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Berliner Zeitung 31.12.2019

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14 Berliner Zeitung · N ummer 303 · 3 1. Dezember 2019/1. Januar 2020 ························································································································································································································································································· Brandenburg NACHRICHTEN Kondolenzbuch für Stolpe liegt in der Staatskanzlei aus Nach dem Toddes früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe ist im Land für drei Tage landesweite Trauerbeflaggung angeordnet worden. Dasteilte das Innenministerium am Montag mit. Zudem liegt vonDienstag an in der Potsdamer Staatskanzlei ein Kondolenzbuch aus.Die Öffentlichkeit könne dortAbschied nehmen, teilte die Staatskanzlei mit. Stolpe war am Sonntag in Potsdam im Alter von 83 Jahren gestorben. (dpa) Eine Mordkommission ermittelt in Jänschwalde In Jänschwalde ist ein Mann möglicherweise durch eine Straftat ums Leben gekommen. Die„Gesamtsituation“ lasse darauf schließen, teilte die Polizeidirektion Süd am Montag mit. EinNotarzte hatte in der Nacht zum Montag vergeblich versucht, den schwer verletzten Mann, dessen Identität noch ungeklärtist, zu retten. Ein63-Jähriger,der den Mann gefunden haben will, machte widersprüchliche Angaben und wurde vorläufig festgenommen. DieStaatsanwaltschaft und eine Mordkommission ermitteln. (dpa) Juli Zeh gefällt ihre Arbeit als Verfassungsrichterin DieSchriftstellerin Juli Zehist sehr froh, „dass ich als Verfassungsrichterinarbeiten darf“. Es sei ihr „als Verfassungspatriotin eine Herzensangelegenheit, dem Rechtsstaat auf diese Weise zu dienen“, sagte die Autorin, die mit ihrer Familie in einem DorfimHavelland lebt. Es sei„hochspannend“, sich immer wieder in neue Fälle einzuarbeiten. (dpa) LOTTO-QUOTEN Lotto-Zahlen: 7-12-18-19-23-24, Sz. 2 QUOTEN Klasse 1: unbesetzt x26540 960,80 Euro Klasse 2: 2x940 113,30 Euro Klasse 3: 96 x9792,80 Euro Klasse 4: 1241 x2272,60 Euro Klasse 5: 6001 x156,60 Euro Klasse 6: 62 591 x30,00 Euro Klasse 7: 109 357 x17,10 Euro Klasse 8: 1104 307 x7,60 Euro Klasse 9: 745 556 x5,00 Euro Alle Angaben ohne Gewähr! Ausgezeichnete Buden Preiswürdige Baukultur: In Kyritz wurde ein einzigartiges Ensemble mittelalterlicher Minihäuser saniert VonTorsten Müller,Kyritz Der Hotelbetreiber Andreas Heine streicht mit der Handfläche über das unverputzte Mauerwerk in einer der Ferienwohnungen, die er neuerdings direkt in der Altstadt von Kyritz (Landkreis Ostprignitz- Ruppin) vermietet. Ein ehrfurchtsvoller Blick begleitet die Berührung. „Das ist die gut 700 Jahre alte Stadtmauer unseres Ortes“, sagt er. Der Stadtwall ist mit seinen grob behauenen, ineinandergefügten Steinen die Rückwand des Ein- Raum-Hauses.Dreiverputzte,lehmgefüllte Fachwerkwände bilden die Seiten und die Vorderfront. Eine schmale Tür und niedrige Fenster geben den Blick auf eine kopfsteingepflasterte Gasse frei. Über den Raum spannt sich die offene Holzbalkenkonstruktion des Spitzdaches. Eine kleine Galerie ist hineingezimmert. „Das ist ein sogenanntes Budenhaus, das vor rund 250 