Aufrufe
vor 2 Jahren

Berliner Zeitung 30.01.2018

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Deutschland
  • Menschen
  • Zeitung
  • Vergangenen
  • Januar
  • Hilfe
  • Zeit
  • Eltern
  • Berlin.de

Berliner Zeitung

Roboter aus Bernau helfen, das Programmieren zu lernen – Seite 23 . . Dienstag, 30. Januar 2018 Nr.25HA-74. Jahrgangwww.berliner-zeitung.de 1.50 € Berlin/Brandenburg -1.60 € Auswärts/D* ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... M O R A L Die Frau, die Spanien spaltet VON MARTIN DAHMS María Elósegui ist die Beste, findet sie selbst. „Ich habe gewöhnlich einen besseren Lebenslauf als meine konkurrierenden männlichen Kollegen“, sagte sie in einem Interview der spanischen Zeitung El País. Nein, sie sei keine Quotenfrau, aber wenn man sie so nennen wolle, habe sie auch nichts dagegen. Elósegui ist von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zur Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gewählt worden. Wobei sie zwei Männer ausstach. Eine Frau am männerdominierten Menschenrechtsgerichtshof: Das kam in Spanien als gute Nachricht an. Bisdie linke Netzzeitung eldiario.es den Lebenslauf von Elósegui genauer unter María Elósegui, die Lupe nahm. Und erzkonservative überraschende Dinge Richterin zum Vorschein brachte. Die 60-jährige Elósegui ist Professorin für Rechtsphilosophie an der Universität Zaragoza. AusGründen, die nur ihr bekannt sind, hat sie sich immer wieder mit der menschlichen Sexualität befasst. Und ist dabei zu einem bemerkenswerten Schluss gekommen: „Wer sein sexuelles Verhalten im Einklang mit seinem biologischen Geschlecht aufbaut und verwirklicht, entwickelt einen ausgewogenen und gesunden Lebenswandel. Und wer darauf beharrt, gegen seine Biologie anzugehen, wird verschiedene Pathologien entwickeln. Dasist klar.“ So steht es auf der Opus- Dei-nahen Website almudi.org. Die Reporter von eldiario.es wollten mit Elósegui über diese und andere Perlen aus ihrem Munde reden, Elósegui aber sprach lieber mit El País.„Ichglaube nicht, dass ich die Sätze, die mir zugeschrieben werden, gesagt habe“, erklärtsie da.„Sie werden sie verdreht haben.“ Im Netz lässt sich nun aber vieles nachlesen und auch nachhören, was die künftige Menschenrechtsrichterin im Laufe der vergangenen Jahre gesagt hat. Etwa, dass die Transsexualität „eine Krankheit, ein Leiden, eine Pathologie,eine Tragödie“ sei. Auf die Frage, obauch die Homosexualität eine Pathologie sei, antwortet Elósegui im El-País-Interview ausweichend: „Nein, ich glaube nicht, dass die Homosexualität Pathologien verursacht.“ Aber an die homosexuelle Treue glaubt sie nicht, das schreibt sie in einem Buch aus dem Jahr 2002: Das „homosexuelle Verhalten“ sei, „wie man weiß, viel zwanghafter und führt dazu, eine große Zahl von Partnern zuhaben“. Skeptisch äußert sie sich auch über den Gebrauch von Kondomen. Und Sexualkunde für Jugendliche solle es nur mit dem Einverständnis der Elterngeben. Elósegui ist mutmaßlich Mitglied der erzkonservativen katholischen Laienorganisation Opus Dei. Das sei aber eine Frage,„die zum Privatleben gehört“, sagt sie im El-País- Interview. Sie glaubt trotzdem, eine gute Richterin sein zu können: Sie werde sich an die geltenden Normen halten, „unabhängig davon, was ich denke“. Etliche spanische Politiker und Aktivisten denken anders und haben sie zum Rückzug aufgefordert. Alberto Garzón vonderVereinten Linken fasste das Unbehagen so zusammen: „Sie spiegelt nicht wider, was Spanien ist.“ Rätsel, Sudoku 14, 25 ................................................................................................................. Kleinanzeigen 14 ................................................................................................................. Berliner Verlag GmbH,10171 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr 10-16 Uhr), Fax–499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27 -50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de ................................................................................................................. 