stets den Ministerpräsidenten, zwischenzeitlich sogar mit einer absoluten Mehrheit. Seiten2,3und 8 Berliner SPD stimmt gegen Enteignung Parteitag: Lehrer sollen wieder verbeamtet werden VonMelanie Reinsch Die SPD hat sich am Sonnabend auf ihrem Parteitag mehrheitlich darauf geeinigt, dass sie die Enteignung großer Wohnungsunternehmen ablehnt. Dies sei gegenwärtig nicht zielführend, heißt es in dem Antrag, für den 137 der 238 Delegierten stimmten. Damit stellt sich die SPD gegen ihre Koalitionspartner Grüne und Linke, die die Ziele der Initiative„Deutsche Wohnen und Co enteignen“ unterstützen. Diese hatte im Juni 77 000 Unterstützer- Unterschriften vorgelegt und damit die erste Hürde für ein Volksbegehrengenommen. Die Initiative strebt die Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen an. Aktuell prüft Innensenator Andreas Geisel (SPD), ob das Volksbegehren rechtlich zulässig ist. Daher habe die Entscheidung der SPD erst mal keine Auswirkungen, kommentierte Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende der Grünen.„DasVolksbegehrenliegt in der Innenverwaltung. Wir sind in einem laufenden Verfahren und werden über den weiteren Verlauf sprechen müssen“, sagte Kapek der Berliner Zeitung. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, es sei angebracht, mit den Initiatoren des Volksbegehren sowie der Bau- und Immobilienwirtschaft in einen Dialog zu treten. Lob für die Entscheidung der SPD gab es indes aus der Opposition. „Die SPD hat mit ihrem knappen Beschluss gerade noch einmal die politische Verschmelzung mit der Linken abwenden können“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja der Berliner Zeitung. Aber: So begrüßenswertder Ausgang unddas Bekenntnis zu mehr Bau auch sei, „diese Regierungskoalition ist nur im Konflikt geeint“. DieEinsicht zu Maß undVernunft müsse die Partei auch endlich in die Linkskoalition tragen. Die SPD hat sich zudem darauf verständigt, zum Beamtenmodell für Lehrkräfte zurückkehren zu wollen, um dem Lehrermangel in der Stadt entgegenzuwirken. Berlin ist das einzige Bundesland, das seine Lehrkräfte nicht verbeamtet. Grüneund Linke lehnendas Modell ab. Berlin Seite9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11044

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