Jahren wie eine Bretterbude mit einfachsten Mitteln an die Stadtmauer angehängt wurde,umbilligenWohnraum für Tagelöhner, Wanderarbeiter und ziehende Handwerker zu schaffen“, sagt Andreas Heine.Nun ist der ehemalige Stadtmauerverschlag nach jahrelangem Leerstand zum Ferienhäuschen für zwei Gäste rekonstruiert worden. Das Bad ist in einer Hausecke unter der Dachschräge eingepasst, silbernglänzende Halterungen für Handtuch und Toilettenpapier blitzen auf dem sandstrahlbehandelten roten Mauerwerk. In dem anderen Mauerwinkel der Puppenstuben-Wohnung liegt die offene Küche. Suppenkelle und Nudelholz hängen am Stadtwall. Spültisch, Ablageflächen und Bänke sind in die senkrechten Stützbalken eingefügt. Die dienen zugleich als optische Trennung zum Wohnbereich. Dort stehen zwei Sessel und ein schlanker,gedrechselter Rundtisch. Fünf Tinyhouses aus alter Zeit Daneben führt eine Stiege hinauf zum Hängeboden im Dachstuhl. Dort liegt das Schlafgemach. Der Raum unter der steilen Treppe bietet Platz für den Fernseher. Die Wärme kommt aus dem Fußboden, eine in einem winzigen Nebengelass platzierte Luft-Wärme-Pumpe speist die Heizspiralen unter den Terrakottasteinen. „Das gibt eine angenehme Wärme. Heizkörper hätten einfach zu viel Platz weggenommen“, sagt Architekt Christian Kannenberg. Sein Büro Kannenberg Architekten aus dem nahen Wittstock/Dosse hat dieses und fünf weitere mittelalterliche Minihäuser an der Kyritzer Andreas Heine hat die Minihäuser gepachtet und vermietet sie an Urlauber. Die Stadt: Kyritz ist eine alte Handels- und Hansestadt in der Ostprignitz (Nordbrandenburg). Der Ortkonnte sich am Handelsweg Berlin–Hamburg gut entwickeln. Besonders das Tuchgeschäft blühte in der Stadt. Sie verfügt bis heute über einen gut erhaltenen historischen Ortskernmit zahlreichen Fachwerkhäusernrund um Marktplatz und Kirche. IN DER GESCHICHTE WOHNEN T. UHLEMANN Die Häuser: Die Budenhäuser entstanden ab 1780. Die Frau des damaligen Bürgermeisters ließ sie errichten und vermarktete das Brachland an der Stadtmauer.Der Grundriss der Einraumhäuser betrug nicht mehr als 20 Quadratmeter,dortwohnten bis zu zehn Menschen. Heute bieten sie Plätz für zwei und vier Gäste (ab 80 Euro pro Tag). Stadtmauer zusammen mit der Stadt als Eigentümer und Bauherr, dem Pächter Andreas Heine und Handwerksbetrieben aufwendig saniert. Dafür gab es den diesjährigen Baukulturpreis des Landes Brandenburg. „Damit wird auch der Mut der Stadt gewürdigt, die sich gegen viele Widerstände für den Erhalt des Komplexes eingesetzt hat“, sagt Christian Kannenberg. Aus historischen Hüllen habe man Tinyhouses des 21. Jahrhunderts gemacht. Das Ensemble ist einmalig in Brandenburg, weil es über die Jahrhunderte förmlich mit der mittelalterlichen Stadtmauer verschmolz. Mallehnt ein Haus an der Mauer wie ein angekippter Stuhl. Malsitzen die Minigebäude auf und hinter dem Mauerband. Zusammen mit den Stadthistorikern förderten die Leute vom Architekturbüro unzählige soziale und bauliche Details zu den Bewohnern und den Umbauphasen zutage. Vom„Hexengang“ zur Modellgasse Nicht nur jeder Zentimeter Raum wurde durchgeplant, sondern auch um den Erhalt jedes alten Steins, Stützbalkens oder Fensterkreuzes gekämpft. Die Handwerker