4 Postvertriebsstück A6517 /Entgelt bezahlt 194050 501504 21005 € € Deutschland holt bei Pisa auf Immer mehr sozialschwache Schüler erreichen solide Leistungen. Mehr als ein Drittel kommen auf ein mittleres Kompetenzniveau. OECD: Gemeinsames Lernen wirke sich für alle positiv aus V ON TOBIAS PETER Woran muss sich ein Bildungssystem messen lassen? Natürlich geht es um gute Leistungen an der Spitze. Aber nicht zuletzt auch darum, ob sozial Benachteiligte ordentliche Leistungen in der Schule erreichen. Deutschland ist hier deutlich besser geworden, wie eine Sonderauswertung der jüngsten Pisa-Studie von2017 zeigt. 32,3 Prozent der sozial besonders benachteiligten 15-Jährigen in Deutschland erreichen demnach mittlerweile Kompetenzstufe 3 im Pisa-Test, dem wichtigsten internationalen Bildungsvergleich. Bei Kompetenzstufe 3 – die beste ist die Stufe 6–handelt es sich nicht um herausragende Ergebnisse. Aber es geht um das, was nach Einschätzung der Forscher nötig ist, um später gut am modernen Berufsleben teilnehmen zu können. 2006 erreichte nur ein Viertel der benachteiligten Schüler in Deutschland dieses Niveau. Deutschland liegt, was die Stärkung der Schwächsten angeht, jetzt über OECD-Durchschnitt. In der Sonderauswertung der Pisa-Daten, die mit Förderung der Vodafone-Stiftung erstellt wurde, gingen die Forscher insbesondere auch der Frage nach, unter welchen Bedingungen die Förderung von Schülern mit schwierigen Startbedingungen besonders gut gelingt. Oder, wie OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher es ausdrückt: Waskostet Berlin? Waswurde teurer,was billiger? So überraschend haben sich die Preise in der Hauptstadt im vergangenen Jahr entwickelt. Seite 10 € € „Wie kann es gelingen, den Teufelskreis voneinem ungünstigen sozialem Umfeld, schwachen Schulleistungen und schlechten Chancen am Arbeitsmarkt zu durchbrechen?“ Ein zentrales Ergebnis: Diese Jugendlichen profitieren vongut durchmischten Lerngruppen. Doch sind solche Gruppen womöglich ein Nachteil für stärkere Schüler? Nein, sagt Schleicher. Gemeinsames Lernen wirke sich für alle positiv aus. DerChef der Pisa-Studie lobt, dass in Deutschland Ganztagsschulen ausgebaut und Hauptund Realschulen enger miteinander verzahnt worden seien. Nach dem Schock des katastrophalen Abschneidens bei der Pisa-Studie im Jahr 2001 habe Deutschland viel getan, sagt Schleicher. Zuletzt sei aber die Dynamik „ziemlich abgeflacht“. Undnoch einen Hinweis hält Schleicher für die bildungspolitische Diskussion bereit. Es gehe nicht nur darum, wie viele Ressourcen zur Verfügung stünden, sondern auch darum, dass sie richtig eingesetzt würden. „Ein geordnetes und lernorientiertes Klima im Klassenzimmer ist ein entscheidender Faktor hinter dem Schulerfolg bildungsferner Schüler“, sagt er. Dazu sei es wichtig, dass der Schulleiter einen motivierenden Führungsstil habe und einzelne Lehrer nicht mit schwierigen Klassen alleingelassen würden. Bemerkenswert ist übrigens: Im internationalen Vergleich Pisa-Studie Wie viele benachteiligte Kinder sind bei Pisa erfolgreich? Ausgewählte Länder, in Prozent 2015 Hongkong Finnland Niederlande Deutschland Norwegen Dänemark Polen Großbrit. China* Schweden Spanien Russland Frankreich USA Italien Tschechien Israel Griechenland Türkei Rumänien 7,2 5,5 € 22,3 20,4 15,8 15,1 32,9 32,3 31,7 31,1 30,0 28,2 25,9 25,0 24,8 24,5 24,1 20,2 39,1 53,1 Indonesien 1,1 *Peking, Shanghai, Jiangsu u. Guangdong BLZ/GALANTY; QUELLE: AFP € macht die Klassengröße keinen entscheidenden Unterschied dafür aus, obsozial benachteiligte Schüler ein ordentliches