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Berliner Zeitung 28.11.2018

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Murks im Menschen: das Problem mit den Implantaten – Wissenschaft Seite 17 Vordem Fest Beilage -4°/2° Sonne und Wolken Wetter,Seite 2 Kopftuch-Streit: Gericht gibt Lehrerin recht Kommentar Seite 8, Berlin Seite 9 www.berliner-zeitung.de Ja oder Nein: Soll jeder Organspender sein? Tagesthema Seite 2 Mittwoch, 28. November 2018 Nr.278 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Ex-Senator Peter Strieder fordert: Mehr Stadt wagen Berlin Seite 10 Der Aufmüpfige und der Dünnhäutige VonChristian Schwager Woder Besen nicht hinkommt, wirdder Staub nicht vonselbst verschwinden. Diesen Satz hat sich Paul Breitner zwar nicht ausgedacht, doch er wird ihn gelesen haben. Wenn es denn stimmt, dass er die Mao-Bibel studierte. Damals, als Breitner noch Fußballprofi des FC Bayern war und ein Foto entstand, das ihn mit der Peking Rundschau zeigte. Ein breiteres Publikum lernte Breitner ganz ungezwungen kennen, auf Paul Breitner darf nicht mehr auf die Ehrenbayern-Tribüne. Paul Breitner dem Gehsteig vor einem Oldtimer. In Unterhose.Neben ihm ein gewisser Uli Hoeneß. 1973, was für eine Zeit. Sie waren befreundet, lebten mal in einerWG,der FC Bayern war deutscher Meister und die Welt noch in Ordnung. Inzwischen begegnen sie sich nicht mal mehr am Büfett der Münchner Fußball-Arena. Uli Honeß, 66, will den vermeintlich Ehrlosen, 67, auf der Ehrentribüne nicht mehr sehen. Der Klubpatriarch will den Besen nicht mehr in die Ecken lassen, der Staub bleibt trotzdem liegen, wie MaoZedong ja herausfand. Selbst wenn der Schnittchen- Bann Breitner den Kritikermund stopfen sollte,wirdsich an den Missständen, die er anprangert, nichts ändern. Der FCBayern steckt in einer Krise,liegt in der Bundesliga nur auf Platz fünf. Nicht zum ersten Mal gerät der Nimbus der Unverwundbarkeit des FC Glorreich in Gefahr, weil sich die Führung um Hoeneß offenbar in der Wahl des Trainers vergriff. Wie diesmal wohl Niko Kovac, war es in der vorigen Saison Carlo Ancelotti, der gehen musste, umein Missverständnis zu bereinigen. Eine Männerfreundschaft erlöste Uli Hoeneß, Jupp Heynckes rettete die Meisterschaft. Das Ende einer anderen Männerfreundschaft verfeinert nun das Bild von den Funktionsweisen der Branche. Breitner steht für den Aufbruch des Fußballs ins Profitum, der Spieler ins Unternehmertum, Selbstvermarktung in Feinripp inklusive. Mochte Breitner die Peking Rundschau auch wirklich gelesen haben, vielleicht im Abo, mochte nichts gestellt gewesen sein auf dem Foto,nicht das Mao-Porträt an derWand, nicht die FlascheTsingtao-Bier, so transportierte es doch ein Image,das den Nerv der Zeit traf. Oder wie es Breitner selbst formulierte: „Ihr könnt mich alle gern haben. Ichmache,was ich will.“ Dass der aufmüpfige Breitner und der dünnhäutige Hoeneß in diesem Punkt offenbar heute noch übereinstimmen, kostet sie nun die Freundschaft. Fürs Erste jedenfalls.Die Niederlage akzeptieren, so ist es nämlich überliefert, heißt: den Sieg vorbereiten. Dassoll Maogesagt haben. Könnte also aus der Peking Rundschau sein. Oder vonPaul Breitner. Mieter bekommen mehr Rechte SPD und Union verständigen sich auf eine Änderung des Mietrechts. Günstige Wohnungen werden geschützt VonUlrich Paul Hass-Mail für Dich WiePolitikerinnen und Politiker täglich beschimpft, beleidigt und