Aufrufe
vor 1 Jahr

Berliner Zeitung 29.06.2019

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Frau
  • Pets
  • Juni
  • Zeitung
  • Zeit
  • Deutschland
  • Mann
  • Menschen
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

1939gründeten zwei deutsche EmigranteninNew York eine Plattenfirma –sie prägtden Jazz bisheute. Zum 80.Geburtstagvon Blue Note Records SEITE 6 Es hat schon einen Grund, warum die gesunde Hülsenfrucht nicht nur in Gärten, sondern auch durchMärchenrankt. Eine Liebeserklärung SEITE 7 Der Sommer bringt Hitze –und so manche Stilsünde mit sich. Ein Wegweiserdurch die größten modischenVerirrungen SEITE 10 Klima und Wandel –was die Berliner für den Schutz der Umwelt tun – Berlin Seite 9 Heute mit Service und Immobilien 16°/31° Heiter und heiß Wetter Seite 16 AM WOCHENENDE www.berliner-zeitung.de Sonnabend/Sonntag,29./30. Juni 2019 Nr.148 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 2.00 € Berlin/Brandenburg: 1.80 € Im Magazin: MAGAZIN Schau an! Schon 20 Jahre Thomas Ostermeier steht seit zwei Jahrzehnten an der Spitze der Schaubühne. Ein Gespräch über Verantwortung und Wunder Feuilleton Seiten 26 und 27 BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK, VOLKMAR OTTO BirthdayBlues Einlegendäres Plattenlabel wird80 Seite 6 Gutes Gewächs Eine Liebeserklärung an die Bohne Seite 7 TatortTanga Dieschlimmsten Sommermodesünden Seite 10 www.atala.de Expedition nach Naschhausen ReportSeiten 2und 3 Hast du Töne Union zum Start gegen Leipzig SportSeite 24 Zack die Bohne Der neue Roman von Javier Marías Seite 8 Zusammen ist man weniger allein Die GeschwisterKatharina Wackernagel und JonasGrosch haben sich lange eine Wohnung geteilt. Heute machensie gemeinsam Filme. Im Interviewerzählen sie, warum SEITEN 2&3 Zeigt her eure Füßlinge BERLINER ZEITUNG, MARKUS WÄCHTER Politikmenschen gehen nun mal nicht früh ins Bett, sie müssen noch arbeiten, sich kümmern, immer ist irgendetwas zu dringend, zu wichtig, noch unerledigt, um zu schlafen. Eine Krise muss abgewendet, ein Krieg verhindert, zwischendurch ein bisschen das Klima gerettet werden. Dasist das Bild, an das wir uns gewöhnt haben, wenn sich ein Gipfeltreffen in Brüssel bis in die späten Nachtstunden erstreckt oder Koalitionsverhandlungen in Berlin erst am frühen Morgen mit einem vorläufigen Kompromiss enden. Dann treten müde Politiker vor müde Reporter, und an der äußeren Erscheinung, an der Anzahl der Augenringe oder Knitterfalten im Hosenanzug, lässt sich schon mal auf die innere Verfasstheit schließen. Im politischen Nachtschichtbetrieb wird umFußnoten und Nachkommastellen gerungen, es ist ein Ringen um Argumente, die Deutungshoheit, aber auch ein Kampf gegen sich selbst, den eigenen Körper, die Müdigkeit, ohne Rücksicht auf Verluste –die Gesundheit. Denn auch daran haben wir uns gewöhnt: an stets verfügbare, sendungsbewusste, topleistungsorientierte, bis knapp vor dem Umfallen belastbare Politiker.Das ist Teil der Jobbeschreibung. Und gleichzeitig eine Inszenierung für die Öffentlichkeit. Im Kreml brannte ja auch immer Licht. Wenn Politikmenschen plötzlich nicht mehr so können, wie sie wollen, hier von ihrer Normalform abweichen, dort einen Termin zu viel absagen oder auch nur einen Ansatz von körperlicher Schwäche zeigen, tauchen sofort Fragen auf. Hat er sich übernommen? Hat sie etwas zu verheimlichen? Die Gesundheit ist keine private Angelegenheit mehr, sondern ein Politikum, ein Thema von öffentlichem Interesse, aber ein eher unpräziser Gradmesser für die Handlungsfähigkeit – etwa einer Kanzlerin. Unddann wirdein Zittern zum Beben der anderen. Kann der Klimawandel schuld sein? Angela Merkel hat zweimal gezittert innerhalb von zwei Wochen. Erst beim Empfang des neuen ukrainischen Präsidenten vor dem Kanzleramt. Hinterher sagte sie:„Ich habe inzwischen mindestens drei Gläser Wasser getrunken, das hat offensichtlich gefehlt.