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Berliner Zeitung 30.09.2019

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Wasist uns das Klima wert? Die große Debatte – Seiten 4und 8 Österreich hat gewählt Seite 4 12°/17° Wolken und Regen Wetter Seite 2 Zu uncool für Mitte – Katja Berlin geht bummeln Kolumne Seite 8 www.berliner-zeitung.de Karneval in Köln: Hertha gewinnt auswärts 4:0 Sport Seite 20 Montag,30. September 2019 Nr.227 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Nebenjob gesucht? Was Studenten wissen müssen Wirtschaft Seite 6 Leichtathletik-WM Im Backofen gegrillt VonKarin Bühler Yohann Diniz quälte sich in Doha und gabauf. Der 41 Jahrealte französische Geher Yohann Diniz aus Épernay in der Champagne hat sich schon durch viele außerordentlich harte Wettbewerbe gequält, seit er 2006 Europameister über 50 Kilometer wurde und 2007 in der Hitze von Osaka Zweiter bei der Leichtathletik- Weltmeisterschaft in Japan. Bei Olympia in Rio vor drei Jahren etwa brach er zwischenzeitlich dehydriert zusammen, stand wieder auf, kippte sich eine Flasche Wasser über den Kopf und lief – trotz Magenproblemen und Durchfall – weiter bis ins Ziel. Diniz hält den Weltrekord über 50 Kilometer Gehen. Wenn einer wie er, einer von den Hartgesottenen also,keinen anderen Ausweg weiß, als beim um Mitternacht gestarteten WM-Wettbewerb der Geher in Doha nach 20 Kilometern auszusteigen, ist das ein bedenkliches Signal. „Da draußen haben sie uns in einen Backofen geschoben. Sie haben aus uns Meerschweinchen gemacht, Versuchstiere“ –soumschrieb Diniz das Gefühl der Ohnmacht, das viele der Ausdauerathleten auf der Strandpromenade Corniche bei mehr als 32 Grad Celsius und mehr als 70 Prozent Luftfeuchtigkeit befallen hatte. Seit dem Beginn der Leichtathletik-WM in Katar hat es viele befremdliche, teilweise schockierende Bilder aus Doha gegeben. Den taumelnden Marathonläuferinnen folgten die taumelnden Geher. Taumelnd hatte die WM begonnen, als Braima Suncar Dabo aus Guinea- Bissau im Vorlauf über 5000 Meter seinem entkräfteten Kollegen Jonathan Busby aus Aruba unter die Arme griff und ihn als rennende Krücke bis ins Ziel stützte. Taumelnd ging es am Sonnabend weiter, als sich die 10 000-Meter-Läuferin Alina Rehaus Laichingen auf der Schwäbischen Alb vor Bauchkrämpfen krümmte,wofür sie den Wechsel von mehr als 40 Grad Außentemperatur in das auf 26 Grad heruntergekühlte Stadion verantwortlich machte. DerPlan der Scheichs,mit derWM Werbung für ihr Land zu machen, ist bislang so schief gelaufen wie die Athleten kurz vor dem Umkippen, die sich dann kollabiert amBoden wiederfanden oder in Rollstühlen ins Medizinzelt gekarrtwerden mussten. „Ich bin frustriert, verärgert, erschöpft und enttäuscht, nicht kämpfen zu können“, sagte der Geher Diniz. Sein deutscher Kollege Carl Dohmann, als Siebter im Ziel, sah mit Eisbeuteln unter seiner Mütze aus wie der Ritter von der traurigen Gestalt. Und Evan Dunfee aus Kanada fand als WM-Dritter noch eine Steigerung zu Diniz’Bild vomMeerschweinchen im Backofen: „Ich komme aus der Tiefe der Hölle“, sagte er. Berlin läuft Nasses Pflaster,schnelles Pflaster: Knapp 47 000 Menschen starteten trotz Regen zum Berlin-Marathon. Kenenisa Bekele aus Äthiopien gewann und verpasste den Weltrekord nur knapp. Seiten 9und 17 Das Ost-West-Fremdeln Forsa-Umfragezum Tagder Einheit: Diedeutsch-deutsche Teilung istnoch spürbar, sagen viele