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Berliner Zeitung 30.07.2019

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Warum alle Politiker jetzt Klimaschützer sein wollen – Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8 Ostermeier inszeniertin Salzburg Seite 21 20°/25° Schauer und Gewitter Wetter Seite 2 Der Attentäter Anis Amri und das FBI Berlin Seite 12 www.berliner-zeitung.de Preis des Preiskampfs: Billigflieger in der Krise Wirtschaft Seite 7 Dienstag,30. Juli 2019 Nr.174 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Berlins Verkehrspolitik – ideologisch und unsozial? Berlin Seite 10 Gaming Der Sohn will immer nur spielen VonJörg Hunke Das könnte die Lösung sein, um den Familienfrieden wieder herzustellen: mal eben drei Millionen Dollar bei einem Computerspiel-Wettbewerb abzocken, den Eltern versprechen, das Geld sorgsam anzulegen, und alles wäregut. So hat das jedenfalls der 16 Jahre alte Kyle Giersdorf amWochenende in New York gemacht. Giersdorf ist der erste Gewinner im Einzelwettbewerb einer Fortnite- Weltmeisterschaft. In New York setzte der US-Amerikaner sich gegen 99 an- Kyle Giersdorf hat drei Millionen Dollar gewonnen. dere Spieler durch. Er sicherte sich den Titel und das Preisgeld von drei Millionen Dollar. Es ist angeblich das höchste Preisgeld, das ein Einzelspieler in einem einzelnen Videospiel-Wettbewerb jemals gewonnen hat. Beider Siegerehrung war jedenfalls eine glückliche Familie zu sehen. Kyle Giersdorf kommentierte den Triumph mit einer Coolness, die nur Jugendliche kennen: „Emotional empfinde ich im Moment nicht wirklich viel. Ich ahne nur, dass das, was hier passiert ist, mein Leben für immer verändern wird.“ Das ist gut möglich, denn weltweit gibt es 250 Millionen registrierte Fortnite-Spieler. Giersdorfs Bekanntheit ist also riesig, vergleichbar mit der Zahl der Fans, die früher Platten von Superstars wie Elvis Presley, Michael Jackson oder Madonna kauften. Wasdie Spieler bei Fortnite weltweit fasziniert, ist das Erlebnis, gemeinsam oder alleine eine Mission in der tödlichen Fantasiewelt zu bestehen. WasPädagogen daran stört: Die Spielidee ist zynisch –ein gnadenloser Kampf, bis nur noch einer lebt.Vor allem Kindernund Jugendlichen fällt es schwer, sich zu verabschieden, denn nach dem Todgeht es schnell in die nächste Runde.Wegen der Suchtgefahr wirdauch von„Heroin aus der Steckdose“ gesprochen. Allerdings – das zur Beruhigung –ist die Zahl der Computerspielsüchtigen in Deutschland seit Jahren nahezu konstant. Kyle Giersdorf hat schon im Alter von drei Jahren angefangen mit Computerspielen, inzwischen spielt er unter seinem Künstlernamen „Bugha“ acht bis zehn Stunden pro Tag. Er hat alles riskiert, geht nicht mehr zur Schule,Gaming ist sein Beruf. Underist jetzt ein Jung-Star wie früher Boris Becker oder Steffi Graf. Wasdie Frage aufwirft: Istdas eigentlich Sport, was Giersdorf macht? Darüber streiten Funktionäre und Gelehrte. Bei der Siegerehrung in New York beeindruckte Giersdorf – mit Turnschuhen und in einen leichten schwarzen Trainingsanzug gekleidet –durch seinen professionellen und respektvollen Auftritt. Er kann der überzeugende Botschafter einer neuen Sportwelt werden. Das neue Recht der Fäuste Zurückschlagen so wie jüngst ein Fußballer und ein Rapper – darf man das? Feuilleton Seite 19 Mit Russland reden Ostdeutsche Regierungschefslehnenungeachtetder Gewalt gegenDemonstranten in Moskau Sanktionen ab VonJens Blankennagel Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind besondere. Geprägt wurden und werden sie durch Machtansprüche und durch die wechselvolle Geschichte. DasVerhältnis ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr und mehr erkaltet. Deutschland gehörtzuden Befürwortern von Wirtschaftssanktionen gegen das Russland von Präsident Wladimir Putin. Angesichts des massiven Drangsalierens der Opposition durch den Kreml an diesem Wochenende in Moskau stellt sich jedoch die Frage erneut: Wie soll man mit Russland reden, wie reagieren auf Gewalt und Einschüchterungen? Bei aller Kritik am Vorgehen von Sicherheitskräften und Behörden gegen die Demonstranten in Moskau: Die Ablehnung von Sanktionen gegen Russland ist vor allem in Ostdeutschland, das traditionell einen etwas anderen Blick auf die ehemalige Besatzungsmacht Sowjetunion hat, ausgeprägt. In diesem Herbst stehen in den drei ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen Landtagswahlen an –und alle drei Ministerpräsidenten lehnten gegenüber der Berliner Zeitung die Russland-Sanktionen ab. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist weiterhin gegen die Verschärfung vonSanktionen gegen Russland. Er hatte sich bereits vorTagen mit seinem sächsischen Amtskollegen Michael Kretschmer (CDU) dagegen ausgesprochen. Woidke ist sich sicher, dass sich die meisten Bürger gegen die Sanktionen aussprechen würden. „Bei einer Abstimmung gäbe es zumeist wohl eine klareMehrheit für einen Stopp der Sanktionen“, sagte er der Berliner Zeitung. Die ostdeutschen Regierungschefs stellen sich damit auch gegen die designierte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, die in einem Interview mit der Zeitung Die Welt gesagt hatte: „Der Kreml verzeiht keine Schwäche. Aus einer Position der Stärke heraus sollten wir an den Russland-Sanktionen festhalten.