“ Unddann noch mal am vergangenen Donnerstag im Großen –und nicht mehr ganz so heißen – Saal von Schloss Bellevue, als der Bundespräsident die neue Justizministerin ernannte. Merkel stand neben Frank-Walter Steinmeier, es schüttelte sie am ganzen Körper,ihre Lippen waren ein dünnes Strichlein, ihr Blick klebte starr am Rednerpult, sie verschränkte die Arme,wie man es bei Kälte tut. Oder in einem Satz: Es schien Merkel schlecht zu gehen. Ihr Sprecher bestand später darauf: „Der Bundeskanzlerin geht es gut.“ Das erste Zittern soll das zweite bedingt haben, „ein psychologisch- Das Beben der anderen Wenn die Bundeskanzlerin zittert, wird aus dem Privaten ein Politikum. Über den wahren Gesundheitszustand erfährt man wenig –das hat Tradition. Über den Umgang mit Schwächen VonPaul Linke „Dass es der mächtigsten Politikerin in der demokratischen Geschichte in Krisenzeiten nicht gut geht, gibt Anlass zur Sorge. Ihr Unwohlsein könnte zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen.“ Der US-Sender CNN ist mehr als besorgt um die deutsche Kanzlerin. verarbeitender Prozess“ gewesen sein, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Grünenchefin Annalena Baerbock vermutet einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Kanzlerinnengesundheit. In der Gerüchteküche sind alle Kochplatten besetzt. Die Fragen, die jetzt gestellt werden, zunächst die menschliche: Wie geht es der Bundeskanzlerin wirklich? Unddie politische: Ist ein doppelter Zitteranfall nur Zufall oder zerfällt gerade das Bild vonder unerschütterlichen Angela Merkel, die alles wegsteckt, kaum Schlaf braucht und in Nachtsitzungen noch jeden Gegner niederringt mit ihrer Beharrlichkeit? In ihrem Terminkalender standen jedenfalls kein Wellnesswochenende in der Uckermark, sondern ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der G20 in Osaka von Freitag bis Sonnabend und bereits am Sonntag eine außerplanmäßige Runde in Brüssel, um die künftigen Spitzenpositionen in der EU zu klären. Dürfte wieder spät werden. EinRecht aufPolitikerschlaf Über den tatsächlichen Gesundheitszustand von Politikern erfährt man nicht viel –oder einiges viel später. Helmut Kohl beschrieb erst in seinen Memoiren, wie er sich 1989 auf dem Bremer Parteitag quälte; aus Angst über ein Misstrauensvotum zu stürzen, hielt er die Prostataschmerzen aus. Konrad Adenauers Lungenentzündung wurde zunächst auf die Stufe Erkältung abgewertet. Nach seinem Rücktritt erfuhr die Öffentlichkeit, dass Willy Brandt unter Depressionen litt, tagelang nicht ansprechbar war. Ein Staatsgeheimnis auch, wie oft Helmut Schmidt bewusstlos in seinem Büro aufgefunden wurde. Horst Seehofer, der 2002 aufgrund einer Herzmuskelentzündung zwischen Weiterleben und Sterben stand, sagte drei Jahre später: „Es gehört nicht zum Bild eines Politikers, krank und schwach zu sein.“ Vielleicht, könnte man einwenden, gehörteseinfach nicht zum Bild eines Mannes,der daran krankt, Schwächen zugeben zu können. Dass Politik ein anstrengendes Business ist, bestreitet ja niemand. Schier jedes Füllwortimrelativierenden Relativsatz wird auf Gehalt und Glaubwürdigkeit geprüft und im Internet auf Wiedervorlage gespeichert. Politiker sind Meister der Selbstkontrolle, die absolute Härte, was Disziplin angeht, im Grunde immer im Wahlkampfmodus. Zweifel sind nicht erlaubt, mit Krankengeschichten wirdman ein weiches Ziel –sowar das früher. Es gab in den letzten Jahren Gegenbeispiele in der Politik, wie man Stärke zeigen kann im Umgang mit vermeintlichen Schwachstellen. Die Ministerpräsidentin von Rheinland- Pfalz Malu Dreyer hat offen über Multiple Sklerose gesprochen, andereKollegen über Krebs oder Burnout. An dieses Bild sollten wir uns in Zukunft gewöhnen. Und für das Rechtauf Politikerschlaf eintreten. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499 Leser-blz@dumont.de; Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501801 61026

2019

2018