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Berliner Zeitung 29.06.2018

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EU-Asylgipfel: Merkel kämpft, und Italien droht mit Veto – Seiten 4und 8 Gerhard Richter im Barberini Seite 23 16°/28° Fast überall Sonne Wetter Seite 2 www.berliner-zeitung.de Freitag,29. Juni 2018 Nr.149 HA -74. Jahrgang Auswärts/D*: 1.60 €–Berlin/Brandenburg: 1.50 € Zurück in die Zukunft: Unsere Traumelf 2020 Seite 9 Durchbuchstabieren: Das WM-Alphabet Seite 11 Aufmunterung: Fünf Vorteile desAusscheidens Seite 15 DIE WM-KOLUMNE Faszination des Scheiterns VonFrank Junghänel Wir schauen uns Fußball an, weil es etwas anderes ist als unser Leben. Wir wollen das Unerhörte, das Theater,das Drama. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, ist der Fußball ganz bei sich und damit auch bei uns. Insofern hatte ich bei der Partie gegen Südkorea einen schönen Nachmittag. Denn dieses Spiel nahm selbst für mich, der ansonsten immer ein schlechtes Gefühl hat, einen überraschenden Verlauf. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. In diesem Fall war es das Entsetzen, das dem Ereignis seine Intensität verlieh. Denn wenn man mal ehrlich ist und kein„Fan“, wohnt auch dem Scheitern eine gewisse Faszination inne. Egal wie sich die Akteure stilisieren, frisieren und mit ihren Tattoos maskieren. Auf dem Platz fällt am Ende jede Verstellung. Wo sonst in unserer komplett durchinszenierten Welt liegen die Gefühle derartbloß –und das in aller Öffentlichkeit. Angst, Wut, Entsetzen, Fassungslosigkeit ,Kummer. Fußball ist ein Schauspiel, das keinen Regisseur benötigt (höchstens im Mittelfeld). DerMann, der dem Scheiternein Gesicht gab, war für mich Thomas Müller.Was für eine tragische Figur. Jener Thomas Müller,dem der Guardian einmal die Ausstrahlung eines Zahnarztes bescheinigt hatte, was natürlich als Kompliment seiner unorthodoxen Spielweise gemeint war. Müller also, der selbst dann noch eine große Klappe hatte, wenn auch im Kleinen schon lange nichts mehr klappte.Thomas Müller ging als das personifizierte Aus vom Feld der Träume, weinend. Warum essogekommen ist, werden die Analysten jetzt tagelang erörtern. All jene, die schon immer alles gewusst haben. Aber was sagt das schon? Werkann mir erklären, warum Thomas Müller diesmal entweder sich selbst oder seinen Mitspielern imWeg gestanden hat? Warumder Ball konsequent auf die falsche Seite seines Kopfes gefallen ist? Dorthin, wo er mit ihm nichts anfangen konnte. Nicht ein-, zweimal, sondern immer. Was war da los? Das ist doch keine Frage der Motivation. Thomas Müller hatte seine Zeit, und die ist jetzt vorbei. Vielleicht ist es so einfach. Frank Junghänel sieht dem weiteren Turnierverlauf gespannt entgegen. Am Boden Die DFB-Elf landet auf dem Frankfurter Flughafen. Die Enttäuschung über das vorzeitige WM-Aus ist Thomas Müller immer noch anzusehen. Ob Bundestrainer Joachim Löw weitermacht, entscheidet sich nächste Woche. Seite 3 Aufklärung an der Kennedy-Schule Schulleitung will vom antisemitischen Mobbing gegen einen Schüler zunächst nichts erfahren haben VonMartin Klesmann Die renommierte deutschamerikanische John-F.- Kennedy-Schule in Zehlendorf kämpft nach antisemitischen Vorfällen um ihren guten Ruf. Brian L. Salzer, Managing Director der Schule, sagte am Donnerstagmorgen in einer eilig organisierten Pressekonferenz zunächst, dass das Schulklima eigentlich von Respekt und Toleranz geprägt sei. Sein deutscher Schulleiterkollege Steffen Schulz räumte aber ein, dass das Mobbing gegen einen Neuntklässler in der Schule zunächst wohl nicht ernst genug genommen worden sei. Beide Schulleiter kündigten an, das genaue Ausmaß der Vorfälle aufzuklären. Für den betroffenen 15-jährigen Neuntklässler jedenfalls müssen es schlimmste Erfahrungen gewesen sein. Seit dem bislang letzten Übergriff vonMitschülernAnfang Juni ist das Mobbingopfer krankgeschrieben und hat seine Schule seither nicht mehr betreten. Damals hatten ihn Mitschüler nach Informationen der Berliner Zeitung mit Stiften beworfen und wollten ihn, den etwas dicklichen Jungen, zwingen, sich zu bücken und die Stifte zurückzugeben. „Sport ist gut für dich“, sollen sie dazu gerufen haben. Als er im Unterricht dann