aktivierten wieder die alten Werkzeuge und Techniken. So entstand ein schmuckes Gässchen aus einem verruchten „Hexengang“. So nannte der Volksmund die Häuserzeile, für die es schon seit DDR-Zeiten keine Verwendung mehr gab und wo schließlich Bäume aus den geborstenen Mauernund Dächernwuchsen. Jetzt rennen die Gäste dem Hausvermieter zumindest vom Frühjahr bis zum Herbst im wahrsten Sinne die Bude ein. „Oft sind es Leute, die sich ganz speziell mit den Themen Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und Substanzerhalt beschäftigen“, sagt Andreas Heine, der in der Stadt bereits ein altes Bauernhaus zu einem Landhotel machte. Dank der Budenhäuser hat der aus Leipzig zugewanderte Gastronom noch einmal eine viel tiefereVerbindung zu seiner Wahlheimat gefunden. Gelegentlich verplaudert ersich mit den Gästen. Hier hat er eine Geschichte zum feuergeschwärzten Holz in der Küchenecke parat, dort kann er eine zum Lebensmittelkeller unter der Luke im Stubenboden erzählen. Auch die Kyritzer kommen gern, um einfach mal zu gucken und zu schwatzen. „Viele waren skeptisch, ob der Erhalt der Bruchbuden denn Sinn macht“, sagt Andreas Heine. „Aber diese schlichten Häuser wecken jetzt doch sowohl bei Einheimischen als auch bei Fremden den Respekt gegenüber dem, was uns überliefertist.“ Zoll stellt illegale Böller sicher Landesamt warnt vor gefährlichen Verletzungen Keine Zulassung, keine Prüfzeichen, keine Einfuhrerlaubnis: BeiRoutinekontrollen an der Grenze zu Polen hat der Zoll in der Zeit vor Silvester wieder vermehrt illegales Feuerwerk sichergestellt. Das sagte eine Sprecherin des Hauptzollamts Frankfurt (Oder) am Montag. Das Landesamt für Arbeitsschutz warnte indes vor den sogenannten Polenböllern. Diese könnten zu schweren Verletzungen führen, da sie oft mangelhaft verarbeitet seien und zu viel Sprengstoff enthalten könnten. Am vergangenen Silvester wurden mindestens sechs Menschen in Brandenburg durch Pyrotechnik verletzt. Beim Jahreswechsel 2017/2018 gab es den Angaben zufolge im Land zwei Tote durch Feuerwerk. An der Grenze zuPolen wird das ganze Jahr über immer wieder in Deutschland nicht zugelassenes Feuerwerk beschlagnahmt. Zuletzt fand der Zoll Ende November gut 1,1 Tonnen Pyrotechnik in einem Kleintransporter in Frankfurt(Oder), für deren Transportder Fahrer keine entsprechende Erlaubnis hatte. Mitte November stellte die Polizei bei einer Routinekontrolle rund 100 Kilogramm Böller,Batterien und Raketen in einem Auto sicher, die keine in Deutschland erforderlichen Prüfzeichen hatten. Insgesamt rechnet der Zoll für 2019 mit rund zehn Tonnen beschlagnahmter Pyrotechnik im Grenzgebiet zu Polen. Darunter ist laut Hauptzollamt Frankfurt (Oder) immer häufiger gefährlicheWare, die zwar zertifiziertist, aber nur vonausgebildeten Pyrotechnikerngezündet werden darf. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) empfiehlt, Raketen und anderePyrotechnik nur in „vertrauenswürdigen Läden“ und nicht etwa aus Kofferräumen an Autobahnparkplätzen zu kaufen. Wichtig sei geprüfte Ware –mit CE-Kennzeichen, Registriernummer und deutscher Gebrauchsanweisung. (dpa) Verbotene Ware –aufgespürtvon Zollbeamten ZB-FUNKREGIO OST Meinen Ausbildungsplatz habe ich auf azubis.de gefunden!

