Aufrufe
vor 1 Jahr

Berliner Zeitung 29.03.2019

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • April
  • Welt
  • Oper
  • Menschen
  • Brandenburg
  • Musik
  • Marvel
  • Zeitung
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Heimatlose Hertha: Die schwierige Suche nach einem neuen Stadion – Seiten 8und 9 Wo in Berlin Fachkräfte fehlen Seite 6 8°/15° Starkbewölkt Wetter Seite 28 Brexit: Neue Chance für Theresa May Seite 3 www.berliner-zeitung.de Hasso Plattners Pläne für die DDR-Kunst in Potsdam Feuilleton Seite 21 Freitag,29. März 2019 Nr.74HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Sabine Rennefanz über die Vorteile derOstquote Leitartikel Seite 8 Anheizen und löschen VonHarry Nutt Blut, Schweiß und Tränen –wenn Till Lindemann und seine oft in verspielt-totalitaristischer Geste daherkommende Band Rammstein auftreten, muss man darauf gefasst sein, dass es feucht wird. Dasgilt zunächst einmal in künstlerischer Hinsicht, denn so brachial-erdig die Gesamterscheinung Rammstein auch sein mag, handelt es sich trotz des mitgeschleppten Ballastes doch um eine fein ausge- Till Lindemann, Provokateur,Musiker und Künstler Rammstein arbeitete Bühnen- und Symbolkomposition, die nicht zuletzt auf dem Einsatz von Pyrotechnik und Flüssigkeiten beruht. Anheizen und Löschen gewissermaßen. In einem kurzen Videoclip, mit dem Rammstein im Internet ein neues Album bewirbt, ist Lindemann mit blutverschmiertem Gesicht in KZ-häftlingsähnlicher Kleidung zu sehen, er und die Bandmitglieder tragen eine Schlinge um den Hals. Eine Provokation, was sonst? Die Rammsteiner inszenieren sich als Nazi-Opfer, die vor der Hinrichtung stehen. Das wird von vielen als unerträgliche Anmaßung empfunden. „Wie Rammstein hier das Leid und die Ermordung von Millionen zu Entertainmentzwecken missbraucht, ist frivol und abstoßend“, zitiert die Bild-Zeitung Charlotte Knobloch, die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden. Daskann man so sehen, die Band äußert sich nicht weiter zu den Vorwürfen. Das lärmende Schweigen entspricht der abgebrühten Vermarktungsstrategie,die Lindemann, der auch als bildender Künstler auftritt, seit jeher mit radikaler Selbstdarstellung verknüpft. Der Mitte der 90er-Jahre gegründete Band mit intensiver Punk- und Metal-Vergangenheit wurde häufig der Vorwurf gemacht, eine faschistische Ästhetik zu bedienen. Dasnun debattierteVideo verhält sich dazu diametral entgegengesetzt. Wäre die Rammstein- Pose eine Sequenz aus einem Film vonSteven Spielberg, käme kaum jemand auf die Idee, am aufklärerischen Gehalt des Gesehenen zu zweifeln. Die Skepsis gegenüber Rammstein ist allerdings angebracht. Historische Aufklärung gehörte bislang eher nicht zu den hervorragenden Motiven der Band. Berlin bekommt Besuch Greta Thunberg ist in der Stadt –und will an diesem Freitag bei der „Fridays for Future“-Demonstration dabei sein. Tagesthema Seite2 BVG streikt am Montag Bahnen und Busse stehen den ganzen Tagstill –obwohl die Arbeitgeber kräftige Lohnzuwächse anbieten VonPeter Neumann Nichts geht mehr! Obwohl die Arbeitgeber ihr Angebot ein weiteres Mal aufgestockt haben, wird es bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)einen weiterenWarnstreik geben. Die Gewerkschaft Verdi will ihre Mitglieder dazu aufrufen, am Montag ab Betriebsbeginn ganztags die Arbeit niederzulegen. Dashat die Tarifkommission am Donnerstagabend einstimmig beschlossen. Diesmal soll wieder der gesamte BVG-Verkehr stillstehen. Es ist der dritte Ausstand während des laufenden Konflikts,bei dem es um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für die 14 600 Beschäftigten der BVGund ihres Tochterunternehmens Berlin Transport(BT)geht. Der Entscheidung vorangegangen war eine weitereVerhandlungsrunde beim Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV).Sie endete ergebnislos,teilte VerdiamAbend mit. „Eine Einigung im Tarifkonflikt war aufgrund des von der Arbeitgeberseite vorgelegten Angebotes nicht möglich. Leider profitieren längst nicht alle Beschäftigten von den Erhöhungsschritten, die die Arbeitgeber beabsichtigten“, sagteVerhandlungsführer Jeremy Arndt. Zwar hatten die Arbeitgeber ihr Angebot aufgestockt. Doch die tatsächliche Wirkung auf die Einkommen der einzelnen Beschäftigten wäre „sehr ungleich“. Die