bedroht werden Hauptstadt Seite 5 Immer wieder führen teureModernisierungen zu kräftigen Mietsteigerungen –und in der Folge zur Verdrängung von Haushalten mit geringen Einkommen. Künftig sollen Mieter jedoch besser vor drastischen Mieterhöhungen geschützt werden. Vertreter vonCDU/CSU und SPD im Bundestag haben sich bei den Beratungen über das neue Mietrecht darauf verständigt, die Modernisierungsumlage bundesweit vonelf auf acht Prozent zu begrenzen, wie am Dienstag bekannt wurde. Die Koalition geht damit über die zuletzt geplante Regelung hinaus,nach der die Begrenzung nur für Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt gelten sollte. Die zusätzlich vorgesehene Obergrenze bei der Modernisierungsumlage soll ebenfalls verändert werden. Ursprünglich war geplant, dass die Umlage maximal drei Euro je Quadratmeter betragen darf. Nun soll es eine spezielle Regelung zum Schutz von preiswerten Wohnungen geben. Sie sieht vor, dass in Wohnungen mit einer Miete vonweniger als sieben Euro je Quadratmeter maximal zwei Euro pro Quadratmeter auf die Miete aufgeschlagen werden können. Für alle anderen Wohnungen bleibt es bei der Drei- Euro-Grenze. „Wir begrüßen die vereinbarten Nachbesserungen“, erklärte der Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten. Die geplanten Neuregelungen zur Mietpreisbremse bringen nach Ansicht des Mieterbundes dagegen „kaum erkennbare Verbesserungen für Mieter mit sich“, so Siebenkotten. Die Mietpreisbremse sieht vor, dass bei der Wiedervermietung einer Wohnung die Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Zahlreiche Ausnahmen, etwa der Bestandsschutz für eine hohe Vormiete, führen jedoch bislang dazu, dass die Bremse kaum wirkt. DieAusnahmen bleiben weiter bestehen. Jetzt ist lediglich vorgesehen, dass der Vermieter beim Abschluss des Mietvertrages angeben muss, ob er sich auf eine Ausnahme beruft oder nicht. Unterlässt der Vermieter die Auskunft, kann er diese nachholen. Mit der Folge allerdings,dass er sich erst zwei Jahre später auf die zulässige Miete berufen kann. Aus Sicht des Mieterbundes „ändert sich im Ergebnis so gut wie nichts“, wie Bundesdirektor Siebenkotten sagt. Der Mieterbund hatte gefordert, die Modernisierungsumlage vonelf auf vier Prozent zu begrenzen und die Obergrenze auf 1,50 Euro je Quadratmeter festzulegen. Bei der Mietpreisbremse wollte die Mieterorganisation die Ausnahmen streichen und Strafen für Vermieter einführen, die gegen das Gesetz verstoßen. Das ist bis auf die Mini-Sanktion bei verspäteter Auskunft zu den Ausnahmetatbeständen nicht geplant. „Die große Koalition scheint erkannt zu haben, dass sie Wohnungspolitik nur mit den privaten Kleinvermietern machen kann.“ Kai Warnecke, Präsident des Eigentümerverbandes Haus &Grund Der Eigentümerverband Haus & Grund begrüßte die Einigung. „Die große Koalition scheint erkannt zu haben, dass sieWohnungspolitik nur mit den privaten Kleinvermietern machen kann“, erklärte Haus & Grund-Präsident KaiWarnecke. Das betreffe beispielsweise die Mietpreisbremse. Sollten sich Vermieter bei der Mietberechnung einmal geirrt haben, so könnten sie diese Fehler zu einem späteren Zeitpunkt beheben, lobte Haus &Grund. Die Vermieterseite weiß, bei wem sie sich bedanken darf. „Der jetzt von CDU/CSU initiierte Kompromiss stärkt die Mieterposition, ohne die Belange der privaten Kleinvermieter aus den Augen zu verlieren“, sagte Haus &Grund-Chef Warnecke. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW übt indes Kritik an der Begrenzung der Modernisierungsumlage.„Gutgemeint ist noch lange nicht gut gemacht“, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko. „Mit dieser Kurzschlusshandlung werden erneut besonders die Vermieter bestraft, die nachhaltig und sozial agieren und günstigere Wohnungen anbieten.“ So werde eine ganze Branche „zum Sündenbock einer Entwicklung gemacht, deren Ursachen nicht inihren Händen“ lägen. „Alleinige Zielscheibe einer Regulierung hätten die schwarzen Schafe sein müssen, die absichtlich durch Luxusmodernisierungen ihre Mieter aus dem Haus drängen wollen“, sagte Gedaschko. „Es ist daher sehr sinnvoll, dass das bewusste Herausmodernisieren von Mietern zukünftig als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden soll.“ Das zusätzliche Einschränken der Modernisierungsumlage,noch dazu für Vermieter mit günstigen Mieten, sei dagegen „völlig kontraproduktiv“ und setze „die Zukunftsfähigkeit des Wohnens in Deutschlands aufs Spiel“, warnt Gedaschko. Die energetische Modernisierung, der altersgerechte Umbau und die Digitalisierung im Wohnbereich liefen so „vor eine Wand.“ Kommentar Seite 8 ISTOCKPHOTO Anis Amri hatte einen Mitwisser Täter vom Breitscheidplatz kündigte Attentat an VonMarkus Decker Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz hatte einen islamistischen Gefährder in seine Anschlagspläne eingeweiht. Darüber habe der Leiter des Berliner Landeskriminalamtes (LKA), Christian Steiof, am vergangenen Freitag in nicht öffentlicher Sitzung den Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses informiert, berichteten zunächst der RBB und die Berliner Morgenpost. Der LKA-Chef schilderte demnach, dass drei Vertrauenspersonen (VP) seiner Behörde Kontakt zum Attentäter Anis Amrihatten. Einer dieser Informanten habe dem LKA von einem Gespräch mit einem Mann berichtet, der der Behörde bekannt und von dieser als Gefährder eingestuft worden sei. Im Gespräch mit der V-Person habe dieser gesagt, Amrihabe ihn über seine Anschlagspläne informiert. DieGrünen wollen nun den V-Mann-Führer im Ausschuss hören. Sie zweifeln mehr denn je an der These, wonach Amri ein Einzeltäter gewesen sei. Der LKA-Chef Steiof soll in der Sitzung gesagt haben, dass das LKA erst nach dem Anschlag von dem Mitwisser erfahren habe.Eshandele sich um einen wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung vorbestraften Mann. Berichte über etwaige Mitwisser sind nicht neu. So erhielt das LKA NRW bereits im Frühjahr 2016 Berichte darüber, dass der 24-Jährige anderePersonen auffordere, mit ihm Anschläge in Deutschland zu begehen. Amri habe damit geprahlt, er wolle ein Blutbad anrichten, ergänzte ein V-Mann des LKA im Juli 2016. Die Ankündigungen alleine reichten aber offenbar nicht für einen Haftbefehl. Im Netzwerkdes mittlerweile verhafteten islamistischen Predigers Abu Walaa, zu dem Amri den Ermittlungen zufolge steten Kontakt hatte, soll häufiger über Attentate gesprochen worden sein –etwa über einenTerrorakt mit einem Lkw. Der Obmann der Grünen-Fraktion im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestages, Konstantin von Notz, urteilte, „die vermeintlichen Gewissheiten in Sachen Breitscheidplatz“ würden „immer zweifelhafter“. Leitartikel Seite 8 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 31048

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