Niveau erreichen. Schleicher verweist auf Shanghai. Dort unterrichten Lehrer deutlich größere Klassen. Dafür müssen sie weniger Stunden geben. Sie haben mehr Zeit für individuelle Förderung außerhalb des Unterrichts, regelmäßige Treffen mit den Eltern und Unterrichtsbesuche bei Kollegen. Wer aber gilt in der Auswertung überhaupt als sozial benachteiligter Schüler? Im vergangenen Pisa-Test haben die Schüler auch Fragen zu ihrer Herkunft beantwortet. Dabei wurden Bildung und Beruf der Eltern, aber auch die Verfügbarkeit von Büchern abgefragt. Gebildet wurde ein sozioökonomischer Index. Das untere Viertel gilt als benachteiligt. Eines ist –trotz positiver Tendenzen –klar: Bildungsgerechtigkeit herrscht in Deutschland noch lange nicht. Es gibt zwar mehr benachteiligte Schüler,die ordentliche Ergebnisse erreichen. Aber zu wenige schaffen sehr gute Ergebnisse. Deutschland hat in der Bildungspolitik in den vergangenen Jahren ein Netz gespannt, durch das weniger Benachteiligte hindurchfallen als zuvor. Aber es fehlt, bildlich betrachtet, noch immer am Trampolin, das es denjenigen mit schlechten Startchancen ermöglicht, bei den Leistungen abzuheben. BERLINER ZEITUNG/ISABELLA GALANTY Merkel ist empört über Menschentests Versuche mit Abgasen setzen Autoindustrie unter Druck V ON TIMOT SZENT-IVANYI Die deutschen Autohersteller haben mit ihrem Versuch, das Image des Dieselmotors auch mit Hilfe von Experimenten an Menschen aufzubessern, für Empörung und Fassungslosigkeit gesorgt. „Absurd“, „abscheulich“, „widerlich“ – so reagierten Politiker, Gewerkschafter oder Belegschaftsvertreter. Am Montag herrschte allerdings auch allgemein Ratlosigkeit darüber, obund wie das Verhalten geahndet werden kann und welche Konsequenzen die Politik ziehen sollte, wozu die laufenden Koalitionsverhandlungen Gelegenheit bieten könnten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Schadstofftests. „Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen“, sagte DPA Regierungssprecher Steffen Sei- übt harte Kritik. Angela Merkel bert. „Die Empörung vieler Menschen ist absolut verständlich.“ Den Aufsichtsräten der Auftraggeber komme nun eine besondere Verantwortung zu, kritische Fragen auch zur Zielsetzung der Tests zu beantworten. DieAutokonzerne hätten Schadstoffemissionen zu begrenzen und Grenzwerte einzuhalten und nicht die vermeintliche Unschädlichkeit zu beweisen. Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) kritisierte die Tests scharf. Eine Sprecherin Schmidts sagte, es gebe „keinerlei Verständnis für solche Tests zum Schaden von Tieren und Menschen, die nicht der Wissenschaft dienen, sondern ausschließlich PR-Zwecken“. DieUntersuchungskommission des Ministeriums zum Abgasskandal solle in einer Sondersitzung prüfen, ob es weitere Fälle gibt. Neben der Autoindustrie müsse auch die Wissenschaft ihre Rolle klären, verlangte Umweltministerin Barbara Hendricks. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt, nannte die Tests absurd und widerlich. Und auch im Unternehmen gibt es Kritik: VW-Betriebsratschef BerndOsterloh verlangte personelle Konsequenzen, ohne jedoch Namen zu nennen. Es seien ethisch-moralische Grenzen überschritten worden, sagte er.Auch VW-Aufsichtsratschef Dieter Pötsch verlangte Aufklärung. „Im Namen des gesamten Aufsichtsrates distanziere ich mich mit allem Nachdruck von derlei Praktiken“, sagte er. Der Aufsichtsrat werde sich mit dem Thema beschäftigen. Das wissenschaftliche Institut in Aachen, an dem Stickstoffdioxide an Menschen untersucht wurden, betonte am Montag, die Versuche hätten keinen Bezug zum Dieselskandal gehabt, Grenzwerte für Menschen seien dabei nicht überschritten worden. Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 WETTER BERLIN:VieleWolken, wenig Sonne, aber trocken. Höchsttemperatur 7Grad, nachts 3Grad. Seite 2

2019

2018