Berliner Zeitung · N ummer 303 · 3 1. Dezember 2019/1. Januar 2020 15 ························································································································································································································································································· Wissenschaft Zu Silvester sehr beliebt: Beim Raclette kann man den Abend mit einer spielerischen Ess-Orgie hinter sich bringen. GETTY IMAGES/BERKPIXELS Die Uhrzeit-Diät Potsdamer Ernährungsforscher untersuchen, wie der Tagesrhythmus den Stoffwechsel beeinflusst. Denn offenbar kommt es auch darauf an, wann wir essen VonHeikeKampe Der Biorhythmus: Gene und Proteine steuernunseren Biorhythmus. Die innere Uhr arbeitet zuverlässig –auch ohne äußere Einflüsse wie etwa das Tageslicht. Fast jeder Körperprozess richtet sich danach. Die Körpertemperatur ist zum Beispiel am Taghöher als in der Nacht. CHRONOMEDIZIN Die Bedeutung: In der Medizin gewinnt die Chronobiologie, in der diese Zusammenhängeerforscht werden, an Bedeutung.Denn die innere Uhr gibt auch den Takt für die Wirksamkeit vonMedikamenten vor. Der Blutdruck zum Beispiel ist morgens am höchsten. Die Anwendung: Bestimmte Krebsmedikamente wirken besser,wenn sie abends genommen werden. Auch einigeAsthmaarzneien sollten abends eingenommen werden, da die Lungenachts am sensibelsten ist. Die beste Zeit für Herzoperationen ist der Nachmittag. Kaum ist das Weihnachtsmenü verdaut, steht auch schon das Silvesterfondue auf dem Tisch. Oder alles fürs Raclette. Der Dezember hat es kalorienmäßig in sich. Noch dazu verleitet er zu den typischen Ernährungsfehlern, nämlich zu fett, zu süß und zu salzig zu essen. Das erhöht nicht nur das Körpergewicht, sondern auch das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und chronische Entzündungen. Über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit ist bereits viel bekannt. Seit einigen Jahren rückt jedoch ein weiterer Aspekt ins Blickfeld: DerZeitpunkt der Nahrungsaufnahme könnte entscheidenden Einfluss darauf haben, wie der Körper Fette und Zucker verarbeitet –und damit auch die Entstehung von Erkrankungen steuern. Es ist also nicht nur wichtig, was auf unserem Teller ist, sondernauch, wann wir ihn leeren. Warum das so ist, kann ein Blick auf die innereUhr erklären, die Menschen,Tiereund sogar Pflanzen besitzen. Müdigkeit, Blutdruck, Hunger, Körpertemperatur und sogar Schmerzempfindlichkeit –alle diese körperlichen Prozesse unterliegen einem Tagesrhythmus, den Moleküle, Proteine und Gene steuern. Mit seinen Bunkerstudien legte der Forscher Jürgen Aschoff in den 60er-Jahren den Grundstein für ein Forschungsfeld, das sich diesem Phänomen widmet: die Chronobiologie. Wochenlang ließ Aschoff seine Probanden in einer unterirdischen Versuchsstation ausharren –ohne Tageslicht, Uhr, Radio oder Fernseher.Erwollte herausfinden, ob die Rhythmen der inneren Uhrauch ohne äußereTaktgeber aufrecht erhalten bleiben. Die Ergebnisse zeigten: Auch ohne Sonnenlicht und Uhr folgten die Probanden einem inneren Rhythmus aus Schlafen, Wachen und Essen. Am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) in Potsdam- Rehbrücke untersucht die Zellbiologin und Ernährungswissenschaftlerin Olga Ramich den Zusammenhang zwischen der inneren Uhr und der Ernährung genauer. Jüngst ließ sie dazu in einer Studie 29 gesunde, männliche Probanden eine spezielle Diät einhalten, um zu untersuchen, wie sich eine tageszeitabhängige Ernährung auf die Blutfette auswirkt. Dass Frauen von der Studie ausgeschlossen waren, hat einen biologischen Grund: Der Menstruationszyklus beeinflusst ebenfalls den Stoffwechsel und kann die Ergebnisse verfälschen. Vier Wochen lang aßen die Männer ein kohlenhydratreiches Frühstück und Mittagessen – Brötchen, Marmelade,Müsli und Nudeln –und