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Berliner Zeitung 29.04.2019

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Tödliche Gefahr: Die Bombenblindgänger im Berliner Untergrund – Berlin Seite 9 Wo Asterix und Obelix wohnen Seite 28 7°/18° Regnerisch Wetter Seite 2 Frech und fabelhaft –das Bundesjugendorchester Feuilleton Seite 23 www.berliner-zeitung.de Warum Katja Berlin am liebsten Sammeltaxi fährt Meinung Seite 8 Montag,29. April 2019 Nr.98HA-75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € 2:0 mit Leidenschaft: Union schlägt den HSV Sport Seite 20 Aufstieg made in Germany VonHendrik Buchheister Daniel Farke hat es ziemlich weit gebracht für jemanden, der eigentlich nie Trainer werden wollte. Und das als Deutscher in England. Einen Spieltag vor dem Ende der englischen Zweitliga-Saison gelang seinem Verein Norwich City am Wochenende der Aufstieg in die Premier League. Nach dem entscheidenden 2:1-Erfolg gegen die Blackburn Rovers jubelte Farke: „Wir haben Geschichte geschrieben und etwas Außergewöhnliches erreicht.“ Das gilt für seine Mannschaft, die Daniel Farke, Trainer des Aufsteigers Norwich City Fußball durchsetzt ist mit Spielern, die einst in Deutschland aktiv waren und dortnur mäßigen Erfolg hatten. Das gilt vor allem aber auch für den 42 Jahrealten Trainer selbst. Ursprünglich wollte er Manager werden, wollte lieber langfristig arbeiten, als nach jeder Niederlage infrage zu stehen. Beim SV Lippstadt, wo er einen großen Teil seiner Spieler-Karriere verbracht hatte, bekam er diese Gelegenheit. Eher durch Zufall rutschte er nebenbei in den Trainerjob –und machte seine Sache so gut, dass er sechs Jahre in dieser Doppelfunktion arbeitete und den Klub von der sechsten bis in die vierte Liga führte. Danach wollte Farke eine Pause einlegen, doch als ihm der Posten als Trainer der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund angeboten wurde, konnte er die Chance nicht ausschlagen. Er blieb zwei Jahre und machte das Team zum Regionalliga-Vizemeister. 2017 wechselte er in die Grafschaft Norfolk im Osten Englands. Nach Felix Magath (einst beim FC Fulham), Jürgen Klopp (FC Liverpool), David Wagner und JanSiewert (beide Huddersfield Town) wird erin der kommenden Saison der fünfte deutsche Trainer in der Geschichte der Premier League sein. Gerade die Parallelen zu Wagner sind offensichtlich. Farke war seinerzeit sein Nachfolger bei Dortmunds Amateuren und empfahl sich dort für den Jobin England. Ein Zufall ist der ähnliche Karriereweg nicht. Beide,Wagner und Farke, wurden vom selben Sportdirektor entdeckt, dem erst 35 Jahrealten Stuart Webber. Wie in Huddersfield setzt Webber auch in Norwich auf Spieler, die zuvor in Deutschland eher Randerscheinungen waren. Und aufVertrauen in den Trainer. Farkes erste Saison lief nicht gut, die Mannschaft landete auf dem 14. Tabellenplatz. Doch der Klub hielt am Trainer fest –und wurde mit der Rückkehr in die Premier League nach drei Jahren Abwesenheit belohnt. Farkes Mittel zum Erfolg sind Dominanz und Ballbesitz. Er orientiert sich bei seiner Spielweise unter anderem an PepGuardiola vonManchester City.Inder kommenden Saison tritt er gegen sein Vorbild an. VonElmar Schütze Die Stimmung kippt – langsam zwar, aber sie kippt. Nur noch 35 Prozent der Berliner halten eine Enteignung von Immobilienkonzernen mit mehr als 3000 Wohnungen für „grundsätzlich sinnvoll“. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung für den Aprilhervor. Dafür wurden vom16. bis 25. April1005 Berlinerinnen und Berliner befragt. DerUmfrage zufolge sind mittlerweile 58 Prozent gegen das Mittel der Enteignung im Bestreben danach, einen Mietenanstieg einzudämmen, 7Prozent enthielten sich. Zum Vergleich: Im Januar waren 44 Prozent für Enteignung –für„Nein“ votierten nur 39 Prozent, 17 Prozent entschieden sich nicht. Im Februar befürworteten 39 Prozent das Zwangsinstrument, 47 Prozent waren dagegen, 14 Prozent sagten „Weiß nicht“. Warten auf Beschlüsse Die Umfrage dokumentiert einen Sinneswandel, der der „Initiative Deutsche Wohnen und Co enteignen“ nicht gefallen kann. Die Initiative nämlich sammelt weiter Unterschriften von Enteignungs-Befürwortern. Am 13. Juni müssen die Listen beim Senat abgeliefert werden. Anschließend, so sehen es die Regeln für einen Volksentscheid vor, müssen sich Abgeordnetenhaus und Senat damit beschäftigen. Dieerste Hürde von20000 Unterschriften war nach Angaben von Sprecher RouzbehTaheriwenigeTage nach Sammlungsbeginn in der zweiten Aprilwoche erreicht. „Jetzt streben wir an, im Juni mindestens 50 000 Unterschriften abzugeben. Eine Frage des Nehmens Danach liegt der Ball erst einmal beim Senat“, sagt Taheri der Berliner Zeitung. Er meint, eine große, aber nicht genauer zu beziffernde Zahl von Mitstreitern auf seiner Seite zu haben. Derzeit seien 25 000 Listen im Umlauf, auf jede passen fünf Unterschriften. Sie können an rund 150 Sammelstellen abgegeben werden. Breite Unterstützung erhält die Initiative vor allem aus dem linken Lager im rot-rot-grün regierten Berlin. Jedoch hat sich bisher allein die Linkspartei klar hinter die Forderungen gestellt. Bei den KoalitionspartnernSPD und vorallem bei den Grünen genießen Taheriund Co.zwar einige Sympathien, formelle Beschlüsse stehen aber (noch) aus. Die Grünen wollen auf einem sogenannten Kleinen Parteitag Mitte Mai eine Position beziehen, die SPD hat das Thema jüngst bis zu ihrem Landesparteitag im Herbst verschoben. Dazu passen die Forsa-Zahlen, wonach 59 Prozent der Linken-Anhänger für Enteignung sind. BeiGrünen- und SPD-Anhängernsind es 47, beziehungsweise 38 Prozent. Die Oppositionsanhänger sind mehrheitlich dagegen. Während es bei FDP-Anhängern noch 18 Prozent Zustimmung gibt, sind es bei der AfD 11 Prozentund der CDU 10 Prozent. Für den Initiativen-Sprecher Taheriist ein Nein allein ohnehin nicht aussagekräftig. Er kenne viele Leute, die sich an der zwangsläufigen Entschädigung fürdie Konzerne störten, sagt er. Manche hielten diese für zu hoch, andere für prinzipiell falsch. Taheri ist weiterhin zuversichtlich. Er glaube, dass die Initiative nach und nach mehrVerbündete finde.Im Übrigen gelte: „Wir wussten vonAnfang an, dass es kein Sprint wird, sondern ein langer Weg vor uns liegt.“ „Wir wussten von Anfang an, dass es kein Sprint wird, sondern ein langer Wegvor uns liegt.“ Rouzbeh Taheri, Sprecher der „Initiative Deutsche Wohnen und Co enteignen“ Deutlich gegen den Berliner Enteignungsansatz positionierte sich am Freitagabend die FDP auf ihrem Bundesparteitag. Eine große Mehrheit der Delegierten stimmte dafür, Artikel 15 aus dem Grundgesetz ganz zu streichen. Artikel 15 sieht vor, dass Grund und Boden in Gemeineigentum überführt werden können. Auf ihn bezieht sich die Berliner Initiative. Artikel 15 sei ein Verfassungsrelikt, das aus gutem Grund nie angewandt worden sei, sagte FDP-Parteichef Christian Lindner. Die Debatte in der Hauptstadt bezeichnete Lindner als „Linkspopulismus“. Im Süden Deutschlands werden mit einem anderen Instrument in der Enteignungsdebatte hingegen schon Fakten geschaffen: Tübingens Oberbürgermeister BorisPalmer hat Sollen große Immobilienkonzerne enteignet werden? Die exklusive Forsa-Umfrage der Berliner Zeitung zeigt: Nur noch 35 Prozent der Berliner sind dafür,deutlich weniger als zu Beginn des Jahres. Was steckt dahinter? IMAGO IMAGES/GARY WATERS einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge die ersten 20 Briefe an Eigentümer brachliegender Grundstücke verschickt, die er notfalls enteignen will. In dem Schreiben fordert der Grüne die Eigentümer zu einer „verbindlichen Erklärung“ auf, „in spätestens zwei Jahren ein Baugesuch einzureichen“ und binnen vier Jahren „die Schaffung vonWohnraum zu ermöglichen“. Alternativ könnten die Eigentümer das Grundstück zum Verkehrswertandie Stadt veräußern. Baugebot als nützlicher Hebel Der Tübinger Oberbürgermeister bezieht sich nicht –wie die Berliner Initiative –auf Artikel 15 des Grundgesetzes, sondern auf Paragraf 176 des Baugesetzbuches. Dieser Paragraf verpflichtet den Eigentümer dazu, „innerhalb einer zu bestimmenden angemessenen Frist entsprechend den Festsetzungen des Bebauungsplans zu bebauen“. Kommt er der Verpflichtung nicht nach, kann demnach „das Enteignungsverfahren eingeleitet werden“. Palmer bedient sich mit dem Paragrafen 176 eines Instruments, das auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) als nützlichen Hebel ansieht, um das Mietenproblem zu lösen. Der Augsburger Allgemeinen hatte Scholz erklärt, dass er das Baugebot soändern wolle, dass es von den Kommunen häufiger als bisher gegen die Eigentümer unbebauter Grundstücke eingesetzt werden könne. Bundesbauminister Horst Seehofer (CDU) spricht sich gegen Scholz’Vorstoß aus.Auchdas in Berlin diskutierte Enteignungsmodell lehnt er ab. Enteignungen seien kontraproduktiv,nur Neubau helfe. (mit ann./dpa) Streit um Hilfe für die Paketboten Minister uneins über Plan gegen Ausbeutung VonRasmusBuchsteiner Arbeitsminister Hubertus Heil will gegen die Ausbeutung vonPaketzustellern vorgehen. Doch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) weist die Pläne des SPD-Politikers zurück, die großen Paketdienste für die Arbeitsbedingungen ihrer Subunternehmen haften zu lassen –und erhält nun Unterstützungvon denArbeitgeberverbänden. BDA-Hauptgeschäftsführer SteffenKampeter sagte der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk Deutschland): „Der Staat darf seine Aufgabe zur Überwachung der Einhaltung des Mindestlohns nicht einfach auf andere Unternehmen überwälzen.“ Unternehmen könnten andere Unternehmen nicht annähernd so gut kontrollieren wie der Staat, so Kampeter. „Die neuen Gesetzespläne würden daher unverhältnismäßige Haftungsrisiken für die betroffenen Unternehmen bedeuten.“ Er warnte, die Haftung könnte langjährige Zeiträume und damit hohe Beträge betreffen. Zudem könne niemand verlässlich ausschließen, dass ein Vertragspartner Rechtsverstöße begeht, sagte der BDA-Chef. Wenn der Staat allerdings Kontrolldefizite bei den Sozialversicherungsbeiträgen sehe, müsse er „seine Kontrollen verbessern, statt rechtstreuen Unternehmen neue Haftungsrisiken aufzudrücken“, sagte Kampeter. Zuvorhatte Altmaier gesagt, Heils Gesetzentwurf komme zur Unzeit. „Es ist jetzt nicht die Zeit für neue Belastungen der Wirtschaft“, so der Wirtschaftsminister. „Die Belebung des Wachstums und die Schaffung neuer Arbeitsplätze muss Vorrang haben vor dem Aufbau neuer Bürokratie.“ Altmaier verwies auf die Zuständigkeit der Zollbehörden für die Kontrolle von Arbeitsbedingungen. Der Zoll liegt im Verantwortungsbereich vonBundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will Heil die großen Paketdienste verpflichten, Sozialabgaben für ihre Subunternehmer nachzuzahlen, wenn diese beim Mindestlohn betrügen. So soll der eigentliche Auftraggeber für korrekte Arbeitsbedingungen bei seinen Boten verantwortlich werden. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt Tagesthema Seite2,Wirtschaft Seite6 4 194050 501603 11018

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