Gewerkschaft lehne eine Spaltung der Belegschaft ab.Sie fordere ein einigungsfähiges Angebot und bleibe verhandlungsbereit. Vorzwei Wochen hatten sich die offerierten Verbesserungen auf 65,1 Millionen Euro pro Jahr summiert. BeiderVerhandlungsrunde am Donnerstag präsentierte der KAVnun ein Jahresvolumen von rund 90 Millionen Euro. Sosollen die Löhne und Gehälter um mindestens 300 Euro proMonat steigen. AlleVerbesserungen sollen rückwirkend ab Januar 2019 gelten. „Da wir an einer baldigen Einigung interessiert sind, haben wir unser Angebot noch einmal erhöht“, fasste KAV-Chefin Claudia Pfeiffer zusammen. Der Warnstreik sei „völlig unangemessen“. Das am „Da wir an einer baldigen Einigung interessiert sind, haben wir unser Angebot noch einmal erhöht.“ Claudia Pfeiffer, Geschäftsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV) Berlin Donnerstag vorgelegte Angebot bedeute eine Steigerung des jährlichen Entgeltvolumens um 17 Prozent. Dem Vernehmen nach würde es zum Beispiel dazu führen, dass das monatliche Bruttogehalt für neu eingestellte Busfahrer inklusiveZulagen und Zuschläge um mehr als 520 Euro von2720,18 auf 3240,88 Euro steigt. Das ist ein Plus von 19,1 Prozent. Neu eingestellte Schweißer und Gleisbauer sollen mit 3359,82 Euro pro Monat 595 Euro mehr erhalten, ein Zuwachs um 21,5 Prozent. Der Bruttolohn eines neu eingestellten Mitarbeiters im Ordnungsdienst würde um fast 444 Euro auf 2993,31 Euro steigen–plus 17,4 Prozent. Bei den Fahrern sollen die Zuwächse aber nur für neu eingestellte Mitarbeiter gelten, hieß es bei Verdi. Diese Beschäftigten starten nicht wie bisher in der Stufe1der Lohntabelle starten, sondern landen gleich in der Stufe3–was zusätzliches Geld für sie bedeutet. „Wer bereits bei der BVG arbeitet, kommt nicht in den Genuss dieses Sprungs“, stellte der Verdi-Sekretär klar. Bei den jetzigen Beschäftigten würden nicht 520 Euro,sondern375 Euro draufgelegt. „Wir haben uns für den Montag entschieden, damit Arbeitnehmer eventuell ein verlängertes Wochenende nutzen können“, sagte Jeremy Arndt. Außerdem habe Verdi den Warnstreik frühzeitig angekündigt. Zwar stehen wie bei den ersten beiden Warnstreiks S-Bahnen und Regionalzüge als Alternativen zur Verfügung. Dennoch ist absehbar, dass auch der nächste BVG-Ausstand viele Fahrgäste betreffen wird. AFP/FABRICE COFFRINI Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 Senat nach Anschlägen unter Druck Innenministerium fordert von Berlin klare Worte 194050 VonMarkus Decker Nach den Anschlägen auf Fahrzeuge des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen wächst der Druck auf den Berliner Senat, mehr gegen derartige Angriffe zu tun.„Den Tätern muss klargemacht werden,dass man nicht Miet- und Wohnraumpolitik mit Sachbeschädigungen und anderen Straftaten betreiben kann“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings (CDU), der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland). Der Zweck heilige nicht die Mittel. „Ich fände es richtig und sinnvoll, wenn das Land Berlin zunächst ein aussagekräftiges Lagebild zu diesem Phänomen machen würde“, so Krings. Denn solche Straftaten seien „aufs Schärfste zu verurteilen“ und ihreBekämpfung„eine klareAufgabe der Landespolizei“. DerPräsident des Immobilienverbandes IVD, Jürgen Michael Schick, gab dem Senat eine Mitschuld.„Diese sinnlosen und gefährlichen Taten zeugenvon derRadikalisierung einer Debatte, die Teile der Berliner Landesregierung selbst schüren“, erklärte er.„Wertagein, tagaus die Immobilienwirtschaft dämonisiert, wie das die Akteure hinter der Initiative Deutsche Wohnen &Co. enteignen und ihre politischen Unterstützer im Senat tun, nimmt auch Gewalt in Kauf.“ Schick forderte eine deutliche Verurteilung dieser Angriffe. Sonst dränge sich der Verdacht auf, „dass Teile der Berliner Landesregierung die Spaltung der Gesellschaft zu eigenen Zwecken gutheißen“. In der Nachtzum Mittwoch hatten zwei Autos der Deutsche Wohnen in Steglitz gebrannt. Autonome Gruppen haben Verantwortung übernommen. 501603 51013 www.fotomeyer.de Alle Neuheitenund Messeangeboteauf unserer Frühlings-Messe -Anfassen,ausprobieren,Fragen stellen! HEUTE+MORGEN mitden Spezialisten von FOTO MEYER GmbH ·am Viktoria-Luise-Platz ·Welserstraße 1·10777 Berlin-Schöneberg ·Tel. 030 235099-0

2019

2018