nachmittags und abends stand Fettreiches auf dem Plan, etwa Sahnepudding, Butter, Käse und Salami. Nach einer vierwöchigen Pause drehte sich der Ernährungsplan um. In den folgenden vier Wochen aßen die Probanden viel Fett zum Frühstück und später amTagviele Kohlenhydrate.Die gesamte Menge der Fette und Kohlenhydrate blieb gleich, sie wurden lediglich zu unterschiedlichen Tageszeiten aufgenommen. Nach jeweils vier Wochen baten die Forscher ihre Probanden zu einem Untersuchungstag ans Dife,wo sie gemäß ihrem Ernährungsplan entweder ein Marmeladen- oder ein Käsebrötchen frühstückten. Anschließend entnahmen die Forscher ihnen Blut und kleine Gewebeproben aus dem Bauchfett. Nachmittags wiederholte sich die Prozedur. Die Wissenschaftler interessierten sich vorallem dafür,wie sich die Zusammensetzung der Blutfette im Laufe des Tages änderte und welchen Einfluss der Zeitpunkt der fettoder kohlenhydratreichen Mahlzeiten dabei hatte. Ein besseres Verständnis des Zusammenspiels zwischen Blutfetten und der inneren Uhr kann wichtige Hinweise auf die Entstehung vonDiabetes geben. Denn wie gut das an der Erkrankung entscheidend beteiligte Hormon Insulin im Körper arbeitet, hängt auch vomFettstoffwechsel ab. Um dessen Regulationsmechanismen zu ergründen, analysierten die Wissenschaftler außerdem, welche Gene im Fettgewebe zur jeweiligen Tageszeit und in Abhängigkeit von der jeweiligen Diät aktiv waren. Mit ihrer Studie betreten die Forscher Neuland. „Bisher hat niemand die Effekte vonverschiedenen Mahlzeiten auf die Fettzusammensetzung im Verlauf des Tages untersucht“, sagt Olga Ramich. DieMethoden dafür hätten gefehlt. Nunsteht den Forschern mit der sogenannten High- Throughput-Shotgun-Plasma-Lipidomics-Methode ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung, mit dem erstmals das Lipidom –also die Gesamtheit aller Fette im Blutplasma – rasch und sehr genau bestimmt werden kann. „Dank unserer Kooperation mit Wissenschaftlern der Firma Lipotype GmbH konnten wir diese innovative Methode in unserer Humanstudie nutzen“, sagt Ramich. Mit der neuen Methode identifizierten und quantifizierten die Forscher insgesamt 672 Fette aus 14 Fettklassen im Blut der Probanden. Sie konnten nachweisen, dass sich die Wertevon einem Drittel der Fette in Abhängigkeit von der Tageszeit veränderten. Auch die Analysen des Fettgewebes zeigten, dass die Genaktivitäten ebenfalls vom Zeitpunkt der Mahlzeit beeinflusst werden. Fett- oder kohlenhydratreiche Mahlzeiten werden also tatsächlich unterschiedlich verstoffwechselt, wenn sie morgens oder abends gegessen werden. Das liegt unter anderem an Stoffwechselenzymen, die je nach Tageszeit unterschiedlich aktiv sind. Es könnte also sinnvoll sein, beim Essen auch auf die Uhrzuschauen. Ob fettreiches Essen möglichst nur noch abends oder kohlenhydratreiche Mahlzeiten nur morgens gegessen werden sollten, können die Forscher aber noch nicht sagen. Noch ist es zu früh, die Muster der tages- und diätabhängigen Fettwerte genau zu deuten oder gar Ernährungsempfehlungen zu geben. Das Zusammenspiel von Fetten, Enzymen, Genen und Hormonen ist hochkomplex und bisher ungenügend verstanden. Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass die Wirkung des Hormons Insulin und damit die Kontrolle des Blutzuckerspiegels eng mit den Fettwerten verknüpft ist. „Generell verstoffwechseln wir Glukose nachmittags viel schlechter als morgens“, erklärt Olga Ramich. „Wenn man gerne Marmeladenbrötchen isst, sollte man das tatsächlich lieber zum Frühstück machen.