auch noch im Beisein eines Lehrers geschubst wurde,hatte er endgültig keine Kraft mehr. Zuvor schon hatten Mitschüler den Neuntklässler –sein jüdischer Vater stammt aus NewYork, lebt aber schon lange in Berlin –antisemitisch beleidigt. Sie tyrannisierten den Neuntklässler mit Zetteln, auf denen Hakenkreuze aufgemalt waren. Ein solcher Zettel wurde ihm auf dem Rücken angeheftet. Und inder Umkleidekabine der Turnhalle blies ein Mitschüler ihm den Rauch aus einer E-Zigarette ins Gesicht –verbunden mit der Aufforderung, er möge sich an seine vergasten Verwandten erinnern. Beide Vorfälle bestätigten die Schulleiter. Der Junge sei wohl über mehrere Monate auch homophob beleidigt und selbst wegen seines Körpergewichts grob beschimpft worden, bestätigten Schulaufsichtsbeamte der Berliner Zeitung. Auch weitere antisemitische Bedrohungen soll es gegeben haben. Selbst seinen Elternhat der Junge offenbar spät darüber berichtet. Erst nach dem Vorfall mit den Stiften Anfang Juni wiesen einzelne Mitschüler ein Beratungsteam der Schule auf das Mobbing hin, hieß es am Donnerstag in der Schule.Dorthabe man ein Klassengespräch –moderiertvon Zwölftklässlern – angeregt. Die Elternaber hatten sich da schon an Saraya Gomis, die Diskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung, gewandt. Vondort erst erfuhr offenbar die Schulleitung von den Vorgängen. Am Donnerstag und an diesem Freitag würden die Vorgänge in allen Klassen der Schule unter dem Thema „Diskriminierung“ besprochen, sagten beide Schulleiter. An dieser deutsch-amerikanischen Spezialschule ist bereits der Freitag der letzte Schultag vor den Sommerferien. Unter den Mitschülern hat die Schulleitung offenbar zwei Personen als mutmaßliche Haupttäter identifiziert und bei der Polizei angezeigt. Gespräche mit ihnen und den Eltern haben demnach bereits stattgefunden. Eine Schulaufsichtsbeamtin stellte klar, dass das Mobbing nicht wie in anderen Fällen von muslimischen Schülernausgegangen sei. Zur Herkunft der am Mobbing beteiligten Schüler wollte sie nichts sagen. Dem Vernehmen nach soll es sich um Deutsche und Amerikaner,einen iranischstämmigen Schüler und auch eine jüdische Mitschülerin handeln. DasMädchen soll dem Neuntklässler wie berichtet vorgeworfen haben, im Nahostkonflikt zu viel Verständnis für die Palästinenser aufzubringen. Deshalb seierkein guter Jude.Das Mobbingopfer denkt jetzt an einenSchulwechsel. Kommentar Seite8 DPA/INA FASSBENDER Viele Flugausfälle bei Eurowings Zahl der Annullierungen ist im ersten Halbjahr gestiegen Die Kritik in den sozialen Medien schwankt zwischen Komik und Verzweiflung: „Eurowings ist die neue Bahn“, schreibt einer. Ein anderer Fluggast forderte gar die untergegangene Air Berlin zurück. Der Grund für den Unmut sind massenhaft Flugausfälle und Verspätungen bei der Tochter der Lufthansa. Zur sogenannten Eurowings- Gruppe gehören die Fluggesellschaften Germanwings und Walter. Nach Recherchen der Berliner Zeitung gab es vom1.Mai bis zum 15. Juni in Berlin-Tegel 548 Germanwings-Verbindungen, von denen 45 annulliert wurden –mehr als acht Prozent Ausfall. Bei Walter lag die Quote bei etwas mehr als vier Prozent, bei Eurowings selbst gute fünf Prozent. Im halben Jahr davor lagen die Ausfälle bei zwei bis drei Prozent. Schnelle Expansion Dauerstreiks und Unwetter macht die Fluggesellschaft für die Probleme verantwortlich. Aber auch die schnelle Expansion nach der Air- Berlin-Pleite ist offenbar noch nicht verdaut. Aus der Konkursmasse des Berliner Unternehmens, lange Zeit die Nummer zwei hinter dem deutschen Marktführer Lufthansa, hatte Eurowings 77 Maschinen und den größten Teil des Personals übernommen. Air Berlin war eine der spektakulärsten Pleiten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Im August 2017 meldete das Unternehmen, das 1978 gegründet worden war, Zahlungsunfähigkeit. Auch eine Bundesbürgschaft rettete das Unternehmen nicht mehr.Imanschließenden Bieterverfahren um Flugzeuge und Verbindungen setzte sich unter anderem Lufthansa durch. (BLZ) Tagesthema Seite2 Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501504 51026 dtgv.de TESTSIEGER Goldankauf- Filialisten Test 02/2016 6Anbieter

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