Berliner VonElmar Schütze Esbleibt einiges zu tun“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem aktuellen Podcast anlässlich des Tags der Deutschen Einheit am Donnerstag. Die Regierungschefin spricht über deutsch-deutsche Gemeinsamkeiten und Unterschiede, aber auch über den langenWegzur Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West. „Einiges zu tun“, so die CDU- Politikerin, sei noch in Bezug auf die Entwicklung der Wirtschaftskraft der neuen Bundesländer. Diese habe zum Zeitpunkt der Vereinigung 1990 bei nur 43 Prozent der Kraft des übrigen Bundesgebiets gelegen, inzwischen sei der Wert auf 75 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg sei„ein großer Erfolg“, sagt Merkel, aber es reiche eben noch nicht. Außerdem müssten zum Beispiel auch die noch bestehenden Unterschiede im Rentensystem angeglichen werden. Überraschend und erschreckend Wenn nicht alles täuscht, sind die Unterschiede zwischen Ost und West im Jahr 30 nach dem Mauerfall aber noch deutlich vielfältiger, und sie gehen tiefer. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung hervor. Es gibt sogar einen kleinen Trend: Ost-West-Unterschiede werden ganz offenbar wieder wichtiger. Laut repräsentativer Umfrage, für die Forsa vom 17. bis 26. September 1002 Berliner befragte, denken 27 Prozent der Berliner nach eigener Auskunft darüber nach, ob eine Person, die sie kennenlernen, aus dem Osten oder aus dem Westen kommt. Das Überraschende –oder auch Erschreckende –daran: Bei derselben Frage hatten anderthalb Jahre zuvor nur 19 Prozentgesagt, dass sie auf die Herkunft ihres Gegenübers achteten. Ost oder West: Ein Thema bei neuen Bekanntschaften? in Prozent insgesamt ja nein Januar 2018 19 September 2019 27 Ost-Teil West-Teil 25 29 73 71 75 Das klingt nach einer fortschreitenden Entfremdung. Forsa ist bei dieser Frage intensiver ins Detail gegangen und hat herausgefunden, dass es auch bei dieser Frage einen –wenn auch kleinen – Ost-West-Gegensatz gibt. So sagten 29 Prozent der Menschen aus dem Osten, sie achteten auf die Herkunft des Gegenübers –bei denWestdeutschen sind es demnach nur 25 Prozent. Wenig überraschend ist hingegen, dass Befragte unter 30 Jahren deutlich seltener als der Durchschnitt über die Herkunft ihrer neuen Bekanntschaft nachdachten. Ein eher überraschender Gegensatz der Geschlechter zeigt sich bei den Antworten auf die Frage, ob die Folgen der Teilung in Berlin auch heute noch spürbar seien. 60 Prozent der Befragten sagten Ja. Größer als der Ost-West-Unterschied (61 zu 59 Prozent) ist der zwischen Frauen und Die Folgen der Teilung sind auch heute noch spürbar in Prozent ja nein, sind weitgehend überwunden insgesamt 81 60 39 Ost-Teil 37 61 West-Teil 59 40 an 100 Prozent fehlende Angaben =weiß nicht BLZ/HECHER; QUELLE: FORSA Männern: Sospüren 65 Prozent der Frauen dieTeilung Deutschlands und Berlins noch heute,bei denMännern sind es 54 Prozent. In ihremEinheitstags-Podcast hat Kanzlerin Merkel auch die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse angemahnt. Dies gelte „zwischen Land und Stadt genauso wie zwischen Nord und Süd und Ostund West“, sagte sie. Dass auch auf diesem Weg „noch einiges zu tun“ bleibt, belegen die Forsa-Zahlen. So nannten 29 Prozent das Lohnniveau als wichtigsten Indikator für eine immer noch spürbare Teilung – das ist der mit Abstand höchste Wert. 44Prozent der Ostdeutschen halten das unterschiedliche Lohnniveau für ein besonders starkspürbares Merkmal der Teilung, vonden Westdeutschen waren es nur 17 Prozent. Dazu passen die Antworten auf die Frage, obOstdeutsche in politischen Führungspositionen ausreichend vertreten seien. 