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Berliner Zeitung 29.05.2019

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Der Tag, an dem Albert Einstein berühmt wurde – Wissenschaft Seite 16 Heute mit Kulturkalender 10°/19° Öfter mal Sonne Wetter Seite 28 Werrettetdie Weddinger Kiezschlampen? Feuilleton Seite 21 www.berliner-zeitung.de Blaue Katastrophe: Die AfD und der Westen Politik Seite 4 Mittwoch/Donnerstag,29./30. Mai 2019 Nr.123 HA -75. Jahrgang Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Ewig lockt der Skandal: Helmut Berger wird 75 Panorama Seite 28 Italien Ein Held von Lampedusa in Brüssel VonRegina Kerner Kinobesucher kennen ihn aus dem Dokumentarfilm „Fuocoammare“, der 2016 in Berlin den Goldenen Bären bekam. Pietro Bartolo ist seit drei Jahrzehnten Inselarzt auf Lampedusa und so etwas wie ein Held der Menschlichkeit inmitten der Tragödie der Migration. Er hat viele Tausend Bootsflüchtlinge versorgt, die halb verdurstet waren, unterkühlt, traumatisiert. Er hat Menschen getröstet, die Folter und Vergewaltigungen erlebt haben, deren Angehörige ertranken. Er hat unzählige Pietro Bartolo tote Frauen, will der Anti-Salvinist Männer und Kinder gesehen. in Brüssel sein. Jetzt, mit 63 Jahren, ist Bartolo in die Politik gegangen. Bei der Europawahl kandidierte er in Mittelitalien, Sizilien und Sardinien für die sozialdemokratische frühere Regierungspartei PD. Trotz des Siegeszugs vonMatteo Salvinis rechtsnationaler Lega holte Bartolo mehr als 250 000 Stimmen und zieht nun als einer von73italienischen Abgeordneten ins neue EU- Parlament ein. „Ich bin das Gesicht des Anti-Salvinismus“, sagt er in Interviews, „das Gesicht derer, die an ein anderes Italien glauben.“ Die Entscheidung, sich politisch zu engagieren, habe er beim Anblick eines weiteren toten Kindes auf der Hafenmole von Lampedusa gefasst, wo immer noch Migranten ankommen. „Mir wurde klar, dass ich mehr tun musste.“ In Brüssel will er die Aufmerksamkeit auf den „großen Friedhof Mittelmeer“ lenken. „Europa wird sich nicht durch den Tod der Anderen retten.“ Er werde nicht nur für die Aufnahme vonFlüchtlingen, sondern für den Schutz von Schwächeren kämpfen. Dazu zählt er auch viele Italiener, vor allem im vernachlässigten Süden. AufBartolos Insel hat am Sonntag die Lega triumphiert. 48 Prozent stimmten für Salvini, der die Häfen verschließen will. Bartolo sieht in der Wahl ein Zeichen des Protestes. Nur 26 Prozent der 5500 Wahlberechtigten gaben ihreStimme ab.Die vielen Verweigerer hätten dagegen protestiert, dass der Staat Lampedusa vergessen habe.„Es ist nicht wahr, dass die Leute keine Migranten wollen. Sie sind Fischer, sie werden den Hafen nie verschließen“, sagt Bartolo,selbst Spross einer Fischerfamilie. Die Pannen der CDU-Chefin VonDaniela Vates Rettungsversuch am Tag zwei nach der Europawahl: Die CDU werde die Meinungsfreiheit immer verteidigen, verkündet Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer in einem schriftlichen Statement. Aber man müsse darüber reden,„wie sich Kommunikation und auch politische Kultur durch soziale Medien verändern“. Es ist der Versuch, wieder aus der Defensive zukommen –indie sie sich selbst immer tiefer hinein manövriert hat in den vergangenen Monaten. Zuletzt war da die Pressekonferenz nach der Europawahl. Annegret Kramp-Karrenbauer hat viel über eigene Fehler und die der Partei im Wahlkampf geredet, als es noch einmal eine Frage zum Umgang mit den CDU-kritischen YouTube-Videos gibt. Kramp-Karrenbauer antwortet, ein Aufruf von 70Zeitungsredaktionen wäreals „klareMeinungsmache“ gewertet worden. Undsie fragt: „Was Die perfekte Welle Wenn einfach alles passt: Der Aufstieg des 1. FC Union. Seiten 2und 3, 18, 20 In der Union wächst die Sorge, dass Annegret Kramp-Karrenbauer überfordert ist sind eigentlich Regeln für den analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich?“ Dies sei auch eine Frage für die Funktion der Demokratie.ImInternet folgt eine Empörungswelle. Der Zensurvorwurfmacht die Runde. Die CDU hat bei der Europawahl ihr historisch schlechtestes Ergebnis eingefahren –nach dem ersten von Kramp-Karrenbauer als Parteichefin verantworteten Wahlkampf. Es ist einiges schief gegangen. Genervte CDU-Politiker fassen es so zusammen: In der Debatte um die EU-Regeln zu Internet-Uploadfilternsei die Einordnung eines CDU-Politikers hängen geblieben, die Protest-Bewegung könne zum Teil gekauft sein. Auf die Schüler-Klima-Demonstrationen habe es aus der CDU vorallem die Erinnerung an die Schulpflicht gegeben. Und als in der Woche vor der Wahl CDU-kritische YouTube-Videos auftauchten, reagierte die CDU erst nicht, dann mit der Ankündigung eines Videos, dann mit dem Rückzug der Ankündigung und schließlich mit einem langen offenen Brief. „Ein kommunikatives Desaster“, analysiert Präsidiumsmitglied Mike Mohring. Dabei war Kramp-Karrenbauer zunächst ganz gut gestartet. Siehatte sich um ihre Gegner bemüht. „Ich wurde nicht von allen, aber für alle gewählt“, sagte sie. Die Kritiker von Angela MerkelsFlüchtlingspolitik besänftigte sie,indem sie das zum Symbol geronnene Wort „Grenzschließung“ aussprach. Aufregung aber gab es über eine abfällige Bemerkung über Toiletten für Intersexuelle. Kramp-Karrenbauer entschuldigte sich nicht. Derkonservative Parteiflügel jubelte. Der Versuch, sich von der mehr lavierenden Fördererin und Vorgängerin Angela Merkel abzugrenzen, schien gelungen. Es folgte die Phase zwei –die der Unsicherheit und des Lavierens. Die Klima-Kinder demonstrierten. Kramp-Karrenbauer verschob das Klimakonzept der CDU nach die Wahl und versuchte in gewundenen Statements eine Position zu finden, mit der sie nicht aneckt –vor allem nicht bei ihremWirtschaftsflügel. Kramp-Karrenbauer ist angeschlagen. Aber die Zeichen stünden nicht auf Sturm, heißtesinder Union. „Sie ist keine schlechte Parteivorsitzende“, sagt ein CDU-Vorstandsmitglied, das sie nicht gewählt hat. „Aber sie muss aufpassen.“ Es könne sein, dass sich langsam ein Trend gegen sie verfestigt.„Die Gefahr ist da.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Dienstag demonstrativ hinter Kramp-Karrenbauer gestellt. Die Debatte über deren Äußerungen zum Internet sei „Unsinn“, sagte sie. „Jeder, den ich kenne in der CDU – oder jede –setzt sich für Meinungsfreiheit als ein Grundprinzip ein.“ Am Wochenende will Kramp-Karrenbauer auf einer Klausurtagung mit der Parteispitzeüber den Kurs reden. Es soll auch noch mal um den Umgang mit sozialen Medien gehen. Politik Seite 5, Leitartikel Seite 8 OSTKREUZ/SEBASTIAN WELLS In Berlin hört Philip Morris auf zu rauchen Der Tabakkonzern streicht 950 Jobs Der Tabakkonzern Philip Morris mit den Marken Marlboro, L&M und Chesterfield stellt die Zigarettenproduktion in seinem Werk in Berlin mit 950 Beschäftigten ein. Geplant sei dies zum 1. Januar 2020, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Grund sei ein „verändertes Konsumentenverhalten“, es erfordere eine „deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten“. Für 950 Beschäftigte strebe Philip Morris „faire und sozialverträgliche Lösungen“ an. Die Gewerkschaft NGG kritisierte den „Kahlschlag“ als „unverantwortlich“. Philip Morris erklärte, der Absatz von versteuerten Zigaretten gehe in Europa zurück. Es gebe erhebliche Überkapazitäten. Daher solle die Zigarettenproduktion in Berlin eingestellt werden. 75 Mitarbeiter sollen dort noch Volumentabak, ein Zwischenprodukt der Zigarettenproduktion, herstellen. 25 Arbeitsplätze sollen außerdem in dasWerk in Dresden und in die Verwaltungszentrale in Gräfelfing bei München wechseln. DieGewerkschaft Nahrung-Genuss- Gaststätten(NGG) protestierte: „Das Werk Berlin von Philip Morris arbeitet hochprofitabel, schreibt seit Jahren schwarze Zahlen.“ Philip Morris handle sozial unverantwortlich. Die Entscheidung zur Schließung sei getroffen worden, ohne Alternativen zu prüfen, wie trotz sinkender Nachfrage innovative Lösungen zum Erhalt der Arbeitsplätze inBerlin gefunden werden könnten. Der NGG- Vizevorsitzende Freddy Adjan bezeichnete aber gleichzeitig die Ankündigung des Unternehmens als „völlig unglaubwürdig“, eine„rauchfreie Zukunft“ zu verwirklichen und mit dem Tabakerhitzer IQOS „an seiner starken Präsenz in Deutschland“ festhalten zu wollen. Berlin Seite9 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 31022 rathauscenter-pankow.de Für die ganze Rasselbande. Buntes Programm zum Kindertag am 31.5. und 1.6.

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