“ Bisher existieren keine Angaben über die Tageszeit in den Ernährungsempfehlungen, die etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt. Möglicherweise ändert sich das in der Zukunft, wenn die weiterführenden Forschungen tiefere Einblicke in den Rhythmus unseres Stoffwechsels gewähren. Davon könnten nicht nur Diabetiker oder Risikopatienten profitieren. Auch Schichtarbeiter, die ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen besitzen, könnten ihr Risiko mit einer zeitlich angepassten Ernährung vielleicht senken. „Das alles sind wichtige zukünftige Forschungsfragen, die sich aus unseren Ergebnissen ableiten“, sagt Olga Ramich. Künftig sei es vermutlich möglich, ungünstige Ernährungsmuster umzustellen und den Körper mit gutem Timing in seiner Stoffwechselarbeit zu unterstützen. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass Fondue am Abend eine gute Idee ist. Zumindest kann man bis zum Beweis des Gegenteils darauf hoffen. Der Koala ist ein Verlierer des Jahres Die Umweltstiftung WWF zieht Bilanz über den Zustand der Arten Ende 2019. Einige leiden unter der Erderwärmung und ihren Folgen, andere können sich anpassen Mehr als 30 000 Tieresind auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als bedroht vermerkt. 6400 vonihnen droht gar das Aussterben. Derzeit sei das „größte Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier“ im Gange, erklärte die Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) zum Erscheinen ihrer Liste der Gewinner und Verlierer im Tierreich 2019. Als Verlierer sieht der WWF die Eisbären, Sumatra-Nashörner und Koalas. Zuden Gewinnern gehören Goldschakale, Saiga-Antilopen und Hirschferkel. Bis 2050 könnte ein Drittel der globalen Eisbären-Population verschwinden, heißt es beim WWF. Der Grund sei vor allem die Klimakrise. So lebten etwa in der nördlichen Hudson Baynoch 842 Tiere–etwa 18 Prozent weniger als 2011. Die IUCN stufte Eisbären (Ursus maritimus) schon 2015 als „gefährdet“ ein. Damals wurde die Population auf insgesamt rund 26 000 Tieregeschätzt. Das letzte Sumatra-Nashorn Malaysias ist im November gestorben. Der Lebensraum der Tiere schwand enorm, weil der Wald für Palmöltig Nahrungsgrundlage der Koalas, wurden zerstört. Nach Angaben der Naturschutzorganisation Australia Koala Foundation (AKF) gibt es noch zwischen 43 000 und 100 000 Koalas. DieTiere kommen nur in Australien vor. Laut WWF ist ihre Zahl in den vergangenen 25 Jahren um rund ein Drittel geschrumpft. Zu den Gewinnern 2019 gehören nach Aussagen des WWF die Goldschakale.Der kleine Bruder des Wolfes verlässt mehr und mehr den warmen Südosten Europas und besiedelt Gebiete in Mitteleuropa. Auch plantagen, Papierproduktion und Bergbau in den vergangenen Jahrzehnten gerodet wurde. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis) als „vom Aussterben bedroht“. Derzeit streifen noch einige Exemplare durch Indonesien, laut WWF-Schätzungen weniger als 80. 2000 Koalas sind bei schweren Buschbränden in Australien seit Oktober verbrannt. Dassagten Wissenschaftler kürzlich bei einer Anhörung. Große Flächen an Eukalyptuswäldern, Lebensraum und gleichzeidas ist nach Ansicht des WWF eine Konsequenz der Erderwärmung. Auch in Deutschland werden ab und zu Goldschakale gesichtet. Nach Hochrechnungen der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) besteht die europäische Population aus 117 000 Tieren. Saiga-Antilopen: Vor knapp drei Jahren starben Tausende mongolische Saiga-Antilopen an einer Viruserkrankung, die von Schaf- und Ziegenherden übertragen wurde. Die Seuche und der folgende harte Winter seien laut WWF fatal gewesen: Der Bestand schrumpfte demnach von 11000 auf 3000 Tiere. Mittlerweile aber zeigen einige Tiere eine Immunität gegen das Virus. Hirschferkel: Im November sichteten Forscher erstmals nach 30 Jahren wieder ein Vietnam-Kantschil. Das Huftier aus der Familie der Hirschferkel war im OstenVietnams in eine Kamerafalle getappt. Wieviele Tiereder Art genau in der Region lebten, war zunächst nicht bekannt. Der letzte bekannte Artgenosse des Tieres war im Jahr 1990 von einem Jäger erschossen worden. (dpa)

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