48 Prozent sagten Ja, 31Prozent sagten Nein, 22 Prozent hatten dazu keine Meinung. Aufgeschlüsselt nach Herkunft ergibt sich folgendes Bild: 65 Prozent der Ostdeutschen glauben, Ostdeutsche seien nicht ausreichend vertreten, nur 17 Prozent vonihnen hielten dies sehr wohl für gegeben. DieWestdeutschen hingegen halten die Ostdeutschen mehrheitlich für ausreichend vertreten. DerbesondereBlick Ausgeprägt sind auch die Unterschiede bei Reise-, oder Ausflugszielen: 65 Prozent der Ostdeutschen fahren „häufig“ in ostdeutsche Bundesländer (außer Ost-Berlin), bei den Westdeutschen sind es nur 34 Prozent. Nach Westdeutschland (außer West-Berlin) fahren dagegen nur 19 Prozent der Ostdeutschen „häufig“, bei den Westdeutschen gaben dies 26 Prozentan. In einemsind sich die Berliner –ob Ost oder West –jedoch einig: Auf die Frage, ob Berliner einen anderen Blick auf dieTeilung haben als alle anderen, sagten 83 Prozent Ja–bei den in Ostdeutschland Geborenen waren es 84 Prozent, bei den in Westdeutschland Geborenen 81 Prozent. GETTY IMAGES/BONGARTS Schießerei auf offener Straße Berliner Polizei prüft Verbindungen zu Clans VonPhilippe Debionne und Eric Richard Bei einem Streit zwischen zwei Personengruppen in der Nacht zu Sonnabend an der Kantstraße in Charlottenburg hat einer der Beteiligten auf seine Kontrahenten geschossen. Zwei Männer wurden getroffen und schwer verletzt. Worum es in Charlottenburg ging, ist noch völlig unklar. Die fünfte Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. „Gegen 5.45 Uhr hörten Anwohner der Kantstraße in Charlottenburg mehrere Schüsse und setzten einen Notruf ab“, so ein Polizeisprecher. Nach Angaben von Augenzeugen sollen mindestens sechs Schüsse abgefeuert worden sein. Zwei Männer,beide 25 Jahrealt, wurden getroffen und verletzt. Bedrohung im öffentlichen Raum Immer wieder kommt es in Berlin im öffentlichen Raum zu Auseinandersetzungen mit Schusswaffen mit Verletzten oder auch Toten, vor allem im Bereich um den Kurfürstendamm sowie die Gegend um die EmserStraße in Neukölln. Oftmals stellt sich bei den anschließenden Ermittlungen heraus,dass Täter und Opfer im Milieu arabischstämmiger Groß- Familien verwurzelt sind. Das wird auch im aktuellen Fall geprüft, allerdings stünden die Ermittlungen am Anfang, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte. Die Täter seien noch unbekannt. Wieviele Personen an der Auseinandersetzung beteiligt waren, ist derzeit ebenfalls noch unklar. Die Opfer der Schießerei sollen sich kurz zuvor in einem Club aufgehalten haben, der sich ebenfalls in der Kantstraße befindet. In dessen Eingangsbereich wurden sie dann von den Kugeln getroffen. Ob auch die späteren Täter in dem Club waren, wird noch ermittelt. Am Sonnabendvormittag hatte die Polizei das Areal großräumig abgesperrt, Spezialisten der Kriminaltechnik suchten akribisch nach Spuren und sicherten mehrere Patronenhülsen sowie einige kleine und stark deformierte Metallstücke. Bei ihnen handelt es sich möglicherweise um Splitter von Projektile. Sie werden jetzt im Labor untersucht. Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt 4 194050 501603 11040

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