“ Woidke kritisiert den westdeutsch dominierten Blick. Er sieht in Ostdeutschland eine besondere Beziehung zu Russland. „Viele Menschen machen sich Sorgen um eine friedliche Zukunft“, sagt er.Das höre er immer wieder bei seinen Wahlkampfauftritten. „In diesen Diskussionen überwiegt ganz klar die Forderung an die Politik, im Dialog aufeinanderzuzugehen und auch eigene westliche Scheuklappen abzulegen.“ Aber Woidke fordert auch, sich mit den offensichtlichen Problemen in Russland auseinanderzusetzen. „Wir brauchen eine klare Haltung, aber keine Härte.“ Es sei vor allem wichtig, kein Öl ins Feuer zu gießen. „Was wir brauchen, ist ein guter Draht zu Russland. Es ist Teil Europas.“ Deshalb lehnt Woidke deutsche Alleingänge ab. „Aber wir können Türöffner für Lösungen sein.“ „Wir brauchen eine klare Haltung, aber keine Härte. Was wir brauchen, ist ein guter Draht zu Russland. Es ist Teil Europas.“ Dietmar Woidke, SPD-Ministerpräsident von Brandenburg Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer sagte der Berliner Zeitung am Montag zu dem harten Vorgehen des Kreml gegen die Opposition: „Selbstverständlich müssen die Stadtparlamentswahlen geheim, frei und gleich ablaufen.“ Trotzdem sieht auch er bei vielen Ostdeutschen eine klare Ablehnung der Sanktionen. „Man merkt, dass die Bürger sich mehr Sensibilität gegenüber Russland wünschen.“ Gerade um das deutsch-russische Verhältnis wieder zu stärken, müssten sich beide Seiten bewegen. „Der Abbau der Sanktionen wäre ein guter erster Schritt.“ Nach fünf Jahren sähen die Menschen, dass die Sanktionen nichts bewirken. Kretschmer sagte, dass nicht nur die Ostdeutschen so denken. „Auch im Westen haben immer mehr Bürger den Eindruck, dass die aktuelle Russlandpolitik nicht im deutschen Interesse ist und nichts zur Entschärfung der Ukraine-Krise beiträgt.“ Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow von der Linkspartei forderte ein Ende der Wirtschaftssanktionen, die er als falschen Weg bezeichnet. „Diese Sanktionen schaden nicht nur der Wirtschaft in den ostdeutschen Bundesländern, sie sind vor allem auch politisch völlig wirkungslos.“ Nach der Niederschlagung der Proteste in Moskau am Wochenende hat die Bundesregierung am Montag die rasche Freilassung der inhaftierten Demonstranten gefordert. Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer rief die russische Regierung „zur Einhaltung der Prinzipien vonOSZE und Europarat“ auf, was demokratische Grundsätze wie die Meinungsfreiheit betreffe. Weiter äußerte sich die Bundesregierung besorgt über den „übermäßig harten Polizeieinsatz“. Bei einer nicht genehmigten Kundgebung waren am Sonnabend fast 1400 Menschen festgenommen worden. Am Montag fielen die ersten Urteile. Gerichte verhängten nach Angaben russischer Medien mehrtägige Haftstrafen oder Geldbußen vonumgerechnet bis zu 140 Euro. Politik Seite 5 GETTY IMAGES Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 Ins Gleisbett gestoßen und getötet Achtjähriger stirbt im Frankfurter Hauptbahnhof P olitiker haben mit Bestürzung auf die Tötung eines Achtjährigen im Frankfurter Hauptbahnhof reagiert. „Was für eine heimtückische,entsetzliche Tat, ein unschuldiges Kind aus dem Leben zu reißen“, schrieb die Vorsitzende der Grünen- Fraktion im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, am Montag bei Twitter. „Meine Gedanken sind bei der Mutter und den Angehörigen des Jungens.Esist einfach nur schrecklich.“ Ein achtjähriger Junge war zuvor im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann voreinen einfahrenden ICE gestoßen und getötet worden. Die Polizei nahm einen Tatverdächtigen fest. Der Mann soll auch die Mutter des Jungen ins Gleisbett gestoßen und es bei einer weiteren Person versucht haben. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdelikts und wertet Videoaufnahmen aus. Der 40Jahre alte Tatverdächtige soll aus Eritrea stammen. Die Hintergründe sind noch unklar. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sprach von einer abscheulichen Tat. Zugleich setzte Weidel sie in Verbindung zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Georg Pazderski, Parteivize aus Berlin, äußerte sich ähnlich. Linken-Chef Bernd Riexinger twitterte daraufhin: „Ein achtjähriges Kind stirbt nach einer schrecklichen TatinFrankfurtund was macht die @AfD? Sieverbreiten ihrewiderliche und rassistische Hetze auf @Twitter! Es geht ihnen darum Hass zu verbreiten und Menschen gegeneinander aufzuwiegeln.“ Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) unterbricht wegen der Tötung des Achtjährigen seinen Urlaub. „Angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit“ wolle er die Chefs der Sicherheitsbehörden treffen, teilte der Minister mit. An diesem Dienstag will er die Öffentlichkeit informieren. Er seitief bestürzt und wünsche Angehörigen und Freunden des Jungen Kraft. Die Hintergründe für das abscheuliche Verbrechen seien noch unklar.Essei jetzt Aufgabe der Ermittlungsbehörden, diese schnellstmöglich und umfassend aufzuklären. „Der Täter wirdfür die Tatmit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu Verantwortung gezogen werden.“ (dpa) Panorama Seite26 194050 501603 21031

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